
- Selbstbewusstsein als Azubi - Stefan Dassler
Auszubildender A: „Gestern hat mein Ausbilder zu mir gesagt, ich soll ruhig selbstbewusster gegenüber den Kunden auftreten.“ Auszubildender B: „Wahrscheinlich meint er, dass du dann auch noch überzeugender Kunden beraten kannst.“ Auszubildender C: „Ich denke aber, dass man sich nicht übersteigert selbstbewusst gegenüber dem Kunden verhalten sollte, sonst schreckt das den Kunden ab.“
Selbstbewusstsein – was ist das eigentlich genau?
Selbstbewusstsein bedeutet das Bewusstsein seiner selbst. Darunter versteht man das aktive und bewusste Erkennen der eigenen Person und Persönlichkeit. Ein selbstbewusster Mensch beantwortet sich klar die Frage: Wer oder was bin ich eigentlich und welchen Wert habe ich tatsächlich? Ein selbstbewusstes Auftreten kann gegenüber Kunden, Vorgesetzten oder in Bewerbungsgesprächen von Vorteil sein. Selbstbewusstsein gilt als eine Schlüsselqualifikation in der Ausbildung. Zudem kann man als selbstbewusster Azubi verschiedene Risikosituationen besser meistern.
Selbstbewusste Menschen übernehmen gerne Verantwortung, nehmen Herausforderungen an und betonen lieber ihren Mut und ihren Leistungswillen, statt einen Fehlschlag lange zu betrauern. Von ihnen hört man eher Sätze wie: „Es gab Probleme, weil der Aspekt XY nicht gepasst hat.“ Sie sind kritikfähig, zweifeln aber bei einem Fehlschlag nicht gleich an sich selbst und an ihrem persönlichen Können. Sie äußern sich kaum in der Weise: „Verdammt noch mal, es ist einfach nicht zu schaffen.“
Das Selbstbewusstsein kann man steigern durch das Aneignen neuer Kenntnisse, Persönlichkeitseigenschaften und Fähigkeiten (etwa von Schlüsselqualifikationen wie Kommunikationsfähigkeit und Teamfähigkeit oder durch das Erlernen weiterer Sprachen). Man sollte dabei stets seine eigenen Stärken suchen und ausbauen sowie sich diese bewusst machen.
Erste Trainingsaufgabe
1. Denken Sie an Erfolgserlebnisse in den letzten Wochen in der Ausbildung. Notieren Sie sich, was diese Erlebnisse gemeinsam hatten und machen sie sich dies ganz bewusst.
2. Überlegen Sie jetzt schwierige Situationen in der letzten Zeit im Beruf. Was hat Sie behindert? Was könnte man dagegen tun?
Zweite Trainingsaufgabe
Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. In einigen Tagen haben Sie ein wichtiges Vorstellungsgespräch in einem interessanten Unternehmen. Es kommt darauf an, selbstbewusst zu wirken und verantwortungsbereit zu sein.
a) Trainieren Sie zu Hause vor dem Badezimmerspiegel eine aufrechte Haltung, das In-Die-Augen-Schauen und das Reden mit lauter und deutlicher Stimme.
b) Spielen Sie jetzt das Vorstellungsgespräch als Rollenspiel mit einem anderen Auszubildenden/Kollegen durch und achten Sie dabei auf die Haltung, Augenkontakt und Ihre Stimme. Üben Sie dies speziell, indem Sie Ihren Lebenslauf kurz vorstellen und deutlich machen, in welchem Bereich Sie Verantwortung übernehmen wollen.
c) Setzen Sie sich anschließend zum Feedback-Gespräch zusammen: Was war gut, wie zeigte sich Selbstbewusstsein? Woran müssen Sie noch arbeiten?
Nützliche Tipps zu den Trainingsaufgaben
- Versuchen Sie Ihre Stärken in allen Bereichen weiter auszubauen. Lassen Sie sich von Ihren Stärken zu neuen Zielen motivieren.
- Überlegen Sie, welche Vorteile auch eine scheinbare negative Eigenschaft bei Ihnen haben kann.
- Welche besonderen Fähigkeiten bringen Sie als Berufseinsteiger mit Ihrem theoretischen Schulwissen mit gegenüber anderen vielleicht älteren Kollegen?
- Suchen Sie sich einen Bereich im Unternehmen, in dem fast nur Sie sich auskennen. Eigenes Können und entsprechende Anerkennung schaffen Selbstvertrauen.
- Bleiben Sie bei der Einschätzung Ihrer Fähigkeiten immer an der Wirklichkeit orientiert – übertriebenes und übersteigertes Selbstbewusstsein schadet eher.
- Wenn Sie souverän und selbstsicher auftreten möchten, achten Sie besonders auf einen aufrechten Gang, möglichst viel Augenkontakt und eine klar und deutlich vernehmbare Stimme.
Literaturhinweis:
Stefan Dassler: Schlüsselqualifikationen für Auszubildende. Übungen und Trainingsbeispiele. Igel Verlag 2009. 196 Seiten. Euro 19,90.
