Selbsthilfegruppen für Menschen mit Sozialer Phobie

Haus in der Einsamkeit - Erika von Oltersdorff-Kalettka
Haus in der Einsamkeit - Erika von Oltersdorff-Kalettka
Sich als Teil einer freundschaftlichen Gruppe zu erleben, verbessert die Lebensqualität sozial ängstlicher Menschen.

Rund 5 bis 10 Prozent der Menschen sind einmal in ihrem Leben von sozialen Ängsten betroffen, dass heißt, sie leiden unter Ängsten in zwischenmenschlichen Situationen. Die Ängste äußern sich bei unterschiedlichen Betroffenen in ganz unterschiedlichen Situationen und auch in unterschiedlicher Weise. Die einen haben Probleme damit, sich in einer Gruppe zu äußern, anderen fällt schon der Gang in den Supermarkt schwer. Für viele ist Telefonieren eine Herausforderung, manche verlassen nicht einmal ihre Wohnung. In den entsprechenden Situationen leiden viele Betroffene unter körperlichen Symptomen wie Erröten, Zittern, Schweißausbrüchen. In Deutschland gibt es circa fünfzig Selbsthilfegruppen für Menschen mit Sozialer Phobie. Hier sollen Betroffene einen Rahmen finden, wo sie sich unter Menschen bedingungslos wohl fühlen können. Handeln und Gestalten unter Menschen und Selbstannahme sollen trainiert werden.

Organisatorischer Aufbau der Gruppen

Den Gruppen liegen ganz unterschiedliche Konzepte zugrunde. Eine Kurzumfrage des Verband der Selbsthilfe für Soziale Phobie und Schüchternheit, kurz VSSPS ergab, dass die Gruppen im Durchschnitt aus acht Teilnehmern bestehen. Etwa zweit Drittel der Gruppen treffen sich wöchentlich, ein Drittel alle vierzehn Tage. Bei etwa der Hälfte der befragten Gruppen handelt es sich um offene Gruppen, das heißt, dass neue Interessenten jederzeit ohne Voranmeldung dazu stoßen dürfen. Bei 39 Prozent handelt es sich um halboffene Gruppen. Hier ist eine kurze Kontaktaufnahme mit der Gruppenleitung vor der Erstteilnahme erforderlich. Die übrigen Gruppen sind geschlossene Gruppen, bei denen ein Vorgespräch nötig ist, bevor Interessenten an den Gruppentreffen teilnehmen dürfen.

Inhaltlicher Aufbau der Gruppen

Auch inhaltlich setzen die einzelnen Selbsthilfegruppen unterschiedliche Schwerpunkte. Es gibt Gruppen mit externer Begleitung, zum Beispiel durch einen Psychotherapeuten. Viele Gruppen werden jedoch allein durch ihre Mitglieder gestaltet. In einigen Gruppen stehen Gespräche im Vordergrund, wobei sich die Teilnehmer ermutigen, Ratschläge geben oder einfach zuhören. Diese Gespräche finden meist in geschlossenen Räumen in einem geschützten Rahmen statt. Andere Gruppen setzen ihren Schwerpunkt darauf, durch gezielte Übungen gegen die sozialen Ängste zu arbeiten. Wieder andere Gruppen wollen einfach Miteinander erleben. Sie treffen sich an öffentlichen Orten zum gemeinsamen Austausch und zu gemeinsamen Unternehmungen.

Wodurch die Gruppen helfen

Jeder Mensch braucht soziale Kontakte. Die Folge sozialer Phobie ist häufig Einsamkeit. Soziale Kontakte bieten ein Netz bei Problemen, Motivation bei Herausforderungen und die Möglichkeit, Freude zu teilen. Durch Interaktion mit anderen Menschen, lernt der Einzelne neue Facetten an sich kennen. In der Gruppe wächst der Einzelne. Der Mensch ist ein soziales Wesen und die Folgen von Einsamkeit können bis zu Depressionen und dem Verlust des Lebenswillen reichen. Die Selbsthilfegruppen bieten den Teilnehmern das Netz, was ihnen durch den häufig nicht vorhandenen Freundeskreis fehlt. Die Teilnehmer erleben sich in einer Gruppe Gleichgesinnter. Sie erleben sich als Gruppenmitglieder. Es ist Erfahrungsaustausch möglich und die Mitglieder können im geschützten Rahmen, Verhaltensweisen trainieren, die sie später auch in anderem Rahmen anwenden können. Die Gruppe lässt sich als heilsam bewerten, wenn Verständigung, Freundschaft, Vertrauen, sich einlassen und aktive Teilnahme möglich sind, wenn das Klima trotz der sozialen Ängste als herzlich und freundschaftlich erlebt wird.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

Quelle: Verband der Selbsthilfe für Soziale Phobie und Schüchternheit:

Leitfaden 1: Die Selbsthilfegruppe

Erika Kalettka, Erika von Oltersdorff-Kalettka

Erika von Oltersdorff-Kalettka - Ich bin am 24.03.1988 in Teterow geboren. Bis vor kurzem habe ich in der wunderschönen norddeutschen Hansestadt Lübeck gewohnt ...

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