Sex unter Jugendlichen im Film und was wahre Liebe für sie ist

Lollipop Monster - Aries Images
Lollipop Monster - Aries Images
In "Lollipop Monster" zeigt die Regisseurin Ziska Riemann, dass für Jugendliche nicht nur das erste Mal das entscheidende Mal sein kann. Liebe ist integer.

Wer diesen Film als "Softporno" bezeichnet, gehört während einer Presseveranstaltung im (schicken) prüden München, sollte sich fragen, wann er das letzte Mal Sex hatte.

"Lollipop Monster": Warum reagiert der Zuschauer mitunter konservativ?

Macht "Lollipop Monster", geschrieben und gedreht von Ziska Riemann unter der Produktion von Network Movie und dem ZDF, wirklich so neidisch? Wenn ja, dann nicht nur auf das Liebesleben der anderen, sondern vor allem auf deren Verrücktheit, zu der man/frau sich nicht (mehr) traut. Vielleicht werden Jugendliche ja deshalb so schnell kriminalisiert.

Wer gehört zum Stab von "Lollipop Monster" und wie funktioniert seine Musik psychologisch?

Der erste Spielfilm der Berliner Comic- und Musikkünstlerin Riemann bringt zwei herausragende junge Hauptdarstellerinnen auf die bunte Kinoleinwand: Jella Haase, Sarah Horváth, an der Seite ihrer verzweifelten und hyperaktiv harmoniesüchtigen Mutter und eines hypochondrischen Bruders, scheinen als Einzige den Blick auf die Realität bewahrt zu haben. Wer ihnen hilft, an ihre glasklare Wahrnehmung zu glauben, ist ihre geliebte Band "Tier", mit Texten wie: "Wir fühlen alles, uns machst du nichts vor, wir sind Trieb, Lust und Instinkt …“ Instinkt meint auch erste sexuelle Erfahrungen, die sich von dem unterscheiden, was Ari später als Liebe erlebt.

Der Film thematisiert bedingungslose Freundschaft, gegen den Feind der Lüge im Außen, sei es Schule oder Familie: "Mit dir teil ich mein Revier, geliebtes Tier, geliebtes Tier … Wir verstehen uns blind, weil wir dieselbe Gattung sind.“ ("Tier") Freundschaft notfalls um den Preis … nur eines sei an dieser Stelle verraten: "Du solltest niemals vergessen. Ich könnt’ dich einfach fressen. Bin unberechenbar … " ("Tier")

Was wahre Liebe für die Jugendlichen in "Lollipop Monster" ist

In "Lollipop Monster" geht es vor allem um Ari. Sie ist die Freundin von Oona, die erleben muss, wie wenig integer ihre Mutter ihren Vater liebt: Die Mutter schläft mit dem Schwager. Der Vater beginnt daraufhin Selbstmord. Ari gerät selbst in die Fänge des sexuell höchstaktiven Schwagers und erfährt, dass das erste Mal nicht das erste Mal war, weil sie jetzt erst liebt: Immer dann, wenn sie es immer öfter, immer heißer mit dem geilen Schwager treibt.

Und dann das herbe Ende. Dass Ari nie vergessen hat, gesehen in den Augen von Oona nach dem Tod ihres Vaters, wie weh das tut, wenn du erkennst, dass die Liebe nicht integer, nicht aufrichtig, nicht authentisch ist, und jetzt am eigenen Leib auch noch das Gleiche erfährt, bringt sie dazu, einen Plan zu schmieden. Und die Freundin ist mit von der Partie.

Lara Fritzsche: "Das Leben ist kein Ponyhof" über die wahre Liebe für Jugendliche

Wie wichtig Echtheit und Wahrhaftigkeit für Jugendliche in ihren Liebesbeziehungen ist, erzählt en détail und ohne erhobenen Zeigefinger die Redakteurin des Jugendmagazins "Neon" Lara Fritzsche in ihrem Buch "Das Leben ist kein Ponyhof". Dass es Sex als Zwischenmahlzeit auch in ihrem Leben gibt, heißt eben nicht, dass für junge Menschen Liebesbeziehungen beliebig und austauschbar sind, wie das der Facebook-Hasser gerne sehen möchte.

Filmische Fakten zu "Lollipop Monster"

Der Film, der im Wettbewerb des Internationalen Filmfestivals in Karlovy Vary lief, wurde von der Jury der International Federation of Film Societies (FICC) mit einer lobenden Erwähnung bedacht.

Im Februar dieses Jahres hat die Jury des 15. Femina Filmpreises bei den 61. Internationalen Filmfestspielen Berlin den mit 2.000 Euro ausgestatteten Preis für das Kostümbild an dem Spielfilm "Lollipop Monster" verliehen. Der Preis wurde für hervorragende künstlerische Leistungen in einem deutschsprachigen Spielfilm im Bereich Kamera, Kostüm, Montage, Musik oder Szenenbild verliehen. Begründung der Jury: "Julia Brandes Kostüme bewegen sich mit unberechenbarer Phantasie zwischen vergnügtem Showeffekt und nachdrücklicher Charakterzeichnung. Sie machen das komplizierte und widersprüchliche Lebensgefühl der Hauptfiguren, zweier sechzehnjähriger Mädchen, auf intensive und glaubwürdige Weise sichtbar." (Quelle: news.teddyaward.tv)

"Lollipop Monster" ist ein erfrischend wilder Mix aus Realfilm, Animation und Musikvideo; endlich mal Pop-Art-Kino im deutschen Kino, bei dem die Popkorntüte unangetastet bleibt. Der Film ist nämlich so bunt, dass es dafür keinerlei Verstärker braucht.

Asta Hemmerlein, Foto: privat

Asta Hemmerlein - Studium der Politikwissenschaft in Freiburg im Breisgau, Madrid und Berlin. Praktika bei Simon Wiesenthal in Wien, am Zentrum für ...

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