
- Narro-Brunnen in Villingen - Silke Kröger
In Köln beginnt am 11.11.2010 wieder die Karnevalsession, die schwäbisch-alemannische Fastnacht wird traditionell erst am 06.01.2011 eingeläutet. Ist das der einzige Unterschied zwischen Karneval und Fastnacht? Oder sind die Veranstaltungen doch nicht so gleich?
Warum Fastnacht / Karneval? Und was hat Karneval mit Ostern zu tun?
Beide Begriffe gehen auf die gleiche Grundlage zurück: das Fasten. Während das Wort "Fastnacht" hier schon eindeutige Wurzeln zeigt, muss man bei "Karneval" etwas tiefer schürfen. Dieser wurde abgeleitet vom lateinischen "carnelevale", was frei übersetzt etwa "fleischlose Zeit" bedeutet. Lässt man das "le" weg, ist der Weg vom " carne vale" zum Karneval nicht mehr weit. Letztlich bezeichnen beide Begriffe aber das Gleiche: das Einläuten der Fastenzeit.
Bei den frühen Vorläufern des Karnevals ist es vermutlich noch nicht um das Fasten gegangen, sondern darum, mit gruseligen Kostümen und viel Lärm den Winter auszutreiben. Das Brauchtum des Fastens vor der Osterzeit ist wohl erst im Mittelalter entstanden.
Auch wenn es heute nur noch den Wenigsten um den Beginn der Fastenzeit gehen dürfte, leitet sich der Termin der Karnevalszeit immer noch vom Osterfest ab: in Anlehnung an das Fasten Jesu in der Wüste, wird die Fastenzeit auf 40 Tage, von Aschermittwoch bis Ostersonntag festgelegt. Da die Sonntage nicht als Fastentage zählen, müssen ab Ostersonntag 46 Tage zurückgerechnet werden, um das Ende der närrischen Zeit zu ermitteln.
Kulinarische Besonderheiten zu Karneval / Fastnacht
Während der im Karneval für den Donnerstag gebräuchliche Begriff "Weiberfastnacht" auf die Rollenverteilung an diesem Tag hinweist, lässt die Bezeichnung "schmotz´ger Dunschdig" (schmalziger Donnerstag) schon eher auf die kulinarischen Bräuche schließen. In der Karnevalszeit wurden insbesondere die Gerichte gegessen, die in der Fastenzeit verboten waren. Dabei ging es vor allem um fetthaltige Nahrung. Bis heute steht sowohl in den Karnevals- als auch den Fastnachtshochburgen an den hohen Tagen vermehrt Schmalzgebäck, bevorzugt Berliner Pfannkuchen oder Krapfen auf dem Speiseplan. In dieser Hinsicht gleichen sich die Bräuche. Nur zum Abschluss der närrischen Zeit sind wieder Unterschiede zu erkennen: Während in Köln an Aschermittwoch traditionell Fisch gegessen wird, beschließt man im schwäbisch-alemannischen Raum die Fastnachtszeit bspw. mit Kutteln- oder Schnecken.
Brauchtum vs. "Aktualität"
Doch wo liegt denn nun der Unterschied zwischen Fastnacht und Karneval? Der gravierendste dürfte in der "Tradition" zu finden sein.
Sowohl der Karneval als auch die Fastnacht sind von Kostümen und Umzügen geprägt. Bspw. im Kölner Karneval gibt es jedes Jahr ein neues Motto, dem einzelne Umzugswagen und Kostüme angepasst werden. 2011 lautet das Motto "Köln hat was zu beaten". Da ist davon auszugehen, dass auch die jedes Jahr neu aufgelegten und beim "Loss mer singe" einstudierten Sessionslieder das Thema aufgreifen. 2010 waren das beste Beispiel dafür die Bläck Fööss mit ihrem Hit "En Kölle jebütz". Neben der Umsetzung des Mottos bestechen die Kölner Umzugswagen meist durch aktuelle, häufig (regional-)politische Themen. Außer den Garde-Kostümen gibt es kaum traditionelle Verkleidungen zu sehen.
In der schwäbisch-alemannischen Fastnacht gibt es verschiedene Gilden und Zünfte, die mit jahrzehnte-altem regionalem Liedgut besungen werden. "Neue" Lieder über die Zünfte und darin dargestellten Figuren gibt es so gut wie nicht. Mitglieder der Fastnachtsvereine tragen so genannte "Häs´" (traditionelle Kostüme). Diese, so wie die Umzugswagen sehen jedes Jahr mehr oder weniger gleich aus. Die "Häs´" spiegeln unterschiedliche Figuren wieder: von Hexen über Clowns bis hin zum Narro, einer schwäbisch-alemannischen Fastnachtsfigur mit sehr aufwendig gestalteten, häufig von Hand bemalten Kleidern und Masken. Die Masken, "Schemen" genannt, sind Bestandteil sehr vieler traditioneller Fastnachtstrachten. Aus Holz gefertigt, oft aufwendig geschnitzt, sind diese sehr wertvoll und werden von den Besitzern gut behütet. Von manchen Beteiligten wird behauptet, dass Fastnacht "ernster" gesehen werde als der ausgelassene Karneval.
Schlussfolgerungen für 2011 sowie ein "Geheimtipp"
Ob man nun 2011 Karneval oder Fastnacht feiern will, bleibt jedem selbst überlassen. Es lohnt sich sicherlich, beide Varianten des Feierns mal mitgemacht zu machen. Für diejenigen, die nicht genug vom Feiern kriegen können und die es mit dem Beginn der Fastenzeit nicht so genau nehmen: die Basler Fasnacht (ohne "t") findet traditionell eine Woche nach der hiesigen Karnevalszeit, im Jahr 2011 also von 14.03. - 17.03. statt. Die räumliche Nähe zum schwäbisch-alemannischen Raum bedingt auch eine inhaltliche Ähnlichkeit zur "Fasnet": die Umzüge finden hier ebenfalls in traditionellen Kostümen und Masken statt, die zum Teil schon Jahrhunderte in der jetzigen Form Bestand haben. Der Tipp lautet also: von 3. - 8. März 2011 Karneval feiern und am 14. März in die Schweizer Fasnacht in Basel übergehen - so bekommt man von beiden Varianten das Beste mit!
