Sengoku Jidai - Die Einigung Japans

Japans Weg zu einem geeinten Reich wird mit hohem Blutzoll bezahlt

Die letzte Schlacht bei Sekigahara - Unbekannter Künstler
Die letzte Schlacht bei Sekigahara - Unbekannter Künstler
Während Japan im Chaos versinkt, setzen sich drei Feldherren das Ziel, das Land unter dem Banner eines neuen, mächtigen Shogun zu einigen.

Ganz Japan befindet sich im Krieg und versinkt im Chaos. Das Zeitalter der streitenden Reiche ist aufgezogen. Ab 1540 zählt aber nicht mehr nur reine Truppenstärke zum Sieg. Die Daimyo, inzwischen unterwiesen in Sun Tzus Standartwerk Die Kunst des Krieges, schrecken längst nicht mehr vor heimtückischen Attentaten und Sabotagen durch Ninja (Schattenkrieger) zurück. Allein das Ergebnis zählt.

Hinzu kommt der technische Fortschritt. 1543 laden Portugiesen an Japans Küsten und haben nicht nur das Christentum, sondern auch Feuerwaffen im Gepäck. Die Ashigaru-Verbände werden nach und nach mit Arkebusen aufgerüstet, die auf die Dominanz der Samurai eine ähnlich Wirkung haben werden, wie im Mittelalter der englische Langbogen auf das europäische Rittertum.

Die drei Reichseiner – Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi, Tokugawa Ieyasu

Diesen Vorteil als einer der ersten begreifend, verbündet sich Oda Nobunaga, seit 1551 Herrscher des Hauses Oda, mit den Fremden und unterstützt freimütig die Jesuiten-Missionare, ohne jedoch selber zum Christentum zu konvertieren. Ebenso unkonventionell ist die Erhebung des ehemals einfachen Bauern Toyotomi Hideyoshi in den Stand eines Samurai-Generals. Eine Entscheidung, die Nobunaga nicht bereuen wird, entpuppt sich Hideyoshi doch als überaus begabter Feldherr. Eine Allianz zum Haus Tokugawa trägt ebenfalls Früchte, nachdem Nobunaga Tokugawa Ieyasu, den rechtmäßigen Herrscher dieser Familie, aus den Fängen der Imagawa befreien kann.

Nobunagas Einfluss reicht inzwischen aus, um auf Kyoto marschieren und sich das Amt das Shoguns aneignen zu können. Stattdessen aber schmiedet er weitere Bündnisse mit seinen direkten Nachbarn über Zwangsvermählungen und Geldgeschenke, wartet aber weiter, wie die Spinne im Netz, auf den richten Zeitpunkt zum zuschlagen. Diese Möglichkeit ergibt sich schließlich 1568, nachdem der rechtmäßige Ashikaga-Thronfolger beinahe den Intrigen am Hof von Kyoto zum Opfer gefallen wäre. Nobunaga gewährt Ashikaga Yoshiaki Asyl und marschiert mit ihm zusammen im November des gleichen Jahres in der Hauptstadt ein. Der ruchlose Feldherr setzt den Schützling als Marionette auf den Thron und zieht hinter dem neuen Shogun die Fäden.

Unterstützt von seinen fähigen Kommandanten Ieyasu und Hideyoshi, schaltet das Oberhaupt der Oda in den folgenden Jahren systematisch seine Rivalen aus – darunter auch buddhistische Sekten wie die Ikko-Ikki, die seinen politischen Zielen im Weg stehen. Das Christentum gewinnt in dieser Zeit sprunghaft an Zuwachs und Einfluss, weshalb bald christliche Samurai, die vor der Schlacht Gottesdienste abhalten, keine Seltenheit mehr sind.

Obwohl sich Gegenreformationen bilden, die die Herrschaft der Oda brechen wollen, gelingt es Nobunaga jeden Widerstand zu brechen, indem er gezielt die feindlichen Oberhäupterausschaltet. Takeda Shingen stirbt 1573, als die Kugel eines Scharfschützen seinen Harnisch durchstößt (Akira Kurosawas Film Kagemusha behandelt dieses Kapitel sehr detailliert), während Uesugi Kenshin 1582 einem Oda-Meuchelmörder zum Opfer fällt. Ironie des Schicksals, dass Nobunagas Leben durch die Hand eines seiner eigenen Generäle, Akechi Mitsuhide, ebenfalls 1582 beendet wird. Wie in Shingens Fall geschieht das durch die Arkebuse - jenem Werkzeug, dem Nobunaga somit seinen Aufstieg und seinen Fall zu verdanken hat.

Mitsuhide ernennt sich daraufhin selber zum Shogun. Eine Ehre, die ihm jedoch nur 13 Tage zu Teil wird. Dann erreicht Nobunagas treuer Gefolgsmann Toyotomi Hideyoshi Kyoto. Der gestattet dem Verräter keinen ehrenhaften Samurai-Tod (Seppuku), sondern lässt den Aufwiegler von Banditen schänden und totprügeln. Die frühe Rache kann jedoch nicht das Machtvakuum abwenden, das Nobunagas Tod hinterlassen hat. Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu geraten an einander und wieder herrscht Chaos. Schließlich unterwirft sich Ieyasu nach schweren Kämpfen, und beschließt abzuwarten, bis seine Zeit gekommen ist.

