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Senioren übernehmen ehrenamtliche Patenschaften

Leihomas und Lesepaten: Sie werden gebraucht, geliebt und geschätzt

Immer mehr ältere Menschen engagieren sich freiwillig in Familien und Schulen oder stehen Schulabgängern, Azubis oder Berufsanfängern als Mentoren beratend zur Seite.

Dass viele jungen Menschen heute Hilfe und Unterstützung brauchen und nicht immer bekommen, ist eine traurige Tatsache. Umso erfreulicher aber ist, dass immer mehr ältere Menschen diese Defizite nicht tatenlos registrieren, sondern sich mit viel Herzblut für den Nachwuchs engagieren.

Kinder aus sozial benachteiligten Familien, Kinder mit Migrationshintergrund haben es schon als Kleine im Kindergarten schwer, weil sie nicht ausreichend gefördert werden können. Das wird später in der Grundschule nicht besser. Der Weg an Realschulen und Gymnasien bleibt ihnen so meist verwehrt. Als Hauptschüler mit oder ohne Abschluss sind sie nahezu chancenlos auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. In solch ausweglose Situationen geraten sie oft nur, weil sie vom Elternhaus nicht die Hilfe und Unterstützung bekommen, die sie so dringend nötig hätten.

Hilfe nicht vom Staat, sondern aus der Gesellschaft

Weil der Staat kaum ausreichende Konzepte und Mittel aufbietet, um dieses Defizit auszugleichen, haben sich überall im Land entsprechende Förderprojekte und -initiativen entwickelt - häufig finanziert aus den Töpfen von sozial engagierten, regional arbeitenden Bürgerstiftungen. Solche Stiftungen sind auch offen für Stiftungswillige, die nicht in der Lage sind, größere Summen einzubringen. Dafür „stiften“ sie ihre Zeit und ihr Engagement.

Menschen, meist in der nachberuflichen Phase, also mit Zeit und dem Wunsch etwas zu bewegen, zu helfen, kümmern sich in Familien, Kindertagesstätten, Einrichtungen für Asylbewerber, Grundschulen und Hauptschulen um benachteiligte Kinder und Jugendliche. Das tun sie oft in Form von Patenschaften: Als Familienpaten, Leihomas und Opas, als Lesepaten, Hausaufgabenbetreuer, Bewerbungstrainer und Mentoren leisten sie damit auch gleichzeitig einen unschätzbaren Dienst für unser Sozialsystem, das auf dem Funktionieren des Generationenvertrags basiert: Indem sie jene fördern, die später mit guter Ausbildung und Arbeitsplatz einmal Rentenzahler werden sollen.

Eine von vielen Patenschafts-Initiativen sei hier beispielhaft genannt: Der Verein Big Friends für Youngster e.v. in Berlin vermittelt und begleitet seit 2004 Patenschaften – überwiegend für Ein-Eltern-Familien. Die Mitglieder und Paten haben ein afrikanisches Sprichwort zum Vereinsmotto gemacht: „Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf.“

Soziales Engagement nach der beruflichen Phase

Für die meisten, die ehrenamtlich tätig sind, ist denn auch nicht ein abstrakter Gesellschaftsauftrag die Hauptmotivation. Als Beweggründe für ihr Engagement geben sie an: das große Glück, das man beim Helfen empfinden kann und die tiefe Befriedigung, die sich einstellt, wenn man sieht, dass man etwas bewegen und zum Positiven wenden konnte.

Wer sich engagieren möchte, dem bieten sich in der eigenen Kommune viele Möglichkeiten über das Ehrenamtsportal im Internet. Oft genügt aber auch nur ein Anruf im Rathaus/Bürgerbüro (Umwelt und Soziales, Jugend). Dort werden Ansprechpartner in Koordinationsstellen genannt, die kommunale soziale Netzwerke unterstützen und entwickeln helfen. Auch Vereine, Initiativen, Stiftungen, Mütterzentren, Seniorenbüros, Freiwilligenagenturen, Mehrgenerationenhäuser, Einrichtungen der Wohlfahrtspflege und kirchliche Träger geben Auskunft über die unterschiedlichsten Projekte, die man mit seinem Einsatz unterstützen kann.

Was erwartet einen denn eigentlich, wenn man beispielsweise eine Patenschaft übernimmt? Was man sicher mitbringen muss, ist Toleranz, Verständnis, die Bereitschaft aus andere einzugehen und vor allem Verlässlichkeit. Weitere Informationen hier:

Leihomas oder -opas

Sie arbeiten nicht auf Abruf und auch keineswegs als Babysitter und man kennt sie auch unter dem Begriff Patenoma/-opa oder, wenn sie jünger sind als Leihtanten/-onkel. Sie möchten mit den Kindern Spaß haben, mit ihnen Dinge unternehmen, für die Eltern nicht unbedingt Zeit haben und suchen einfach netten Familienanschluss.

In den etwa 100 Projekten, die solche Leihverwandten in Deutschland vermitteln, sind die Wartelisten lang. In vielen Gemeinden und Städte fehlen Vermittlungsstellen, die in manchen Bundesländern sogar finanziell unterstützt werden… Das schönste Kompliment, das so eine Leihoma bekommen kann? „Nein, ich will nicht, dass Du nur unsere Leihoma bist, denn, was man sich ausgeliehen hat, muss man ja auch wieder zurückgeben!“

Familienpatenschaften

Frauen und Männer mit Lebenserfahrung stehen Familien als Freund, Helfer und Vertrauensperson zur Seite. Dieses Angebot wird oft Familien gemacht, die Unterstützung in der Alltagsorganisation brauchen oder die sich in einer schwierigen Lebenslage befinden. Auf diese Weise unterstützt, können solche Familien oft vor dem Zerbrechen bewahrt werden, Kinder in ihrer Entwicklung gefördert werden.

Lesepaten

Dafür genügt es, in die Grundschule am Ort zu gehen und seine Unterstützung anzubieten oder man wendet sich an eine der 800 Vermittlungsstellen in ganz Deutschland. Dort wird jeder mit offenen Armen empfangen, der sich Zeit nimmt und mit leseschwachen Kindern regelmäßig übt. Die gleiche Vorgehensweise gilt für …

Hausaufgabenbetreuer

Sie helfen Kindern mit Sprachschwierigkeiten regelmäßig bei den Hausaufgaben, üben mit ihnen Lesen, Schreiben, Sprechen – all das, was deren Eltern nicht leisten können. Auch hier reicht es meist, seine Hilfe in Schulen, Kindertagesstätten oder Asylbewerbereinrichtungen anzubieten. Oft gibt es auch bereits Elterinitiativen, denen man sich anschließen kann.

Mentoren für jugendliche Schulabgänger

Für Schüler aus den oberen Klassen, die Gefahr laufen, keinen qualifizierten Schulabschluss zu schaffen, werden immer wieder Paten gesucht, die nicht nur im letzten Schuljahr durch Nachhilfe und Motivation unterstützen, sondern auch bei Bewerbung und Suche nach Ausbildungs- oder Arbeitsplatz helfen.

Berater für Existenzgründer

Wirtschaftsexperten im Ruhestand prüfen Geschäftsideen und Businesspläne, helfen bei der Standortwahl oder der Suche noch Finanzierungsmöglichkeiten und organisieren sich dafür in vielen Vereinen bundesweit.

Marion Seigel, (Foto: Martin Seigel)

Marion Seigel - Marion Seigel ist Fachjournalistin, PR-Beraterin und Referentin - sie betreibt das journalistische Handwerk, ...

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