Die Selbsthypnose wird, wie der Name sagt, selbst herbeigeführt im Unterschied zur klassischen Hypnose, die von einer anderen Person eingeleitet wird.
Fast widerspricht sich diese Selbsttätigkeit, wenn man sich vorstellt, dass die Hypnose ein Zustand ist, in der das bewusste Selbst komplett ausgeschaltet ist. Genau dies ist aber nicht der Fall.
Die Selbsthypnose hat durch den Umstand der Eigenständigkeit den Vorteil, von mehr Menschen angewendet werden zu können. Einige wenige Instruktionen, die man sich mit einem bescheidenen Literaturkompendium aneignen kann, genügen. Außerdem fällt die mögliche – aber unberechtigte Furcht, in hypnotisiertem Zustand einem fremden Willen ausgeliefert zu sein – weg.
Vielfältige Anwendungsgebiete
Die Selbsthypnose ist bei richtiger Anwendung ein wirksames Mittel, unerwünschte Verhaltensweisen langfristig zu verändern. Sie kommt bei der Raucherentwöhnung, Lampenfieber, bei Unsicherheiten im sozialen Kontakt, etc. zum Einsatz.
Leistungssportler kennen die Selbsthypnose unter dem Begriff Mentaltraining. In dieser Personengruppe ist diese Art Training – natürlich neben dem realen – Alltag. Ein Marathonläufer wird sich also bildlich seinen Parcours vorstellen, jede Einzelheit des Weges muss ihm geläufig und in seinem bildlichen Vorstellungsvermögen abrufbar sein. Natürlich wird er sich im Detail vorstellen, wie er seinen Körper zu Höchstleistungen anspornt, um dann als Sieger hervorzugehen.
Praktische Anwendung der Selbsthypnose
Im normalen Leben kann die Selbsthypnose zu anderen „Siegen“ führen. Jemand möchte zum Beispiel seine Redeangst ablegen. Immer wieder kommt die Person in die peinliche Situation, vor einer Gruppe von vielen Menschen, keine oder eine nur sehr schwer vorgetragene Rede halten zu können. Diese Hemmung ist umso ärgerlicher, als sie das berufliche Fortkommen hemmen kann. Außerdem fühlt sich ein Mensch, der unter starkem und unüberwindlichem Lampenfieber leidet, in seinem so genannten freien Willen entscheidend eingeschränkt. Doch gerade mit letzterem wird er in dieser Sache nicht vorankommen. Ein derart geplagter Mensch kann sich noch so häufig wiederholen, beim nächsten Mal keinen roten Kopf zu bekommen, die Hände nicht zittern, die Stimme nicht versagen zu lassen – wenn das Unterbewusste nicht angesprochen und überzeugt wird, kann sich an seinem Verhalten nichts verändern.
- Wie muss also vorgegangen werden? Zunächst gilt es, ein völlig klares, eindeutiges Ziel zu haben. Dann ist dieses in einer möglichst bildhaften Sprache zu formulieren und zwar bereits im vollendeten angestrebten Zustand, z. B.:
Ich spreche frei und leicht. Die Zuhörer sind völlig gleichgültig. Vortrag gelingt gut.
Am besten ist es, man notiert sich einen entsprechenden Satz, sobald man die bestmögliche Fassung gefunden hat. Die optimale Version ist die, die mit dem inneren gewünschten Zustand am meisten übereinstimmt.
Danach folgt die Versetzung in den Zustand, der dem zwischen Wachen und Schlafen entspricht. Eingeleitet kann dieser mit den unterschiedlichsten Entspannungsmethoden, wie der Progressiven Muskelentspannung, Autogenes Training, etc. werden. Hier muss durch Ausprobieren herausgefunden werden, welche die individuell geeignetste ist.
Befindet man sich in völliger Entspannung, kann man schon von einer Vorstufe der Trance sprechen, dem Zustand, in dem das Unterbewusste ansprechbar, das heißt, offen für Suggestionen ist. Bevor der Geist in den willenlosen Traumzustand hinüber gleitet, ist es nun an der Zeit, die auswendig gelernten Suggestionen leise zu sprechen oder auch zu flüstern. Nicht ausgesprochene Sätze besitzen nicht die gleiche Wirksamkeit, da sie die nötige Klarheit und Konzentration einbüßen. Wirklich entscheidend ist nun, dass die Sätze, die ungefähr dreißig Mal wiederholt werden müssen, mit bildhaften, sinnlichen Vorstellungsbildern verbunden werden.
Deshalb ist es ratsam, vor der ersten Selbstsuggestion so genannte Visualisierungsübungen durchzuführen. Hierzu gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten. Eine davon ist, einen beliebigen Gegenstand in etwa einem Meter Entfernung vor sich hinzustellen, diesen eingehend zu betrachten, die Augen zu schließen und ihn sich dann vor dem geistigen Auge vorzustellen. Eine fortgeschrittene Form der Visualisierung ist es, sich einen Begriff wie beispielsweise Freude bildlich vorzustellen. Sobald dies leicht fällt, ist man bereit für die Selbsthypnose.
Wie bei allen Dingen spielt auch hier die Übung eine wichtige Rolle. Doch bei sachgemäßer Durchführung können auch sehr schnelle Erfolge erzielt werden. Ein vorher von seiner Angst beherrschter Mensch wird durch die Selbsthypnose ruhig vor einer Menge Menschen stehen können und seine Rede mit Überzeugung und innerem Wohlbefinden vortragen können.
