Selbst ein Boot zu bauen ist eine großartige Erfahrung. In den USA und Kanada ist dieses ein weit verbreitetes Hobby, in Deutschland allerdings fast völlig unbekannt.
Vorbild Nordamerika
Es ist sehr interessant einmal im Internet unter Begriffen wie ´Bootsbau, Holzboot oder Boatbuildung etc` zu suchen.Man wird feststellen, dass deutschsprachige Webseiten äußerst selten anzutreffen sind, jedoch entsprechende Webseiten aus den USA oder Kanada in Unmengen zu finden sind. Dabei ist es auch kein Problem, Bauanleitungen, Baupläne oder sogar ganze Bausätze zu bestellen. Woher kommt dieser Unterschied? Oder ist auch diese Entwicklung erst noch auf dem Weg von Amerika nach Europa? Jedenfalls ist der Selbstbootsbau in Nordamerika ein weit verbreitetes Hobby, für das es dort sogar eigene Kurse, Schulen oder Akademien gibt. Deren Kurse können von jedermann besucht werden und meistens sind es gerade Hobbywerker, die sich selbst ein schönes Holzboot bauen möchten.
Sind die Voraussetzungen zugleich Barrieren?
Es ist sicherlich richtig, dass der Holzbootsbau nur etwas für geübte Hobbywerker ist. Wer noch niemals mit Holz gearbeitet hat, wird sich mit dem Bau eines Holzbootes sehr schwer tun. Aber es auch festzustellen, dass die Zahl der Hobbywerker kontinuierlich zunimmt, was auch durch ständig wachsende Angebote an Werkzeugen, Maschinen und Materialien in den Baumärkten zu bemerken ist. Diese Branche boomt im Moment regelrecht und es sind in Baumärkten die ausgefallensten Spezialwerkzeuge und -maschinen von jedermann zu erhalten. Das bedeutet, dass die Verfügbarkeit von Werkzeugen, Maschinen und Materialien keine Barriere darstellt.
Andererseits fehlen in Deutschland Informationen, Kurse und Anleitungen zum Selbstbootsbau wie in den USA häufig zu finden sind. Ganz vereinzelt werden in Deutschland Kurse zum Bau von Kanus etc angeboten.Größere Boote oder andere Bootstypen werden in Deutschland aber kaum selbst gebaut. Sicherlich sieht die Branche der Boots- und Schiffbauer es nicht gern, wenn der Selbstbau von Booten einen Teil potentieller Kunden abzieht, andererseits kann der Bauprozess selbst für viele Hobbywerker ein ausgleichendes und beruhigendes Hobby sein.
Gibt es rechtliche Hürden, die den Selbstbau erschweren?
Grundsätzlich kann ein jeder in seiner Freizeit machen, was ihm gefällt, dazu kann auch der Bau eines Bootes zählen. Rechtlich relevant wird es erst dann, wenn man mit dem selbstgebauten Boot auf das Wasser geht. Auf Bundeswasserstrassen (Flüsse, Kanäle oder auch Küsten) müssen Boote zugelassen sein. Diese Zulassung erhält man beim zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamt, das dabei nach einer sog. CE-Zertifizierung des Bootes fragt. Beantragt man jedoch die Zulassung für einen Selbstbau, entfällt dieser Nachweis und sind ggf. die Baupläne des Bootes vorzulegen. Etwas schwieriger kann es beim Verkauf des selbstgebauten Bootes werden. Ein gewerblicher Verkauf scheidet völlig aus, da innerhalb der EU gewerblich nur Boote mit einer CE-Zertifizierung gehandelt werden dürfen. Ein Privatverkauf ist eine private Sache zwischen zwei Personen, die diese Auflage nicht berührt.
Letztlich steht dem Selbstbau von Booten nichts im Weg: So bleibt nur, den wenigen Pionieren dieses Hobbys viel Erfolg zu wünschen.
