Shaka, der Gründer der Zulu-Nation und Symbol Afrikas

Innerhalb von zwölf Jahren schuf der Häuptling eines unbedeutenden Clans in Natal die größte Streitmacht, die Schwarzafrika bis dahin gesehen hatte.

Während sich in Europa die napoleonischen Kriege ihrem Ende näherten, machte sich in der südafrikanischen Provinz Natal der Häuptling des winzigen Clans der Zulu mit gerade einmal 1.500 Mitgliedern, die ein Gebiet von nicht mehr als 100 qkm kontrollierten, daran, die zahlreichen anderen Clans des Ngani-Volkes zu einer Nation zusammenzuschweißen und weitere benachbarte Stämme in sein "Volk des Himmels" (amaZulu) zu integrieren. Als er zwölf Jahre später von seinen Halbbrüdern ermordet wurde, war er der Herrscher über zwei Millionen Menschen, die Hunderttausende Quadratkilometer bevölkerten. Er wurde als schwarzer Wellington gerühmt und erfand Kriegstaktiken, die europäischen Generälen erst hundert Jahre später einfielen.

"Darum nannten sie ihn den Unschlagbaren.

Von ihm sagten sie: 'Nur die geschwinde Flucht kann einen Mann retten...

Er sagte Dinge, die sogar die Meister der Kriegführung verblüfften.“

So beschrieb der südafrikanische Dichter Mazizi Kunene die Kriegstaktik des Gründers der Zulu-Nation in seinem Epos "Kaiser Shaka der Große", das zu Apartheidzeiten natürlich auf dem Index stand und heute zur "UNESCO-Sammlung Repräsentativer Werke" zählt. Shaka, der 1787 als illegitimes Kind geboren wurde, wuchs zum größten militärischen Führer und politischen Organisator Schwarzafrikas heran, er ist bis heute in Afrikas Literatur und Denken Symbol der Idee einer einzigen nationalen oder gar kontinentalen Gemeinschaft geblieben.

Taktik und Drill

Schnelligkeit war Shakas Kriegsgeheimnis. Als sein Vater 1816 starb, übernahm der Prinz den Thron und machte sich daran, aus dem unorganisierten Haufen seiner Landsleute die größte und disziplinierteste Streitmacht zu schaffen, die Schwarzafrika je gesehen hatte. Er trainierte seine Krieger für den Nahkampf. Dazu entwickelte er den assegei, einen kurzen Speer mit einer breiten Klinge, ähnlich dem römischen Kurzschwert. Dann unterteilte er seine Zulus, Frauen wie Männer, in "impis" (Regimenter), zwang sie, ihre Sandalen abzulegen und barfuß zu laufen. Er trainierte sie so lange auf Gewaltmärschen, bis sie auf unwegsamem, steinigem und dornigem Gelände über 50 Meilen an einem Tag zurücklegen konnten. (Europas Truppen rühmten sich - auf befestigten Straßen -, von Sonnenauf- bis -untergang 15 Meilen zu schaffen.)

Erste Eroberungen

Nach einem Jahr unablässigen Drills testete er seine 350-Mann-Armee zum ersten Mal, als er die e-Langeni, den Clan seiner Mutter, überrumpelte. Danach metzelten seine impis die Butelezi nieder. Dann wagte er den Angriff auf die weit überlegenen Ndwande. "Die Zulus griffen an, und eineinhalb Stunden später hatte der Ndwande-Clan aufgehört zu existieren. Die Zulus sammelten die 60.000 Stück Vieh ein und begannen dann die Frauen und Kinder abzuschlachten", notierte der Händler Henry Francis Fynn, der gelegentlich in Shaka's Kral „kwa Bulawayo" (Der Platz jenes, der mit Schmerzen tötet) weilte, in seinem Tagebuch.

Die Krieger durften nicht heiraten und lebten in absolutem Zölibat. Verstöße wurden mit dem Tod bestraft. Erst im Alter von 35 bis 40 Jahren durften sie sich wieder in ihren heimatlichen Krals niederlassen, um eine Familie zu gründen. Shaka regierte mit blankem Terror. Ein falscher Schritt beim Tanz schon konnte ein Todesurteil zur Folge haben. Kinder, die während seiner öffentlichen Auftritte lachten, mussten sterben. Er setzte erstmals Hygienevorschriften durch; zu diesem Zweck nahm er jeden Morgen vor Tausenden seiner Zulus ein öffentliches Bad. Ein eigens dafür bestellter Diener musste die königlichen Exkremente vernichten, ja er beschäftigte sogar einen Abwischer des königlichen Anus'. Er brach die Macht der Zauberer, deren Arbeit er als Hokuspokus abtat.

