
- Krankenhaus für Vergewaltigungsopfer im Kongo - UN Foto/Marie Frechon
Während sich der Charakter von Kriegen über Jahre hinweg gewandelt hat, bleibt die Tatsache bestehen, dass Zivilisten die Hauptlast der Konflikte tragen und vor allem Frauen und Kinder einen besonders hohen Preis zahlen. Die Sonder-Botschafterin der Vereinten Nationen für sexuelle Gewalt in Konfliktgebieten beobachtet mit wachsender Sorge den Trend, dass Vergewaltigung zunehmend als Werkzeug zur Terrorisierung ganzer Gemeinden eingesetzt wird.
Botschaft an Männer: „Ihr seid unfähig, eure Frauen zu verteidigen“
“Dies ist bedauerlicherweise eine sehr effektive, billige und lautlose Waffe mit einer lang anhaltenden traumatisierenden Wirkung auf die Gesellschaft“, sagte Margot Wallström am 12. November 2010 in New York. Die Sonder-Gesandte des UNO-Generalsekretärs für sexuelle Gewalt in bewaffneten Konflikten sieht in den Massenvergewaltigungen eine Demonstration von Macht und Demütigung, die ganze Gemeinden in Angst und Schrecken versetzt. Auch sende sie ein Signal an die Männer, nämlich: „Ihr seid unfähig, eure Frauen zu verteidigen.“
Die schwedische Politikerin Margot Wallström wurde nach einer langen Karriere als Frauenrechtlerin im Februar 2010 in ihr gegenwärtiges internationales Amt berufen. Im April 2010 besuchte sie die Demokratische Republik Kongo (DRC), die sie als „Vergewaltigungs-Metropole der Welt“ bezeichnet.
DR Kongo – die Vergewaltigungs-Metropole der Welt
Nach Angaben des UNO-Bevölkerungs-Fonds (UNFPA) wurden allein letztes Jahr in der DR Kongo mehr als 8.000 Frauen während der Auseinandersetzungen zwischen den Konfliktparteien vergewaltigt. Erst vor wenigen Monaten drangen erneut Berichte über vier Tage lang anhaltende sexuelle Übergriffe auf zahllose Zivilisten in den schwer zugänglichen Unruhegebieten weit im Osten der DRC an die Öffentlichkeit.
“Hier kann man sehen, dass der Wahnsinn Methode ist, die Vergewaltigungen waren geplant. Es gab keine Toten zu der Zeit, aber die Überfälle erfüllten ihr Ziel, Terror und Angst zu verbreiten“, meinte Wallström zu den sexuellen Greueltaten, die zwischen dem 30. Juli und 2. August 2010 in Walikale begangen wurden.
Straffreiheit für Vergewaltiger muss ein Ende haben
Die Diplomatin hatte wiederholt dazu aufgerufen, die Verhinderung sexueller Gewalt zur höchsten Priorität zu machen und die Verantwortlichen für die Untaten nicht mehr straffrei davon kommen zu lassen. Laut Wallström wäre das wichtigste Signal, "den Tätern zu zeigen, dass wir ihnen auf den Fersen sind, dass wir sie finden und bestrafen werden".
Obwohl die DR Kongo in den vergangenen Monaten im Zentrum der Aufmerksamkeit stand, weist Frau Wallström darauf hin, dass sexuelle Gewalt in bewaffneten Konflikten ein globales Übel ist. Sie plant, in Kürze Bosnien und Herzegowina zu besuchen, und macht auch auf Berichte über Vergewaltigungen unter anderen aus Nepal, Ost-Timor, Myanmar und Kolumbien aufmerksam. „Wir wollen zeigen, dass wir einen weltweiten Kampf führen – es ist nicht nur Afrika“, sagte sie in New York.
Verbrechen gegen das Opfer ist zugleich Verbrechen gegen die Menschheit
Sie bezeichnet den verbreiteten und systematischen Einsatz von sexueller Gewalt sowohl als Verbrechen gegen das Opfer als auch als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Dabei würden Vergewaltigungsopfer oft zu Aussätzigen abgestempelt, da diesem Verbrechen Stigma, Tabu und Demütigung anhaften.
Als ihr Erfolgskriterium sieht Wallström daher nicht so sehr dicke Aktenordner mit Berichten oder grosse Konferenzen, sondern die Zahl der Frauen und Mädchen, die sich in ihrem täglichen Leben sicherer fühlen können.
