Serien Spin-Offs

Neues aus dem Vokabular der Serienjunkies

Krimi- Icon - Illustration: Friederike Rave
Krimi- Icon - Illustration: Friederike Rave
Erfolgreiche und gescheiterte Spin-offs an Beispielen von "Knots Landing", "Law & Order" und "Frasier" und die Antwort auf die Frage, was ein Cross-over ist.

Auch Serien können Familien bilden. Aus "Star Trek" gingen über mehrere Jahrzehnte hinweg einige Nachfolgeserien wie "The Next Generation", "Deep Space Nine" und "Voyager" hervor. In der Fernsehbranche werden diese Ableger Spin-off genannt. Dabei sind Spin-off-Serien nicht nur im Genre der Dramaserie zu finden, sondern auch im Bereich der Sitcom.

Was ist ein Spin-off?

Ein Spin-off ist also ein Ableger einer erfolgreichen Fernsehserie, bei dem ein Nebencharakter oder mehrere (gelegentlich auch Hauptcharaktere) aus der Mutterserie zu den Protagonisten einer neuen Serie werden. Dafür verlassen diese Figuren in der Regel die Originalserie. Die Geschichten der betreffenden Charaktere werden dann in der Tochterserie fortgesetzt. Diese spielt zwar in einer anderen Umgebung, aber das Serienuniversum bleibt für die Charaktere beider Serien das gleiche.

Beispiel für ein Spin-off: Der "Dallas"-Ableger "Unter der Sonne Kaliforniens" ("Knots Landing")

Gary und Valene Ewing wurden in der Serie "Dallas" als Charaktere eingeführt. Diese heirateten und zogen nach Kalifornien, womit die Handlung des "Dallas"-Spin-off "Unter der Sonne Kaliforniens" ("Knots Landing") ihren Anfang nimmt. Da beide Serien dasselbe Universum teilten, war es nicht ungewöhnlich, dass zwei Charaktere aus "Dallas", J.R.Ewing und Kristin Sheppard anfangs in Kalifornien vorbeischauten. Umgekehrt machte Gary wiederholt bei wichtigen Familienangelegenheiten, wie etwa Bobbys vermeintlicher Beerdigung, einen Kurzbesuch in "Dallas".

Gefloppte Sitcom-Nachfolgeserien

Es kommt auch vor, dass die Mutterserie eingestellt und danach ein Ableger produziert wird, um an deren Erfolg anzuknüpfen. Doch ein Erfolg ist hier nicht garantiert. So versuchten die übrig gebliebenen Hauptdarstellerinnen der erfolgreichen Sitcom "Golden Girls" nach dem Ausscheiden von Beatrice Arthur (Dorothy) alleine weiterzumachen. Der Spin-off "Golden Palace" wurde mangels Zuschauerinteresse jedoch bereits nach einer Staffel wieder abgesetzt.

Nicht viel besser erging es Matt LeBlanc. Der Versuch die Geschichte seines "Friends"-Charakters Joey nach dessen Umzug nach Los Angeles in der gleichnamigen Sitcom weiterzuerzählen, wurde nach 46 Folgen wieder eingestellt.

Das erfolgreichste Spin-off aller Zeiten: "Frasier"

Manchmal gelingt es allerdings auch den Erfolg der Ursprungs-Serie noch zu übertreffen. Frasier Crane war ein wiederkehrender Charakter der Erfolgs-Sitcom "Cheers". Nach dem Auslaufen dieser Serie zog Frasier Crane nach Boston. Fast alle Charaktere aus "Cheers" waren in den kommenden 11 Jahren immer wieder zu Gast in der Tochter-Serie "Frasier". Mit 37 Emmies ist dieses Spin-off eines der erfolgreichsten in der Geschichte des US-Fernsehens.

"Law & Order" und seine sieben Ableger

Den Rekord für die meisten Ableger heimst die Serie "Law & Order" ein. Insgesamt sieben Spin-off-Serien hat sie bisher hervorgebracht. Dazu zählen die erfolgreichen "Law & Order"-Ableger: "Special Victims Unit", "Criminal Intent" und die für zwei Staffeln laufende Doku-Serie "Crime and punishment". Nur auf jeweils eine Staffel brachte es "Trial by Jury" und "Conviction". Von "Criminal Intent" gibt es inzwischen die französische Version "Paris: enquettes criminelles" und dann gibt es noch die britische Version: "Law and Order: UK."

Cross-over-Episoden

Unter einem Cross-over versteht man die Platzierung von einem oder mehrerer Charaktere, Handlungsorte oder Serienuniversen in den Kontext einer Geschichte. Die Charaktere der einzelnen Serien stehen meist durch denselben Beruf in Verbindung. So kam es 2009 zu einem Cross-over von alle drei Serien der "CSI"-Franchise. Dr. Raymond Langston startete die Ermittlungen für einen Fall zuerst in Miami und von da ab ging es über New York nach Las Vegas.

Cross-over Folgen müssen nicht im selben Genre und auf demselben Sender stattfinden. Die Figur des Detectiv Munch (Richard Beltzer) war zum 1. Mal in der NBC-Krimiserie "Homicide" ("Homicide: Life on the street") zu sehen, die in Baltimore angesiedelt war. Als es Mulder und Scully in einer Episode der Mystery-Serie "Akte X" dorthin verschlug, trafen sie auf Munch. Ein anders Mal trat der Munch-Charakter in der Sitcom "Arrested Development" auf.

Richard Beltzer: König des Cross-over

Der Munch-Charakter ist ein seltenes Beispiel im amerikanischen Fernsehen. Zählt man alle Haupt-und Gastrollen zusammen, dann tauchte er in acht verschiedenen Serien auf. Ein Rekord für einen Charakter, der stets vom selben Schauspieler dargestellt wurde. So trat noch während der Laufzeit von "Homicide" der Munch-Charakter in einer Geschichte von "Law&Order" auf, die in deren Handlungsort New York beginnt und ihr Ende in einer Episode von "Homicide" fand. Als die Serie eingestellt wurde, zog der Munch-Charakter von Baltimore nach New York, wo er zu einem Stamm-Mitglied der dort spielenden Episodenserie "Special Victims Unit" wurde.

Parodistische und wortlose Cross-over-Auftritte

Es gibt auch parodistische Cross-over-Auftritte, wie etwa in einer Folge der "Simpsons", in welchem die Mulder und Scully-Charaktere, im Originalfassung von ihren Darstellern gesprochen, in der Serie zu Gast waren ("Die Akte Springfield/The Springfield Files")

Solche Auftritte können auch ohne große Worte funktionieren, wie etwa wenn Bender aus "Futurama" Barts Hosen findet und isst oder Millhouse eine sprechende Bender-Puppe in den "Simpsons" besitzt.

Harald von Treuenfels, Fotograf: Horst Werner

Harald von Treuenfels - Mitte der 1990er Jahre entdeckte ich meine Leidenschaft zum Film, die mit einem wöchentlichen Besuch im Kino kultiviert wurde. Damals ...

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