Sfax - Die zweite Stadt Tunesiens

Zweitgrößte Stadt im Land und Wirtschaftszentrum des Südens

Innenstadt mit Blick auf den Stadtpalast - Simon Strauch
Innenstadt mit Blick auf den Stadtpalast - Simon Strauch
Sfax hat einiges zu bieten. Direkte Küstenlage, schöner Stadtkern eine beeindruckende Medina und vieles mehr. Nicht umsonst wird es das Juwel des Südens genannt.

Wenn man an Tunesien denkt, hat man meistens die Hauptstadt Tunis, oder die weißen Strände des Badeortes Hammamet, im Norden des Landes vor Augen. Sfax ist eher wenigen Touristen ein Begriff, was daran liegen mag, dass es noch keine idyllischen Sandstrände vorzeigen kann, obwohl es direkt am Mittelmeer liegt. Dennoch gibt es in Sfax viel zu entdecken und jeder Tunesien-Besucher, der nicht ausschließlich auf einen Badeurlaub aus ist, sollte dieser Stadt einen Besuch abstatten. Mit rund 370.000 Einwohnern ist Sfax die zweitgrößte Stadt Tunesiens. Um dorthin zu gelangen kann man am besten per Zug über die eingleisige Schienenverbindung, oder mit dem Auto über die kürzlich fertiggestellte neue Autobahnverbindung von Tunis aus fahren. Außerdem hat Sfax noch einen internationalen Flughafen, der allerdings nur Verbindungen nach Frankreich, Lybien und Saudi-Arabien anbietet.

Bevor man die Innenstadt von Sfax erreicht, sieht man Industrie und Landwirtschaft

Vor den Toren der Stadt liegt ein riesiges Olivenanbaugebiet. Zudem gibt es unzählige Mandelbäume. Sfax ist innerhalb Tunesiens der Hauptlieferant für diese Naturprodukte. In der äußeren Peripherie sind Industriegebiete angesiedelt, unter anderem wird in Sfax Phosphat gewonnen. Außerdem hat eine Vielzahl von Textil- Maschinenbau- und anderen Betrieben einen Standort in einem der 16 Gewerbegebiete der Stadt.

Der Stadtkern

Im Zentrum der Stadt stehen viele schmucke alte Häuser. In den meisten Straßen findet man Dattelpalmen, die für Mittelmeeratmosphäre sorgen. Einige gute Restaurants sind hier angesiedelt. Die zahlreichen Cafés sind ein beliebter Treffpunkt der tunesischen Männer, die hier nach der Arbeit bei Kaffee oder Tee gemütlich beisammen sitzen. Wer wirklich etwas tunesisches Flair erfahren möchte, sollte auf jeden Fall einmal in einem Café oder einem Teehaus einkehren. Ein besonders schönes Bauwerk ist der Stadtpalast von Sfax. Mit seiner weißen Kuppel und dem verzierten Minarett ist er eines der imposantesten Gebäude der Stadt.

Ein Gang durch die Medina von Sfax ist ein Muss

Nicht weit vom Stadtpalast liegt die Medina, die touristische Hauptattraktion von Sfax. Sie ist von hohen, lehmverputzten Mauern umgeben, es gibt zwei Eingänge. "Bab Diwan" nennt sich das große Haupttor. Hinter den Mauern befinden sich alte tunesische Häuser, eines davon ist zu einem Museum umgebaut wurden und nennt sich "Dar Jellouli". Hier wird neben Kunstwerken und antiken Haushaltsgeräten auch der Wohn- und Lebensstil der tunesischen Bevölkerung von vergangenen Jahrhunderten gezeigt. Aber in der Medina gibt es noch mehr zu entdecken. Sie ist der Hauptumschlagplatz für Güter aller Art, hier kann man wirklich alles bekommen. Von Gewürzen, über Textilien und Souvenirartikeln bis hin zu Elektrogeräten fragwürdiger Herkunft gibt es hier alles was das Herz begehrt. Etwas Besonderes sind die Fleischauslagen. Die Schlachter hängen hier ihre frische Ware vor der Ladentür auf, so dass potenzielle Käufer sie begutachten können. Wer ein gutes Stück vom Hammel kaufen möchte, sollte früh genug da sein, da die Ware oft schon nach wenigen Stunden ausverkauft ist. Aber auch wenn man nichts von alledem erwerben möchte, lohnt ein ein Gang durch die schmalen Gassen der Medina, um einfach nur dem bunten Treiben zuzuschauen. Nur seine Brieftasche sollte man dabei stets im Auge behalten. Nicht weit von der Medina gibt es auch einen großen Fischmarkt, auf dem man jeden Tag frisch gefangene Ware günstig erstehen kann.

Stadt am Mittelmeer

Fährt man aus der Stadt, entlang der Rue de Sidi Mansour, muss man nur rechts ranfahren und schon steht man direkt am Meer. Viele Sfaxianer verbringen dort die lauen Sommerabende, essen Popcorn, das in Sfax überall von Händlern mit mobilen Verkaufsstationen angeboten wird, und genießen die romantischen Sonnenuntergänge. Vom Hafen aus kann man mit einer Autofähre auf die Kerkenna-Inseln übersetzen, die nur etwa 20 km vom Festland entfernt sind. Diese Inselgruppe setzt sich aus zwei großen und mehreren kleineren Eilanden zusammen. Hier gibt es einige hübsche Dörfer, kleine Fischerhäfen und auch ein paar Sandstrände, die man in der Gegend um Sfax herum nicht findet. Wer mit einem Geländewagen unterwegs ist, kann auf Kerkenna einige interessante Offroad-Strecken befahren.

Sfax - Keine touristische Hochburg aber eine Stadt mit Charme

Ganz klar, es gibt lohnendere Ziele als Sfax. Doch wer in Tunesien ist und etwas Zeit mitgebracht hat, sollte auf jeden Fall einen Abstecher zum "Juwel des Südens" machen. Hier kann man Tunesien noch richtig kennen lernen, die Straßen sind nicht von Touristengruppen überschwemmt, so dass man das Gefühl hat sich ausschließlich unter Einheimischen zu bewegen. Auch in Sfax gibt es allerdings ein Projekt gibt, das durch Landgewinnung ein paar größere Hotelketten an einen künstlichen Sandstrand locken soll. Noch ist Sfax jedoch kein Stützpunkt westlicher Badeurlauber, sondern ein Ort mit origineller tunesischer Kultur, den man am besten auf eigene Faust erkunden kann.

Simon Strauch, Simon Strauch

Simon Strauch - Geboren und aufgewachsen in Wuppertal. Interesse an fremden Kulturen durch ausgedehnte Reisen nach der Schulzeit geweckt. Mittlerweile ...

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