Nobunagas Erben vereinen Nippon – Das Ende einer Ära

Hideyoshi folgt als Herrscher hingegen nicht Nobunagas Vorbild und regiert nicht mit eiserner Faust, sondern taktiert und legt politisches Geschick an den Tag. So gelingt es ihm, Japan das erste Mal seit über 100 Jahren zu einen. Er führt grundlegende Reformen durch, entwaffnet die Bauern und lässt Schloss Osaka bauen. Drei Stände kristallisieren sich heraus. Bauern, leicht bewaffnete Ashigaru sowie der Kriegeradel der Samurai, traditionell mit zwei Schwertern (daisho = Kurz- und Langschwert) bewaffnet. Viel ist erreicht in Japan, als Toyotomi Hideyoshi, großer Feldherr aus einer Bauernfamilie, 1598 stirbt.

Erneut bilden sich zwei verfeindete Parteien. Auf der einen Seite steht der in Geduld geübte Tokugawa Ieyasu, inzwischen der reichste Mann in ganz Japan, auf der anderen Seite Ishida Mitsunari, ein ehemaliger Verwaltungsbeamter Hideyoshis. Ein Umstand wird Ieyasu zum Vorteil gereichen – die ersten Engländer unter dem Kommando eines Captain Adams landen in Japan und wieder ist es der Fortschritt der Technik, der über Sieg und Niederlage entscheiden wird. Diese Geschichte zwischen Tokugawa und Adams wurde übrigens prominent in den Westen überliefert mit der Serie Shogun (basierend auf James Clavells Bestseller gleichen Namens) – mit Toshiro Mifune als Tokugawa und Richard Chamberlain als Adams.

Am 21. Oktober 1600 wird zwischen der West- (Ishida und Verbündete) und Ostarmee (Tokugawa) die letzte Schlacht bei Sekigahara, am Fuße der Burg Osaka geschlagen. Der Rest ist Geschichte. Japans berühmtester Samurai, Miyamoto Musashi, soll an dieser gewaltigen Schlacht teilgenommen und sich seine ersten Sporen verdient haben – interessanterweise stand er jedoch auf Seiten der Verlierer.

Die Nachwirkungen – Sengoku Jidai in Film, Literatur und Popkultur

Ieyasu begründet fortan die Dynastie der Tokugawa-Shogune, die 250 Jahre an der Macht bleiben wird. In seinem Namen werden die Ausländer von Japans Küsten vertrieben, die Christen verfolgt und ausgerottet. Dieser Zustand, die Abschottung von der Außenwelt, hält bis 1867, als die Macht im Land zurück an den Kaiser fällt und dieser die Meiji-Restauration einläutet. Das rückständige, wenn auch geeinte Japan, wird nur innerhalb eines halben Jahrhunderts zu einer ernst zu nehmenden Weltmacht aufsteigen und ähnliche Umstürze wie in der Sengoku-Periode erleben – geprägt von Kriegen, Expansion und dem Sieg des Neuen über das Alte.

Die Zeit des Tokugawa-Shogunats ist hingegen geprägt von Frieden und Ordnung, weshalb sein Begründer noch bis heute als To-Sho-Gu, der Sonnengott des Ostens, bekannt ist. Seine Bilanz spricht für sich: Zusammen mit seinen Vorreitern Nobunaga und Hideyoshi reformiert er das Land, begründet eine funktionierende Vier-Stände-Gesellschaft, macht Edo (das heutige Tokio) zur Nabe des Reiches und Nippon erneut zu einem Land rein für Japaner.

Bis heute leben die Helden und Schurken der Sengoku-Periode als fester Bestandteil der modernen japanischen Kultur weiter. Feldherren und Heldenfiguren wie Takeda Shingen, Miyamoto Musashi, Hattori Hanzo, Date Masamune oder eben der Sonnengott des Ostens werden immer noch verehrt, spielen Hauptrollen in Romanen (z.B. Eiji Yoshikawas Musashi oder Taiko), Filmen (z.B. Akira Kurosawas Ran, Kagemusha), Animes (Sengoku Basara), Videospielen (z.B. Onimusha, Samurai Warriors, Shogun – Total War) und haben so Unsterblichkeit über die Historie hinaus erlangt.

Wie es zu einem Konflikt solchen Ausmaßes kommen konnte, wird in Sengoku Jidai - Japans Hundertjähriger Krieg behandelt.

Dominik Krug, Nina Mertens

Dominik Krug - Dominik Krug, geboren am 24.08.1985 in Frechen und aufgewachsen in Bergheim im Rhein-Erft-Kreis. Von 1992 bis 1996 besuchte er die ...

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