Sengoku Jidai – Japans Hundertjähriger Krieg

Japans Zeitalter der streitenden Reiche hinterlässt Chaos

Das Zeitalter der streitenden Reiche - Künstler unbekannt
Das Zeitalter der streitenden Reiche - Künstler unbekannt
Japan wurde durch das Schwert erschaffen. Eine zutreffende Aussage, betrachtet man die gewaltigen Schlachten des 15. Jahrhunderts, aus denen Nippon geeint hervorging.

Der Hundertjährige Krieg zwischen England und Frankreich bedeutete nicht nur ein einschneidendes Ereignis in der Geschichte des Abendlandes, sondern inspirierte auch zahlreiche Künstler und Literaten bis in die heutige Zeit. Was hingegen kaum jemanden bewusst ist: Eine verschwindend geringe Zeit, nachdem Jeanne d‘Arc die Wende gebracht hatte und die Engländer vertreiben konnte, brach am anderen Ende der Welt, in Japan, ein ebenso gewaltiger (und ebenfalls gut 100 Jahre dauernder) Konflikt aus, der das Schicksal der gesamten Nation beeinflussen sollte – Sengoku-Jidai – das Zeitalter der streitenden Reiche.

Vorgeschichte – Japan zur Zeit der Shogune

Im 15. Jahrhundert wird Japan bereits seit mehr als 100 Jahren von den Shogunen (eigentlich Seii Taishogun – Unterdrücker der Barbaren und großer General), den Militärherrschern des Hauses Ashikaga regiert, die den Tenno (Kaiser), den einstigen Herrscher Japans, deklassiert und abgesetzt haben. Ihre Macht üben sie von der damaligen Hauptstadt Kyoto aus, ihre Handlanger sind shugo, Provinzgouverneure, deren Einfluss sogar in die hintersten Winkel des Landes reicht.

Trotz überwiegender politischer Ordnung, kommt es immer wieder zu militärischen Machtkämpfen, von denen jedoch der Großteil der Bevölkerung nur wenig Notiz nimmt. Jene Menschen, Bauern, haben andere Sorgen: Die bis zu 70% ihrer Ernte betragenden Steuern der Obrigkeit.

Während der Schwertadel durch interne Zwistigkeiten geschwächt ist, kommt es zu bewaffneten Revolten unter Zusammenschluss einfacher Männer und sogenannter Ji-Samurai, kriegsdienstleistender Landwirte, zu sogenannten Ikki, bewaffneten Verbänden. Die Ikki brandschatzen, plündern 1457 den Regierungssitz um Kyoto und bringen das Machtverhältnis zum Wanken, als sie, nur mit Mistgabeln und Knüppeln bewaffnet, ein 800-Mann starkes Samurai-Heer auslöschen. Schließlich setzen sie sogar durch, dass ihnen jegliche Schulden erlassen werden. Mit dieser Verzweiflungstat besänftigt das Shogunat zwar die aufgebrachte Bevölkerung, zeigt damit jedoch Schwäche, die den Fürsten von Ashikaga nur zehn Jahre später im großen Onin-Krieg zum Verhängnis werden wird.

Der Onin-Krieg – Daimyo, Samurai und Ashigaru im Kampf um die Macht

Nachdem Ashikaga Yoshimasa, der zu dieser Zeit amtierende Shogun, sogar seinen Prunkharnisch verkauft, um seinen kostspieligen Hobbys, dem Ikebana und der Kalligrafie, zu frönen, büßt die Obrigkeit das letzte bisschen Autorität gegenüber ihren ehrerfüllten, kampfbeseelten Gouverneuren ein. Sie werden zu Daimyo – Kriegsfürsten.

Während die berühmten Rosenkriege im fernen England toben und sich 1.200 Ritter und Söldner gegenüberstehen, tränken auf der Ebene von Kyoto aufgrund der jüngsten Entwicklung jeweils zwei 80.000 Mann starke Heere das Schlachtfeld mit Blut. Es handelt sich um die Armeen der rivalisierenden Familien der Yamana und Hosokawa, die beide um das Amt als Nachfolger des Shoguns buhlen.

Die selbst ernannten Daimyo greifen also nach der Herrschaft im Land, wollen, wie ihr Name sagt, nach Besserem streben. In diesem Fall: Macht. Legitimation über eine Zentralregierung benötigen sie nicht mehr, ihr Einfluss wird ihnen durch Landbesitz und militärische Stärke garantiert, die während der Revolten ins Unermessliche gestiegen ist. Dies verdanken sie der systematischen Aufrüstungspolitik, durch die, neben den Bushi (Kriegern), auch bewaffnete Bauern als Fußvolk, die Ashigaru, in die Privatarmeen der Daimyo eingliedert werden. Die Disziplin und das Geschick der Ashigaru kann zwar in keiner Weise mit den kampferprobten Samurai-Kriegern konkurrieren, dieses Manko machen sie jedoch durch schiere Überzahl und skrupellose Grausamkeit gegenüber ihren Gegner wett, die sie sogar im Tod noch sämtlicher Habseligkeiten berauben. Diese Phase wird in die japanische Geschichte als Gekokuju, die Auflehnung der Niederen gegen die Oberen, eingehen und nicht nur die oben beschriebene Schlacht der Yamana gegen die Hosokawa vor Kyoto, sondern die gesamte Sengoku-Periode bestimmen.

Zehn Jahre nach Ausbruch des Krieges liegt die Kaiserstadt Kyoto in Trümmern, aber einen Sieger gibt es nicht. Das Shogunat rührt keinen Finger, auch nicht, als die Krisenherde plötzlich in allen Ecken von Japan aufflammen und sich immer mehr Fürsten zu Kriegsherren aufschwingen. Bald gibt es fast 200 autonome Regionen. Das Land versinkt im Chaos (Ran).

Sengoku Jidai – Ein Weltkrieg auf Landesebene

Die nun ganz Japan beherrschende Sengoku-Konflikt (für den es unterschiedliche Datierungen gibt, allgemein aber von 1467, dem Ausbruch des Onin-Krieges, bis 1600, der Schlacht von Sekigahara, reicht) lässt nach Macht dürstenden Schwertadel, religiöse Sekten aus Bauern und Mönchen (die sog. Ikko-Ikki) und verschiedene Splitterfraktionen aufeinander los. Ging es früher vornehmlich um Etikette und Ehre, so ist diese Epoche gekennzeichnet von Verrat, Intrigen und Umstürzen. Das Gesetz des Stärkeren regiert, die Schwachen sind zum Aussterben verdammt. Viele ehemals einflussreiche Familien (darunter auch die Initiatoren der Yamana und der Hosokawa) werden aus den Geschichtsbüchern getilgt oder schlicht geschluckt. Darwin hätte seine helle Freude an diesem Kapitel japanischer Geschichte gehabt. Fast ein Jahrhundert später zeichnen nur noch wenige Familien die Landkarte Japans neu. Die einflussreichsten unter ihnen sind die Mori, die Hojo, die Imagawa, die Uesugi, die Takeda und die Oda.

Wer dieser Daimyo das Schicksal Japans und den Konflikt für sich entscheiden kann, ist Gegenstand von Sengoku Jidai - Die Einigung Japans.

Dominik Krug, Nina Mertens

Dominik Krug - Dominik Krug, geboren am 24.08.1985 in Frechen und aufgewachsen in Bergheim im Rhein-Erft-Kreis. Von 1992 bis 1996 besuchte er die ...

rss