
- Sergej Lukianenko: Wächter der Nacht - Heyne Verlag
Oberflächlich geht es um einen weiteren Krieg zwischen Gut und Böse, bekämpfen die Lichten als Wächter der Nacht die Dunklen, auch Wächter des Tages genannt. Um die Welt nicht mir ihren Kräften zu zerstören, haben beide ein Abkommen geschlossen, das den Einsatz der magischen Fähigkeiten regelt. Doch bereits im Zwielicht – der Schicht, in der sich nur die so genannten Anderen bewegen können – verschwimmen Licht und Dunkelheit zu einem Grau, in dem sie kaum mehr zu unterscheiden sind. Und auch die Inquisition, die als neutrale dritte Kraft über die Einhaltung des Vertrages wachen soll, scheint eigene Ziele zu verfolgen, die sowohl zum Guten als auch zum Schlechten führen können. Denn warum führt zu viel Gutes dazu, dass wieder Böses entsteht? Warum beeinträchtigt das Wohl der Gemeinschaft die Freiheit des Einzelnen? Oder umgekehrt: Ab wann schadet der Egoismus des Einzelnen anderen Menschen und bewirkt somit Böses?
Anton Gorodezki ist der Held der Wächter-Romane
Fragen, die auch Anton Gorodezki, der Held von Sergej Lukianenkos Wächter-Romanen, nicht so leicht beantworten kann. Der Leser erlebt seinen Aufstieg von einem eher durchschnittlich begabten Zauberer, der Vampire im nächtlichen Moskau jagt, hin zu einem außergewöhnlichen Anderen, dessen Ruhm in allen Schichten des Zwielichts erstrahlt. Dabei ist dem vergleichsweise jungen Mann (andere können mehrere Hundert Jahre alt werden) vor allem sein klarer Verstand behilflich. Er lässt nicht locker, ehe er nicht eine Lösung gefunden hat und missachtet dafür Befehle seines Vorgesetzten, wobei er das Gefühl nicht los wird, von diesem manipuliert zu werden. Außerdem gewinnt Anton mächtige Verbündete, von denen eine seine Frau wird. Und ihre gemeinsame Tochter wird so außerordentlich begabt, dass sie den Kampf zwischen Gut und Böse entscheiden kann.
In Russland waren die Wächter-Romane des in Kasachstan geborenen Lukianenko ein so großer Erfolg, dass die ersten beiden aufwändig verfilmt wurden. „Wächter des Tages“ – der zweite Film – wurde der erfolgreichste russische Film bislang und übertraf die Einspielergebnisse des „Herrn der Ringe“ und „Harry Potter“ bei weitem. International waren die Streifen meist nur wenige Wochen in den Kinos zu sehen und wurden von der Kritik zwiespältig bewertet. Doch die Bücher eroberten sich eine treue Fangemeinde; nach Angaben des Heyne Verlags wurden allein in Deutschland mehr als 450.000 Wächter-Romane verkauft.
Nicht New York, sondern Moskau ist das Zentrum der Welt
Ihre Faszination liegt zum einen darin, dass endlich mal nicht New York, Los Angeles oder London das Zentrum der Welt sind. Im Mittelpunkt stehen das Moskau der Gegenwart sowie die Länder des ehemaligen Ostblocks. Lukianenko bringt geschickt Songtexte russischer Rockbands unter, von denen außerhalb Russlands wohl nur Insider gehört haben. Gelungen sind dem Autor auch das Erzähltempo, das er gut variiert und die Actionelemente. Die Kampfszenen nehmen nicht überhand, sondern werden wohldosiert eingesetzt. Vor allem „Wächter der Nacht“ (Band 1) und „Wächter des Zwielichts“ (Band 3) überzeugen in diesen Punkten. Doch auch „Wächter des Tages“ (Band 2) und „Wächter der Ewigkeit“ (Band 4) langweilen keineswegs.
Einzigartige Mischung aus Fantasy, Horror und Science-Fiction
Allen vier Romanen gemeinsam ist die einzigartige Mischung aus Fantasy, Horror und Science-Fiction, die eine eindeutige Genrezuordnung schwierig macht. Denn wo sonst treffen Vampire, Gestaltenwandler, Zauberer und Hexen in der Gegenwart aufeinander und bekämpfen sich mit magischen Artefakten aus Legenden wie der Artussaga?
Sergej Lukianenko: Die Wächter der Nacht. Heyne Verlag 2005. Taschenbuch, 528 Seiten. Euro 13,00.
Sergej Lukianenko: Die Wächter des Tages. Heyne Verlag 2006. Taschenbuch, 528 Seiten. Euro 13,00.
Sergej Lukianenko: Die Wächter des Zwielichts. Heyne Verlag 2006. Taschenbuch, 480 Seiten. Euro 13,00.
Sergej Lukianenko: Die Wächter der Ewigkeit. Heyne Verlag 2007. Taschenbuch, 448 Seiten. Euro 13,00.