Die dunkle Seite des Herrschers

Doch immer wieder und besonders nach dem Tod seiner Mutter brach die dunkle, schreckliche Seite im Charakter des Staatsgründers durch. "Terror ist das einzige, was sie verstehen", behauptete Shaka. „Und nur die Furcht vor dem Tod wird meine Zulus zusammenhalten.“ Historiker glauben, die Gründe für Shakas Tyrannei und Enthaltsamkeit in seiner Kindheit und Jugend gefunden zu haben. Diese hatte der Junge zusammen mit seiner Mutter Nandi - sowohl von seinem Vater als auch vom Clan der Mutter verstoßen - im Exil verbracht, was zu einer außergewöhnlichen Mutterbindung führte. "Ich habe die Welt erobert, aber meine Mutter verloren", klagte er nach Nandis Tod. Er hatte zwar einen Harem von 1.200 Frauen. Doch er heiratete nie, weil Nachkommen - wie er häufig erklärte - später eh nur eine Bedrohung für seine eigene Macht darstellten.

Begegnung mit den Weißen

Shaka lebte in einer Gesellschaft, die sich auf dem sozialen und technischen Niveau des ersten vorchristlichen Jahrtausends befand. Die einzige Architektur, die seine Zulus kannten, war die Strohhütte, das Rad war ihnen unbekannt, Boote hatten sie nie gesehen. Für sie hatte es nie einen Grund gegeben, Fortschritte zu machen. Erst die Ankunft der Weißen stellte sie vor diese Herausforderung. Und Shaka antwortete auf diese Herausforderung. Seine weißen Besucher erwähnten wieder und wieder seinen Wissensdurst - und seine Klagen über sein Volk, das ihm nicht folge, das sein Ziel nicht erkenne.

So wie er ihnen zuvor auf brutale Weise das Kriegshandwerk beigebracht hatte, so wollte er sie nun zwingen, das Wissen des weißen Mannes zu erlernen. Zwölf Jahre nachdem er die Nachfolge eines unbedeutenden Clanhäuptlings übernommen hatte, begann er, seine Eroberungen zu kolonisieren. Er entließ alle Reserveregimenter, sogar seine Leibwachen. Die kommenden zwölf Jahre sollten dem Ausbau seines Staatswesens dienen. Nun würde er die Ignoranz bekämpfen und besiegen, alle seine Untertanen sollten zur Schule gehen und die Kenntnisse des weißen Mannes erlernen.

Tod

Doch diese Träume sollten nicht wahr werden. Am 22. September 1828, ein Jahr nach Nandis Tod, erstachen ihn seine beiden Halbbrüder Dingane und Mhlangana mit ihren assegeis. "'Ihr, die Kinder meines Vaters, tötet mich', rief Shaka aus", erzählen die Väter noch heute ihren Kindern in den Zulukrals von Natal vom Ende des "Löwen. Ihr werdet nicht regieren, wenn ich tot bin. Die weißen Menschen sind schon angekommen."

Der letzte Sieg der Zulus

Anfang 1879, fünfzig Jahre später, marschierten britische Truppen in Zululand ein, um das Königreich zu erobern. Am 21. Januar gelang den Zulu-impis unter ihrem König Cetshwayo -ein Neffe Shaka's - der letzte große Sieg. In der Schlacht von Isandhlwana am Buffalo-River brachten sie der britischen Invasionsmacht die verheerendste Niederlage bei, die je eine weiße Armee in Schwarzafrika erlitten hat. Von insgesamt 1.800 britischen Soldaten überlebten nur 355 das Massaker. Über 15 Meilen beidseitig entlang der Flussufer verstreut lagen 3.500 Tote. "Wir können uns noch nicht vorstellen, wie das passieren konnte", notierte Queen Victoria in ihrem Tagebuch, als sie von der Katastrophe hörte.

Armin Wertz - Nach Abschluss des Volkswirtschaftsstudiums Nachrichtenredakteur 1980 - 1990 Korrespondent in Mexiko, Mittelamerika & Karibik 1991 - ...

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