
- Selbstorganisation als Azubi - Stefan Dassler
Ausbilder zu einer Gruppe von Auszubildenden: „Kommen Sie mit der zeitlichen Einteilung und Organisation Ihrer Arbeitsaufgaben zurecht?“ Auszubildender A: „Meist kann ich alles an einem Tag erledigen, was ich mir vorgenommen habe.“ Auszubildender B: „Häufig bearbeite ich mehrere Aufgaben gleichzeitig.“ Auszubildender C: „Bevor ich die Dinge angehe, setze ich mir Prioritäten.“ Auszubildender D: „Auf meinem Schreibtisch herrscht oft kreatives Chaos.“
Warum ist Selbstorganisation wichtig?
In der Ausbildung und Im Beruf ist Selbstorganisation von Bedeutung, um Aufgaben zuverlässig und termingerecht zu erledigen. Sie ist die Fähigkeit, mit Ausdauer, Fleiß und Selbstdisziplin – also selbstorganisiert – eine Aufgabe oder einen Arbeitsauftrag zu verfolgen. Dies ist auch dann wichtig, wenn es schwierig wird und unvorhergesehene Hindernisse auftreten. Selbstorganisation heißt auch, für sich selbst Regeln (Prioritäten setzen, Ordnung auf dem Schreibtisch) für die Arbeit aufzustellen und diese auch einzuhalten.
Positive und negative Effekte
Es gibt folgende positive Effekte bei verstärkter Selbstorganisation der Mitarbeiter im Unternehmen:
- Motivation: Sie steigt, da die Arbeit bedeutungsvoller, sinnvoller, ganzheitlicher und abwechslungsreicher erlebt wird.
- Flexibilität: Man wird anpassungsfähiger an unterschiedliche Arbeitsbedingungen.
- Lenkbarkeit: Die Auszubildenden und Mitarbeiter lenken und organisieren sich weitgehend selbst und entlasten so ihre Ausbilder und Chefs.
- Zeitaufwand, Kosten: Es ist eine schnellere, reibungslosere und daher kostengünstigere Anpassung der Auszubildenden und Mitarbeiter an veränderte Rahmen- und Arbeitsbedingungen möglich.
Auf der anderen Seite gibt es auch negative Effekte einer verstärkten Selbstorganisation:
- Konflikte: Die Konfliktanzahl ist potentiell höher, wenn Regeln selbst ausgehandelt werden müssen, ohne Ausbilder oder Chefs einzuschalten.
- Hohe Anforderungen an Ausbilder: Sie müssen selbst Vorbild für die Auszubildenden sein und sehr gute Selbstorganisation praktizieren können.
Um herauszufinden, wie gut man selbstorganisiert ist, sollte man sein eigenes Arbeitsverhalten erst einmal einschätzen.
Erste Trainingsaufgabe zur Selbstorganisation
Einschätzungstest zum Arbeitsverhalten: Kreuzen Sie jeweils a) oder b) an.
Planung des Handelns
a) Ich setze mir Schwerpunkte, bevor ich Aufgaben beginne.
b) Ich gebe Aufgaben oft die gleichen Priorität.
a) Ich überlege, in welchen Etappen ich Arbeitsaufträge angehe, und informiere mich vorher.
b) Ich arbeite erstmal drauflos. Zuviel Planung kostet nur Zeit.
a) Ich teile mir meine Aufgaben zeitlich mit Terminplaner genau ein.
b) Ich teile mir meine Arbeit eher gefühlsmäßig ein.
a) Ich setze Strukturen im Ausbildunsg- und Berufsalltag und organisiere den Tag.
b) Ich bearbeite häufig alles mögliche und unterschiedliche gleichzeitig.
a) Ich arbeite an einem Tag alles ab, was ich mir vorgenommen habe.
b) Ich nehme mir viel vor, doch ich schaffe meist nicht alles. Häufig kommt etwas dazwischen und ich nehme unvorhergesehene, dringende Aufgaben an.
Gestaltung des betrieblichen Umfelds
a) Ich habe eine gute Übersicht über meine Arbeitsmittel, Unterlagen und mein Ablagesystem und kann rasch und gezielt auf wichtige Informationen zugreifen.
b) Meine Unterlagen, Ablagen und Arbeitsmittel sind häufig durcheinander. Auf meinem Schreibtisch herrscht das manchmal Chaos.
a) Ich versuche, für meine Arbeit ein positives, angenehmes Klima zu schaffen.
b) Die betriebliche Atmosphäre ist mir nicht so wichtig. Entscheidend ist, welches Ergebnis bei meiner Arbeit herauskommt.
Steuerung des eigenen Willens
a) Meist kann ich berufliche Vorhaben auch gegen Widerstände von anderen durchzusetzen.
b) Wenn ich an äußere Hindernisse bei meinen Vorhaben stoße, hole ich mir Rat bei Kollegen und überprüfe, ob meine gesetzten Ziele noch stimmen.
a) Hindernisse, Probleme und Rückschläge setzen bei mir zusätzliche Energie und Aktivität frei.
b) Hindernisse, Probleme und Rückschläge bewirken bei mir Verunsicherung und entmutigen mich eher.
Der Test soll nur eine erste eigene Einschätzung ermöglichen. Umfangreichere und noch aussagekräftigere Tests müssten wissenschaftlich erarbeitet und ausgewertet werden.
Zweite Trainingsaufgabe zur Selbstorganisation
Notieren Sie sich zu jedem der folgenden Bereiche 3 Tipps, die Sie anderen Auszubildenden geben können.
1. Bereich Planung des Handelns
2. Bereich Zeitplanung
3. Bereich Gestaltung des betrieblichen Umfelds
4. Bereich Steuerung des eigenen Willens
Nützliche Tipps zu den Trainingsaufgaben
- Auswertung des Einschätzungstests: Wenn Sie im Test häufiger a) angekreuzt haben, dann sind Sie von der Tendenz her ein Planer und Strukturierer – also gut selbst organisiert. Sollten Sie öfter b) angekreuzt haben, so müssten Sie möglicherweise noch an Ihrer Selbstorganisation arbeiten – insbesondere an der Steuerung des eigenen Willens, der Durchführung und dem Umfeld.
- Um sich besser selbst zu steuern und zu motivieren, sollte man sich fragen, welche Ziele man überhaupt hat und wie man dahin kommt. Keinesfalls einfach irgendwie drauflos arbeiten!
- Setzen Sie sich selbst Regeln und Vorgaben, aber disziplinieren Sie sich nicht so sehr. Nicht nur zu wenig Selbstdisziplin kann die Erreichung von Zielen gefährden, sondern auch zu viel. Denn es kann die spontane Aktivität und kreative Problemlösung beeinträchtigt werden.
- Tun Sie sich nach dem erfolgreichen Abschluss von Aufgaben etwas Gutes. Klopfen Sie sich gedanklich auch mal auf die Schulter, wenn etwas gut geklappt hat und erfolgreich war.
- Denken Sie stets daran, was Ihnen an Ihrer Arbeit und Ihren Aufgaben gefällt und was Sie von anderen Seiten dafür bekommen (Anerkennung, Lob, gutes Arbeitsklima, Bezahlung).
Literaturhinweis:
Stefan Dassler: Schlüsselqualifikationen für Auszubildende. Übungen und Trainingsbeispiele. Igel Verlag 2009. 196 Seiten. Euro 19,90.
