
- Lydia Seigerschmid und Melanie Reiner beim Texten - K. Mieth
Der fertig geschnittene Film liegt als Daten-Stream in der Timeline, ist redaktionell abgenommen und kann nun vertont werden. Die Sprecherin Lydia Seigerschmid begibt sich in die Sprecherbox des Jugendradios „Störfunk“ im Medienzentrum München. Der Tonmeister kann die Sprache in einem Rutsch aufnehmen, denn Lydia ist das akzentuierte Sprechen ins Mikrofon schon von zahlreichen Kundgebungen bei Tierrechtsveranstaltungen mittels Megafon gewöhnt. „Die Sprache sitzt, beim Reinhören ist alles ok, für die richtige Positionierung kann die aufgenommene Sprachsequenz passend zum Film durch schieben in der Timeline noch haargenau bearbeitet werden“, sagt der Tonmeister.
Schon seit einigen Wochen ist die Jugendtierschutzgruppe AnimalsUnited mit ihren Ideen und dem anschließend gesammelten Material in der Medieneinrichtung in München-Neuhausen vor Ort. Nach einer Redaktionssitzung bei Matz-TV und einer Kurzeinweisung in die Kameratechnik für die Jugendlichen haben Kameramann Franz und Tonfrau Kristin die Tierschutzgruppe bei ihren Aktivitäten, dem Drehplan entsprechend, begleitet. Zuletzt bei den professionellen Dreharbeiten für den Kinospot mit dem berühmten Sänger und Musiker Peter Maffay in der Münchner U-Bahn-Station Trudering. „Dieses Mal haben wir auf P2-Karten aufgezeichnet. Die Kombination im Schnitt mit dem vorab gedrehten DV-Kameramaterial von den Teambesprechungen des Tierschutzvereins ist kein Problem, die Daten können im Projekt angeglichen werden, damit die Schnitt-Software alle Daten gemeinsam bearbeiten kann", erklärt Kameramann Franz den technischen Hintergrund.
Nullen und Einsen – es gibt immer ein Back-Up
Das auf P2 gedrehte Kameramaterial ist im Rechner im Projekt Anti-Pelz-Film gespeichert. Organisatorin von Matz-TV Ilona Herbert erklärt den Jugendlichen, wie das Schnittsystem arbeitet und sortiert gemeinsam mit Lydia, Melanie, Markus und Daniel das Material. „Wie ist es mit der Sicherheit der Daten, gibt es ein Back-Up“, fragen die interessierten Jungendlichen. „Da kann man fast nichts löschen, der Rechner speichert automatisch alle 15 Minuten ein Back-Up. Man kann auch einen kürzeren Speicherabstand in den Settings einstellen, das zeige ich euch gleich“, erklärt Ilona Herbert einen Teil der Datenverwaltung. „Die Mediafiles werden auf einer bestimmten Partition abgelegt, die Avid-Software bietet ein sehr sicheres und stabiles System.“ Nach dem Sortieren in so genannte bins werden die Fenster und die Timeline erklärt, wo Rohmaterial und die bereits geschnittene Sequenz sichtbar werden. In der Timeline können mehrere Videospuren erzeugt werden, das sieht man an der Anordnung V1, V2, V3. Das gleiche gilt für die Audiospuren. Im so genannten Player-Window markiert man mit zwei Tasten „In- und „Out-Punkt“ und editiert das markierte Filmstück in die angelegte Schnittsequenz. In der Aneinanderreihung dieser ausgewählten Ausschnitte kann die Montage entstehen. Dabei arbeitet das System nonlinear, das heisst, man kann alle Film- und Tonteile verschieben, wie es für den Ablauf des fertigen Filmes relevant ist.
Matz-TV ist ein Projekt des Medienzentrums München für Jugendliche
Die Jugendlichen möchten wissen, wie man damit umgeht, wenn ein Fehlbild produziert wird. „Beim sogenannten Splice-In entsteht ein Fehlbild, achtet man beim Schneiden nicht akurat auf die Position des Cursors“, erklärt die Organisatorin von Matz-TV Ilona Herbert. „Zum heutigen Abschluss noch eine sehr wichtige Funktion für die synchrone Montage: sind Bild und Ton asynchron, zeigen kleine Zahlen in der Timeline dies an. Da das System „weiß“, dass Bild und Ton synchron zusammengehören, erkennt es bei einer Verschiebung von Bild und Ton eine Asynchronität. Hier endet meine Ersteinführung und die Jugendlichen sichten dann ihr Material.“
Die Macher von Matz-TV bieten diesen Einblick in die Videoproduktion jungen kreativen Köpfen in München als einzigartige Möglichkeit, die ein sendetaugliches Konzept vorlegen und mit Engagement von der Idee bis zur Realisation an diesem Projekt arbeiten.
Das Projekt der Jugend-Tierschutzorganisation AnimalsUnited ist ein Informations-Film
In einer Teambesprechung im Jugendzentrum des Tierschutzvereins entstand die Idee eines weiteren Filmprojektes, nachdem die Jugendlichen schon im Jahr 2009 einen Kinospot zur Aufklärung mit dem Motto "Wer Pelz trägt, trägt den Tod“ zum Thema Pelzindustrie realisiert hatten. In Zusammenarbeit mit Prominenten wie Peter Maffay und Personen des öffentlichen Lebens möchten die Jugendlichen noch mehr Aufmerksamkeit auf die Leiden der Tiere richten, die in sogenannten Pelzframen und Fallen ihr qualvolles Leben hingeben für unnötige Modegags von Pelzkragen, Handschuhbesätzen oder Pelztaschen. Nach dem Konzept der Jugendlichen werden professioneller Kinospot und „Making-Of“ im Januar 2012 in zahlreichen Münchner Kinos und im Programmfenster auf München TV zu sehen sein und dort über Haltung und Fangmethoden der gequälten Lebewesen für eine unnütze Pelzindustrie zugunsten modischer Bewegungen informieren.
Quellen: AnimalsUnited Medienzentrum München / Matz-TV
