Senioren: Die Lust auf Schönheit ist alterslos

Reifere Frauen kommen in den Medien schlecht weg, findet die Friseurmeisterin und Redakteurin Renate Lüdmann und hat diesem Negativbild den Kampf angesagt.

Renate Lüdmann meidet das Wort „Silverager“: „Diese von der Werbung geprägte Kategorisierung gruselt mich“, sagt die Friseurmeisterin und Redakteurin. „Das Gros der Printmedien hat es versäumt, sich auf diese Zielgruppe einzustellen." Reifere Frauen fänden sich in der medialen Berichterstattung oft auf bemitleidenswerte Geschöpfe reduziert wieder, die gegen die Beschwerden des Älterwerdens „kämpfen“ müssen. Es werde die Möglichkeit verpasst zu zeigen, „wie sich Frauen von 40, 50 plus mit Selbstbewusstsein und Spaß ins rechte Licht rücken könnten und sollten“.

Beauty 50+

Lüdmann weiß, wovon sie spricht. Sie war Beauty-Redakteurin bei der „Für Sie“, stellvertretende Ressortleiterin bei der „Maxi“ und zehn Jahre lang als freiberufliche Beauty- Redakteurin und Stylistin für verschiedene Frauenzeitschriften und Kataloge in den USA und Deutschland tätig. Deshalb empfindet sie die Rückbesinnung auf den Friseurberuf als konsequent. Und sie scheint damit ins Schwarze getroffen zu haben. In ihrem Salon „Beauty Vierzig Plus“ verhilft Lüdmann Frauen jenseits der 50 „zu mehr Schönheit und Selbstbewusstsein“. „Vierzig plus“ heiße in der Realität mindestens 50, und diese Zielgruppe werde auch im Friseurhandwerk vernachlässigt. Schlimmer findet Lüdmann, dass viele Kundinnen das einfach so hinnähmen: „Ich unterstütze Frauen, die sich damit nicht abfinden. Denn auch wir ,Alten' haben Lust auf Schönheit!“

Erfolgreich ist Lüdmann mit ihrem Konzept, weil sich verunsicherte reife Frauen in Mode- und Kosmetikangelegenheiten bei ihr aufgrund ihres Alters und der Erfahrung aufgehoben und von ihr verstanden fühlen. Reifere Kunden trauen jungen Mitarbeitern eine kompetente Beratung oft nicht zu. „Eine unbedachte Bemerkung, und das Vertrauen ist hin.“

Lebenslange Lust an der Schönheit

Renate Lüdmann bedauert, dass in der Friseurausbildung, die sie „wahnsinnig schlecht“ findet, zu wenig Wert auf typ- und fachgerechte Schulung gelegt wird. Der Dämon „Umsatz machen“ schwebe über nahezu allen Fort- und Weiterbildungskursen der Branche. Aber um der großen Gruppe der reiferen Kundinnen gerecht zu werden, bedürfe es eines speziell darauf geschulten Personals. Idealerweise könnten diese Aufgabe ältere, erfahrenere und einfühlsame Mitarbeiterinnen übernehmen. Aber die, so Lüdmanns Sicht, würden eher gemobbt, als gefördert. Das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden, zehre an den Frauen. Sie haben dann nicht den Mut, sich bei einem anderen Arbeitgeber zu bewerben, schon gar nicht als Expertin für Schönheit.

Aber auch den jungen Mitarbeitern könne man durch Schulungen und Beispiele nahe bringen, dass sich das Lebensgefühl, trotz ein paar Falten, und vielleicht auch grauer Haare nicht verändert: „Die Lust an der Schönheit bleibt ein Leben lang gleich, und die Nachfrage nach einem Friseur mit diesem Verständnis und der nötigen Leidenschaft auch.“ Das sollten die Kammern, Innungen und Unternehmer nach Lüdmanns Ansicht ihren Mitarbeitern vermitteln, „und dafür sorgen, dass dieser wundervolle Beruf endlich seine gesellschaftliche Anerkennung findet. Dann brauchen wir uns auch keine Sorgen um die Zukunft unseres Handwerks zu machen.“

Dipl.-Volkswirt Angelika Basdorf ist ständige Aut , Basdorf

Angelika Basdorf - Angelika Basdorf Diplom-Volkswirt sozialwissenschaftliche Richtung Seit 1998 bin ich selbstständige freie Journalistin und ...

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