Lucius Annaeus Seneca (um 4 v. Chr. bis 65 n. Chr.) ist ein bedeutender Schriftsteller zur Zeit des Silbernen Zeitalters der lateinischen Literatur. Er gilt als einer der zentralen Stoiker Roms.
Seneca wird als Sohn des römischen Rhetors Lucius Annaeus Seneca, bekannt als Seneca der Ältere, im spanischen Córdoba geboren und erhält in Rom eine gute Ausbildung in Rhetorik und Philosophie. Stark beeinflusst wird er vom Unterricht der Stoiker, deren Lehre er später übernimmt.
Senecas Familie ist begütert. Sie lebt neben einem Landbesitz mit Olivenbau auch von Pachterträgen aus den örtlichen Bergwerken. So leistet sich der Vater neben seiner Amtstätigkeit in der kaiserlichen Verwaltung und seinen Geschäften ausgedehnte Studienaufenthalte in Rom. Dort hört er die bekanntesten Redner seiner Zeit und erlebt einen bedeutsamen Wandel in der Bildungsgeschichte Roms.
Als Kind nach Rom
Noch als kleines Kind kommt Seneca nach Rom. Er wird auf den Beruf eines Anwaltes vorbereitet, da der Vater für seinen Sohn die Laufbahn eines Senators plant. Als Redner muss Seneca schon früh erfolgreich sein, doch gerät er, etwa 25 Jahre alt, in eine schwere gesundheitliche Krise, Folge einer Erkrankung der Atemorgane. Sie führt zum Entschluss, in Ägypten Genesung zu suchen. Dort pflegt ihn seine Tante.
Während seines Aufenthaltes in Ägypten werden erste naturwissenschaftliche Interessen sichtbar. Als die Stadt Galerius 31 n. Chr. zurückbeordert wird, kehrt auch Seneca in die Hauptstadt zurück. In Rom ist Seneca als Advocat, Quästor und Senator tätig und gelangt zu großem Ansehen. Im Jahr 39 n. Chr. wird er Volkstribun oder Aedil.
Im selben Jahr fällt Seneca zum ersten Mal in Ungnade. Er gehört zur Verschwörung, die gegen den Kaiser angezettelt wird. Den Hintergrund der Verschwörung bildet Caligulas Entmachtung des Senates.
Im Jahr 41 n. Chr. bezichtigt man ihn einer Hofintrige und verbannt ihn nach Korsika. Bereits acht Jahre später wird er wieder zurückgerufen und mit der Erziehung Neros, Adoptivsohn von Kaiser Claudius, beauftragt.
Nachdem Nero nach Claudius' Tod 54 n. Chr. Kaiser wird, gehört Seneca zu seinen engsten Beratern. Bis zum Jahr 59 n. Chr. hat er, zusammen mit Sextus Afraniuns Burrus, großen Einfluss auf die Reichspolitik. Neros maßvolles und moralisches Verhalten während seiner ersten fünf Jahre als Kaiser werden vor allem dem Einfluss Senecas zugeschrieben.
Nero wird verrückt
Doch der Einfluss Senecas auf den immer unberechenbareren, grausamer werdenden, zu jeder Art von Exzessen neigenden Nero wird immer geringer. Neros Handeln ist mit Senecas Überzeugungen nicht mehr vereinbar und voll böser Vorahnungen entschließt Seneca, sich vom Hof des Kaisers zurückziehen. Doch Nero nimmt seine Abdankung nicht an. Seneca jedoch bleibt bei seiner Entscheidung und zieht sich völlig zurück. Er weiß, dass er gefährdet ist und vertraut sich mit Gedanken an den Tod.
In Zurückgezogenheit beginnt er umfangreiche Studien zu schreiben und entwickelt eine erstaunliche schriftstellerische Produktivität. Das Ergebnis sind nicht nur die „Naturwissenschaftlichen Untersuchungen", sondern auch „Briefe über Ethik" an Lucilius.
Selbstmord im heißen Wasser
Politische Morde und schließlich der Brand von Rom im Juli 64 verschärfen die Situation. Im Jahr 65 wird eine Verschwörung gegen den Kaiser aufgedeckt, und Seneca gerät, ohne dass sich Zusammenhänge im Einzelnen erhärten lassen, in Verdacht, beteiligt zu sein. Nero befiehlt seinem einstigen Erzieher und Berater den Selbstmord, diesen führt Seneca in gelassener, man könnte sagen stoischer Weise aus. Zusammen mit seiner Gattin Pompeia Paulina öffnen sich beide gleichzeitig die Pulsadern. Seneca bittet, da bei ihm das Verbluten nur langsam vor sich geht, das schon lange vorgesehene Gift zu holen. Er trinkt es, ohne dass es wirkt. Sein Körper kann das Gift nicht mehr aufnehmen und so steigt er zuletzt in ein Bassin mit heißem Wasser und sagt, er weihe dieses Nass Jupiter, dem Befreier. Dann erstickt er im Dampfbad.
Seneca wird ohne Leichenfeier verbrannt. Er hat es so schon in seinem Testament zu einer Zeit angeordnet, in der er als reicher und einflussreicher Mann für sein Lebensende vorsorgte.
Seneca gilt als einer der bedeutendsten Stoiker Roms. Er befasste sich vor allem mit Fragen der rechten Lebensführung und sprach sich für ein vernunftgemäßes Leben aus, in der die Pflichterfüllung als Dienst an der Menschheit verstanden wird und stoische Gelassenheit zu en obersten Tugenden gehört. Viele seiner Reden und wissenschaftlichen Arbeiten sind allerdings verloren gegangen.
