
- Stabile Ökosysteme können sich selbst regulieren - Bianca Heidelberg
Ein stabiles Ökosystem besteht aus Produzenten, Konsumenten und Destruenten. Produzenten sind Pflanzen; sie stellen die Biomasse dar, welche Nahrungsgrundlage für die Konsumenten ist. Unter den Konsumenten gibt es Pflanzenfresser, die sich direkt an der Biomasse der Pflanzen gütlich tun. Fleischfresser profitieren indirekt von den Produzenten, indem sie deren Konsumenten, also Pflanzenfresser, fressen. Auch tierische Parasiten werden zu den Konsumenten gezählt. Destruenten bauen Abfallprodukte ab, zum Beispiel tote Lebewesen, Fraßabfall und Kot. Daraus produzieren sie Wasser, Kohlendioxid und Mineralstoffe; das wiederum benötigen die Pflanzen zum Wachsen.
Dynamisches Gleichgewicht: Stoffabbau = Stoffaufbau
Hat sich der Kreislauf zwischen Produzenten, Konsumenten und Destruenten in einem Ökosystem eingependelt, entsteht ein dynamisches Gleichgewicht. Das heißt, der Stoffabbau ist genau so groß wie der Stoffaufbau. Stoffabbau entsteht durch die Atmung von Pflanzen und Tieren, Stoffaufbau durch die Fotosysnthese. Entsteht ein neues Ökosystem, so ist die Zunahme an Biomasse zu Beginn sehr groß; hat sich das dynamische Gleichgewicht eingestellt, so nimmt die Biomasse nicht mehr zu. In einem See, der sich nicht im Gleichgewicht befindet, wächst die Biomasse weiter und es kommt zur Veralgung.
Ein Ökosystem, das sich im Gleichgewcht befindet, kann kurzfristige Belastungen gut abfangen. Starke oder langfristige Veränderungen führen hingegen häufig dazu, dass sich das Ökosystem grundlegend ändert und ein neuer Lebensraum entsteht.
Wer reguliert wen?
Die Beziehungs-Kurve zwischen Luchs und Schneeschuhhase wird in vielen Schulbüchern als klassische Räuber-Beute-Beziehung mit periodischen Schwankungen abgebildet. Aber wer reguliert wen? Fressen die Luchse so viele Hasen, dass deren Population schrumpft? Beobachtungen zeigen, dass die Schwankungen in der Hasenpopulation auch ohne Luchse auftreten. Zusätzlich gilt der Grundsatz, dass nur so viele Konsumenten existieren können, wie es die Produktion der Produzenten ermöglicht. Das spricht dafür, dass die Räuber von ihren Beutetieren stärker beeinflusst werden als umgekehrt.
Eine Rolle der Räuber, auch Prädatoren genannt, ist unumstritten: Sie gelten als die Aufräumer im Tierreich, beseitigen tote und kranke Tiere. Diese Funktion ist sehr wichtig für jedes Ökosystem, und deshalb hat es schwerwiegende Folgen, wenn Raubtiere ausgerottet werden. Die Aufräumer fehlen, und das Ökosystem „vermüllt“. Der Mensch hat bereits vielen Ökosystemen die höchsten Raubtiere genommen und sich dann selbst zum regulierenden Element aufgeschwungen.
Störung durch Einschleppung
Nicht nur das Ausrotten vorhandener Arten, sondern auch das Einschleppen fremder Arten kann das Gleichgewicht eines ökologischen Systems zerstören. Fremde Arten bringen oft neue Krankheiten mit, gegen die vorhandene Arten keine Immunität besitzen. Aquarium-Besitzer wissen, wie schnell das Becken sich plötzlich leeren kann, wenn die „falschen“ Fische hineingesetzt werden. Auch das Jagdverhalten der eingeschleppten Arten kann Probleme verursachen. Die vorhandenen Arten stehen unter dem Druck, sich möglichst schnell an die neue Nahrungskonkurrenz oder den neuen Fressfeind anzupassen; Evolution verläuft allerdings sehr langsam.
Welche Probleme eingeschleppte Arten mit sich bringen können, erfahren Weinbauern auf bittere Art: der Asiatische Marienkäfer, der als Blattlaus-Fressmaschine eingeführt wurde, vertilgt zwar wirklich haufenweise Blattläuse, frisst aber auch unsere heimischen Marienkäfer und verdirbt auch noch den Wein. Näheres ist bei natur+kosmos zu lesen.
