Selbstmorde schwuler Jugendlicher in den USA

Immer wieder begehen schwule Jugendliche in den USA Selbstmord, nachdem sie Opfer von Mobbing wurden. Ursachen und Reaktionen.

In den letzten Monaten war in den Medien immer wieder vom Selbstmord schwuler Jugendlicher in den USA zu lesen. Am 20. Januar 2012 setzte der erst 14-jährige Phillip Parker aus dem Bundesstaat Tennessee seinem jungen Leben ein Ende. Grund für seinen Suizid soll Mobbing an seiner Schule gewesen sein.

Evangelikale Kirchen fördern homophobe Stimmung

In den Vereinigten Staaten nehmen viele Gruppen Einfluss auf die Stimmung im Land und vor allem evangelikale Kirchen und religiöse Gemeinschaften machen ihren Einfluss geltend, um gegen Homosexuelle vorzugehen. Leider trifft dies auch im Heimatstaat von Phillip Parker zu, denn Tennessee wird von einem sehr konservativen Parlament regiert, welches die Rechte von Lesben und Schwulen stark einschränken möchte. Beispielsweise soll demnächst über ein Gesetz entschieden werden, durch das das Anti-Mobbing-Gesetz unterlaufen werden soll. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Schwule und Lesben an Schulen gemobbt werden dürfen, wenn der Mobbende seinen religiösen Glauben als Grund angibt. Außerdem hat das Parlament von Tennessee das so genannte "Don't say Gay"-Gesetz auf den Weg gebracht, durch das schon das bloße Erwähnen des Begriffs Homosexualität während des Schulunterrichtes verboten ist.

Schwule Jugendliche in den USA müssen sexuelle Neigungen verschweigen

Obwohl die USA die größte Pornoindustrie weltweit besitzt und gut daran verdient, tut sich das Land mit Homosexualität außerordentlich schwer. Hier macht sich vor allem die macht der Kirchen und religiösen Gemeinschaften bemerkbar, die durch antiquierte Moralvorstellungen die öffentliche Meinung prägen. Viele Familien sind tief religiös und folgen den Wortführern der einzelnen Gemeinschaften oft blind und meist auch kritiklos. Wenn ein schwuler Jugendlicher in solch einem Umfeld aufwächst, dann hat er es fast zwangsläufig schwer, zu seiner Homosexualität offen zu stehen und ist nicht oder kaum in der Lage, ein normales Coming out zu durchlaufen. Outet er sich, wie Eric James Borges in Kalifornien, trotzdem oder wird, wie an einer Schule im Bundesstaat Utah geschehen, unfreiwillig bloßgestellt, dann ist er automatisch einem Spießrutenlauf ausgesetzt, der schnell dazu führen kann, dass für den Betroffenen der Selbstmord zum letzten Ausweg wird.

Kampagne „It get’s better“

Durch die zahlreichen Selbstmorde von schwulen Jugendlichen wachgerüttelt, riefen Prominente wie Comedy-Star Stephen Colbert, Ex-First Lady Hillary Clinton, US-Präsident Barack Obama, Schauspieler Kevin Bacon, Sängerin Gloria Estefan und viele andere die weltweite Kampagne "It get's better" ins Leben, um mit Video-Clips auf die Situation homosexueller Jugendlicher aufmerksam zu machen und Betroffenen zu zeigen, dass sie nicht allein sind. Inzwischen gibt es eine deutsche Variante der Kampagne.

Hillary Clinton spricht vor den Vereinten Nationen zum Thema Homosexualität

Immerhin bewegt sich etwas in der Politik der USA in Bezug auf die Rechte Homosexueller. US-Außenministerin Hillary Clinton hat in einer Rede vor den Vereinten Nationen in Genf die Verfolgung von Homosexuellen in der Welt angeprangert und angekündigt, dass die USA in Zukunft die Vergabe von Entwicklungshilfe stärker von der Einhaltung der Menschenrechte (auch für Schwule, Lesben und Transgender) abhängig machen wollen. Außerdem gab sie die Gründung eines LGBT-Fonds bekannt, der mit über 3 Millionen Dollar ausgestattet werden soll. Er hat die Aufgabe, weltweit Organisationen zu unterstützen, die sich mit dem Themenschwerpunkt Homosexualität beschäftigen.

Beratungsstellen für schwule Jugendliche in Deutschland

Auch in der Bundesrepublik Deutschland haben viele Jugendliche Probleme mit ihrem Coming out. Aus diesem Grund wurden spezielle Angebote wie dbna (du bist nicht allein) oder das Jugendnetzwerk Lambda geschaffen, wo sich Betroffene persönlich, telefonisch oder auch über das Internet Hilfe holen können.

Quelle:

queer.de

Christian Schultze, Christian Schultze

Christian Schultze - Geboren wurde ich 1967 in Berlin. Nach dem Realschulabschluss und einer anschließenden Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann ...

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