Sfar & Blain: Sokrates der Halbhund 2 - Odysseus

Sokrates der Halbhund 2 - Reprodukt
Sokrates der Halbhund 2 - Reprodukt
Joann Sfar und Christophe Blain legen in "Sokrates der Halbhund 2" einen Gang zu und präsentieren eine schwungvolle Fahrt durch ihre antike Mythenwelt

Die antike Mythenwelt steht Kopf! Herakles und Odysseus bisexuell? Der Philosoph Sokrates eine Töle? Ja. Zumindest in der Serie Sokrates der Halbhund (Reprodukt). Nachdem schon der erste Band "Herakles" eine dynamisch erzählte und gezeichnete Erzählung über den treu ergebenen und philosophierenden Köter Sokrates bis auf wenige Aspekte durchaus gelungen war, legen Joann Sfar und Christoph Blain in zweiten Band "Odysseus" noch einen Gang zu.

Wer ist das Herrchen?

Das Leben als Halbhund ist gar nicht so einfach. Vor allem dann, wenn ständig das Herrchen wechselt, dem man folgt. Sokrates begleitet Herakles nach Ithaka um die wahre Liebe in Gestalt von Odysseus und Penelope kennenzulernen. Doch Odysseus verlässt seine Frau, die Herakles "tröstet". Doch Herakles tötet Penelopes Sohn, der die beiden in flagranti erwischt, wodurch letztlich Sokrates und Herakles auf demselben Schiff landen wie Odysseus.

Sokrates wird nach weiteren Abenteuern von seinem Herrn verstoßen, weshalb er sich schließlich dem geblendeten Erzfeind Odysseus' anschließt - und das ist niemand geringerer als der übermenschlich groß gewachsene Zyklop, der eigentlich einmal der Dichter Homer war, bevor er durch das Erzählen immer weiter in die Höhe wuchs, bis er keine Lust mehr hatte, Geschichten zu erzählen. Ob Sokrates nun sein letztes Herrchen gefunden steht aber auf der Kippe.

Tradition und Moderne

Der Autor Joann Sfar bedient sich zwar ausgiebig bei den bekannten Figuren aus der antiken Mythologie, jedoch schreibt er diese in eine (post)moderne Variation um. Sex und Gewalt sind neben den kleinen philosophischen Kommentaren von Sokrates die leitenden Motive der Serie. Im Gegenstz zum ersten Band "Herakles" vermeidet Sfar im im zweiten Band "Odysseus" dennoch sich wiederholende Motive, wodurch die dynamische Erzählung stark an Fahrt aufnimmt. Die Freude an der Umschreibung der antiken Mythologie in eine zeitgemäße Version ist auf jeder Seite zu spüren.

Dynamischer Strich

Blain führt einen reduzierten und kräftigen Strich. Seine markanten Zeichnungen bestechen weniger durch detaillierte Hintergründe und eine realistische Darstellung, sondern konzentrieren sich voll und ganz auf den Ausdruck und die Handlung der Charaktere. Dadurch entsteht eine ungeheure dynamische Erzählweise, die jedoch durch die Kommentare Sokrates' aus dem Off gebremst werden. Auch die flächige Kolorierung von Audré Jardel wirkt vereinfacht, aber durch die zum Teil unnatürlich Farben ebenso markant und ausdrucksstark.

Wohin diese Reise hingeht bleibt auch im zweiten Band weiter offen. Denn der Autor bringt immer wieder sprunghafte und überraschende Wendungen in seine Erzählung hinein, wodurch das Szenario ein um das andere Mal kippt. Dadurch bleibt die Serie quicklebendig. Die Fabulierfreude der beiden Comickünstler ist stets gegenwärtig und macht am Ende neugierig auf das nächste Abenteuer. Einzige Kritikpunkte sind, dass die Dialoge und die - echte - Philosophie zu kurz kommen.

Wertung: 4 von 5

Joann Sfar und Christophe Blain: Sokrates der Halbhund 2 - Odysseus. Reprodukt, 2011. Softcover, 48 Seiten. Euro 12.