Selbstverteidigung für Frauen und Mädchen

Was man in Selbstverteidigungskursen lernt

Ellenbogenstoß abwärts - Bernd Bucher
Ellenbogenstoß abwärts - Bernd Bucher
Selbstverteidigung für Frauen wird immer gefragter. Doch nicht nur wie man sich wehren kann wird in SV-Kursen trainiert. Zur Selbstverteidigung gehört weit mehr.

Auch in unserer emanzipierten Gesellschaft gelten Frauen oft nach wie vor als schwach und ängstlich. Viele Frauen, die nach dem Bild der zurückhaltenden weiblichen Gefährtin erzogen wurden, schüchtern sind oder ängstlich, entsprechen diesen Erwartungen.

Jede Frau erinnert sich an Situationen, in denen sie sich von Männern belästigt fühlte. Unerwünschte Annäherungen und aufdringliche Anmachen gehören für viele zum Alltag. Gezielte Kurse und Workshops für Frauen und Mädchen sollen helfen, mit unerwünschten oder sogar bedrohlichen Situationen besser zurechtzukommen oder sie von vornherein zu vermeiden.

Selbstverteidigung für Mädchen und Frauen - Was lernt man in Selbstverteidigungskursen?

SV-Kurse für Frauen werden von Kampfsportvereinen, Volkshochschulen und privaten Institutionen angeboten. In kleinen Gruppen lernen die Teilnehmerinnen dabei nicht nur, sich körperlich gegen Angreifer zur Wehr zu setzen, sondern vor allem durch ihr Auftreten, Verhalten und verbale Abwehr überhaupt einen körperlichen Angriff von vornherein verhindern. Denn die Selbstverteidigung ist nur das letzte von drei Modulen, aus denen Selbstverteidigungskurse für Mädchen und Frauen aufgebaut sind: Selbstbewusstsein, Selbstbehauptung, Selbstverteidigung.

In den Kursen wird zunächst an Körpersprache, Haltung, Mimik und Auftreten gearbeitet. Dann lernen die Teilnehmerinnen „Nein!“ zu sagen, der eigenen Kraft zu vertrauen und dass es nicht lächerlich sondern selbstbewusst ist, einmal lauthals zu schreien. Ziel ist es, die Persönlichkeit der Frauen zu stärken. Viele haben mit Minderwertigkeitsgefühlen zu kämpfen und befürchten, nicht gehört zu werden, wenn sie widersprechen.

Eine Frau, die Selbstvertrauen ausstrahlt, ist aber weniger interessant für Angreifer und kann vor allem mit Belästigungen oder Pöbeleien viel besser umgehen.

Schließlich werden in gezielten Übungen typische bedrohliche Gegebenheiten durchgespielt. Die Frauen können Ängste besser verarbeiten, lernen ein situationsbezogenes Abwehrverhalten und Verteidigungstechniken, die für Frauen besonders gut geeignet sind.

Welche Abwehrtechniken eignen sich für Frauen und Mädchen zur Selbstverteidigung?

Die allermeisten Teilnehmerinnen in Selbstverteidigungskursen sind nicht in Kampfkünsten geübt, viele sind auch sonst nicht unbedingt sportlich. Abwehrtechniken, die in Kursen unterrichtet werden, sind deshalb so ausgewählt, dass sie leicht verständlich, einfach auszuführen und dennoch sehr wirkungsvoll sind. Das beginnt mit einfachen Bewegungen, die einen unsanften Griff oder eine nicht erwünschte Umarmung lösen. Für Situationen mit Körperkontakt und besonderer Bedrängnis gibt es sehr schmerzhafte Schlagvarianten aus dem Ju-Jutsu auf Nase, Ohren oder Augen. Alle gelehrten Techniken müssen ohne viel Kraft und Koordination ausführbar sein. In den Kursen werden die Abwehrmöglichkeiten in nachgestellten Situationen trainiert. Außerdem können die Teilnehmerinnen Schlag- und Stoßtechniken an Pratzen ausprobieren. Wirklich kraftvoll zuzuschlagen kostet gerade Frauen oft selbst bei einem solchen Schlagpolster viel Überwindung.

Gezielte Schläge mit der Faust werden in Frauen-SV-Kursen seltener unterrichtet, da eine korrekte Faust zu machen für nicht im Kampfsport trainierte Personen oft schwieriger ist als gedacht und es eher zu eigenen Verletzungen kommen kann als zu einer echten Verteidigungswirkung. Auch Knietechniken, werden vor allem älteren Frauen nicht unbedingt empfohlen, weil diese einen guten Gleichgewichtssinn voraussetzen.

Vorsicht mit Pfefferspray zur Selbstverteidigung!

Sehr aufpassen sollten Frauen, wenn sie sich entschließen, Pfefferspray, Geräuschfallen oder sogar Waffen wie Messer zur eigenen Verteidigung in der Handtasche bei sich zu tragen. Denn für all diese Gegenstände gilt eine große Gefahr: Sie können auch gegen einen selbst verwendet werden! Davon ausgehend, dass der Angreifer seinem Opfer in den meisten Fällen körperlich überlegen ist, kann er einer zögernden Frau die Dose Pfefferspray leicht aus den Händen ringen. Dann verschärft sich die Situation um ein Vielfaches. Die möglichen Folgen, die das Entwenden eines Messers oder einer Schusswaffe für das Opfer durch den Angreifer haben kann, brauchen keiner weiteren Erläuterung.

Auch zu einer falschen Anwendung kann es in Stresssituationen kommen. Die Dose Pfefferspray in die falsche Richtung abgefeuert macht jede Gegenwehr des Opfers zunichte. Der Angreifer hat dann freie Hand.

Deshalb ist bei der Verwendung von Pfefferspray unbedingt zu beachten: Wer einen solchen Abwehrgegenstand bei sich trägt, muss auch bereit sein, diesen einzusetzen! Angst, dem Angreifer wehzutun, bringt Frauen oft dazu, mit der Dose nur drohend herumzufuchteln. Damit wird der Vorteil des Überraschungsmoments zunichte gemacht und der meist stärkere Gegner kann leicht die Oberhand gewinnen. Pfefferspray aber ist in gefährlichen Situationen sofort und ohne zu zögern einzusetzen, wenn die Frau die Gegebenheit als bedrohlich genug einschätzt.

Vom Tragen von Waffen zur Selbstverteididung ist generell abzusehen. Es ist für einen selbst viel zu gefährlich und muss man sie zur Verteidigung anwenden, kann man dabei leicht die Gesetze jeder Verhältnismäßigkeit verletzen und sich selbst zum Täter machen.

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Constanze Liess, Constanze Liess

Constanze Ließ - Constanze Ließ studierte Journalismus an der Freien Journalistenschule Berlin. Sie bringt ihre Erfahrungen aus anderen Ländern ...

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