Sex vor dem Einschlafen sorgt für einen besseren Schlaf, nächtliche Erektionen beim Mann sind ganz normal und Träume mit sexuellem Inhalt betreffen laut Traumforschern immerhin bis zu 10% der nächtlichen Trauminhalte. Zu sexuellen Handlungen im Schlaf, ohne dass die Betroffenen sich am nächsten Morgen daran erinnern können, kommt es bei einer seltenen Form der Schlafstörungen, der Sexsomnie.

Sexualität ist demnach nicht nur Leidenschaft und Lust im Wachzustand, sondern findet sich ebenso im Bewusstseinszustand des Schlafs wieder. Dafür sorgen allein schon die vegetativen körperlichen Prozesse in der Nacht. Außerdem konfrontiert uns das Unbewusste in den Träumen mit sexuellen Bildern und Situationen. Aufregend für diejenigen, die das Klarträumen beherrschen, denn sie können ihre sexuellen Erlebnisse im Traum sogar mitgestalten.

Sex vor dem Einschlafen fördert den Schlaf

Mitler & Mitler verweisen darauf, dass viele Menschen mit Hilfe eines Orgasmus leichter einschlafen können. Dabei spiele es keine Rolle, ob der Orgasmus durch Selbstbefriedigung oder durch Sex mit dem Partner herbeigeführt würde. Im Tierversuch konnte eine Zunahme der Schlafphase nach dem Geschlechtsverkehr festgestellt werden. Es wird daher angenommen, dass sexuelle Aktivität den Schlaf fördert und dieses auf hormonelle Prozesse zurückzuführen sei.

Sexuelle Erregung und REM-Schlaf

Nächtliche Erektionen gelten bei Männern jeden Alters als normales Phänomen des REM-Schlafes - der Schlafphase, in der die meisten Träume erlebt werden. Die Erektionen werden durch physiologische Prozesse gesteuert und sind unabhängig vom Trauminhalt. Erste Studien in der Traumforschung deuten aber auf den Zusammenhang zwischen erotischem Trauminhalt und der Stärke der Erektion hin. Bei Angst- und Alpträumen ist die Erektion dagegen besonders schwach ausgeprägt.

Bei Frauen wird entsprechend während des REM-Schlafes eine Schwellung der Vagina und Klitoris sowie eine ansteigende Vaginalsekretion beobachtet. Die Gebärmutter zeigt in der REM-Phase die höchste Kontraktionsrate.

Träume mit starker sexueller Erregung können bis zum Orgasmus und dem so genannten wet dream führen, bei dem der Mann eine Ejakulation im Schlaf hat und die Frau vermehrtes Vaginalsekret absondert.

Sex im Traum - Unterschiede bei Männern und Frauen

Männer haben ungefähr dreimal häufiger Träume mit sexuellem Inhalt als Frauen. Das ist auf die vermehrte Beschäftigung der Männer mit dem Thema Sexualität zurückzuführen, so der bekannte deutsche Traumforscher Michael Schredl. Studien würden deutlich zeigen, dass Männer im Laufe des Tages viel häufiger sexuellen Phantasien nachgehen und sich selbst befriedigen als Frauen.

Möchte man seine sexuellen Träume deuten, sollte man folgende Punkte beachten: Sexuelle Aktivitäten im Traum haben nicht unbedingt auch eine sexuelle Bedeutung. Der Traum kann auch auf unerfüllte Wunschvorstellungen, auf Ängste oder die Notwendigkeit einer Veränderung hinweisen. Entscheidend für die Traumdeutung ist jeweils die reale Lebenssituation des Träumers und seine Gefühle im Traum.

Sexuelles Erleben im Klartraum

Im Klartraum, bei dem sich der Träumer bewusst ist, dass er träumt, lässt sich mit entsprechendem Training die eigene Traumwelt gestalten. Viele Klarträumer nutzen diese Möglichkeit, um bisher ungelebtes Leben wenigstens im Traum zu verwirklichen. Sexuelle Aktivitäten spielen daher im Klartraum, auch luzider Traum genannt, häufig eine wichtige Rolle.

Die Schlafstörung Sexsomnie - Sex im Schlaf

Die Schlafstörung Sexsomnie sorgte kürzlich für Schlagzeilen, nachdem in einer kanadischen Studie konkrete Zahlen zur Häufigkeit dieser seltenen Schlafstörung veröffentlicht wurden. Danach sollen 11 % der Männer und 4 % der Frauen, die mit Schlafstörungen in Behandlung waren, im Schlaf sexuelle Handlungen vollziehen ohne davon zu wissen. Dazu gehören Selbstbefriedigung, Sex mit dem Partner, aber auch sexuelle Gewalt. Die Sexsomnie gehört zu den nichtorganischen Schlafstörungen und tritt zusammen mit Einschlafstörungen, Tagesmüdigkeit und depressiver Verstimmung auf. Wer betroffen ist, findet Hilfe bei Spezialisten eines Schlafmedizinischen Zentrums.

Quellen und weitere Infos

Elizabeth A. Mitler & Merrill M. Mitler: Der Traum vom guten Schlaf. Arcis Verlag. München, 1996.

Michael Schredl: Träume. Die Wissenschaft enträtselt unser nächtliches Kopfkino. Ullstein, 2007.

Bildquelle: © Angela Parszyk / pixelio.de