Was wäre das Leben ohne Liebe und Leidenschaft? Auch William Shakespeares Sonette lassen keine Zweifel an der Antwort aufkommen: Nicht viel!

William Shakespeares „Dark Lady“-Sonette

Die mysteriöse, anziehende, reizvolle Gestalt, die als „Dark Lady“ bekannt wurde und im Zentrum unzähliger Shakespeare-Sonette steht, gibt seit Jahrhunderten Rätsel auf. Der Leser erfährt: Sie stürzte den englischen Dichterfürsten erst in einen erotischen Taumel, dann in Abhängigkeit und später ob ihrer „Zweit-Liaison“ mit einem seiner engen Vertrauten in tiefe Verzweiflung.

Wer war die mysteriöse Geliebte, die William Shakespeare beschrieb?

Doch wer war diese Frau, der William Shakespeare in unzähligen seiner Sonette ein Denkmal setzte und der er ganz offensichtlich mit Haut und Haaren verfallen war – selbst als er als Teil des fatalen Dreiecksverhältnisses rasant auf den emotionalen und physischen Abgrund zusteuerte?

Mit geradezu kriminalistischem Gespür ist es der Shakespeare-Expertin und Anglistik-Professorin Hildegard Hammerschmidt-Hummel gelungen, das Mysterium (immerhin eines der größten der Literaturgeschichte) um die niemals namentlich genannte Geliebte aufzudecken. Sie ist die Verfasserin des Buches „Das Geheimnis um Shakespeares ‚Dark Lady‘“.

Hildegard Hammerschmidt-Hummel lüftet das Geheimnis um Shakespeares „Dark Lady“

Bei ihrem Vortrag im Rahmen der Karlsruher Schlosskonzerte (Gartensaal Schloss Karlsruhe, 21.05.2010) gibt Hildegard Hammerschmidt-Hummel einen spannenden Einblick in ihre interdisziplinäre Forschung, deren Dreh- und Angelpunkt nicht allein das Werk des britischen Dramatikers und Dichters bildet. Auch mehrere Gemälde halfen dabei, Licht ins liebestolle Dunkel zu bringen.

Maßgeblich ausgehend vom Bild „The Persian Lady“, auf dem der Renaissance-Maler Marcus Gheeraerts der Jüngere eine später als hochschwangere Elizabeth Vernon identifizierte Dame hohen Ranges sowie ein bis dato unbekanntes Shakespeare-Sonett abbildete, weist Hammerschmidt-Hummel nach, dass die Geliebte niemand Geringeres als die spätere Gräfin von Southampton war. William Shakespeare begegnete ihr am Hof von Königin Elisabeth I. und verliebte sich Hals über Kopf in sie. Die Queen war übrigens „not amused“.

Pikantes Detail am Rande: Shakespeare war zu dieser Zeit verheiratet, hatte Frau und drei Kinder, was ihn nicht von der leidenschaftliche Affäre abhielt.

Versteckte Botschaften im Bild „The Persian Lady“

Indem Hildegard Hammerschmidt-Hummel „fachfremde“ Hilfe zu Rate zieht – im Team befinden sich Kulturwissenschaftler, Linguisten, Botaniker, Mediziner und sogar Gesichtsexperten des Bundeskriminalamts – um die unzähligen Fäden zu entwirren, macht sie einen hochexplosiven Fund: Die auf dem Bild „The Persian Lady“ dargestellte Frucht des Leibes stammt von niemand Geringerem als Shakespeare, obwohl dessen „Dark Lady“ seinen adligen Nebenbuhler heiratete!

Aufschluss darüber gibt nicht zuletzt das Bild selbst: Gemälde dieser Epoche enthalten immer zahlreiche Andeutungen – auch dieses hier. So passen unter anderem die Blätter des dargestellten Baumes nicht zur Pflanze, der britische Dichter und Dramatiker sprach von seiner Geliebten wiederum als „Liebesbaum“.

Das neu entdeckte Shakespeare-Sonett, das ebenfalls zu sehen ist, birgt in Verbindung mit diesem Wissen sogar noch deutlichere Worte: „… but all in vaine, for now to[o] late I see the shales be mine, the kernels others are. My Musique may be plaintes, my physique teares if this be all the fruite my love tree beares.“ (dt: „Doch alles war vergeblich, denn jetzt, zu spät, ich seh’: Die Früchte ernten andre, die Schalen nur sind mein. Musik sei meine Klage, ihr Tränen Medizin, Wenn dies die ganze Frucht ist, die mein Liebesbaum trägt.“)

Prinz William, ein Nachkomme von William Shakespeare?

Interessanter „Nebeneffekt“ der Entdeckung: Zur Ahnenreihe von William Shakespeare gehören entsprechend der Argumentationskette von Hildegard Hammerschmidt-Hummel Generationen später auch Lady Di und ihre Söhne, Prinz William und Prinz Harry!

Kein trockener Diskurs: „Shakespeare in Love“, basierend auf Fakten

Was ein trockener literaturwissenschaftlicher und kunsthistorischer Diskurs hätte werden können, entwickelt in Hildegard Hammerschmidt-Hummels Vortrag und Buch „Das Geheimnis um Shakespeares ‚Dark Lady‘“ schnell die Qualitäten eines ungemein spannenden Hollywood-Blockbusters. Anders als der Film „Shakespeare in Love“ bringt dieser allerdings Fakten sowie authentische Begebenheiten ans Licht.

Das Theaterstück „Shakespeares Geliebte. Die wahre Geschichte“

Es liegt nahe, das Potenzial der brisanten Dreiecksgeschichte zwischen dem Dichter William Shakespeare, Elizabeth Vernon und Henry Wriothesley, dritter Graf von Southampton, auch für andere Künste aufzubereiten und so verfasste Hildegard Hammerschmidt-Hummel ein kurzweiliges Theaterstück.

„Shakespeares Geliebte. Die wahre Geschichte“ feierte unter der Regie von Thorsten Morawietz am 23. April 2010 an der Dramatischen Bühne Frankfurt Premiere. Es handelte sich bei der weltweiten Uraufführung um eine Koproduktion mit dem Shakespeare-Theater, die von Presse und Zuschauern wohlwollend aufgenommen wurde und nun in abgeänderter Form auch bei den Karlsruher Schlosskonzerten zu sehen war.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Hildegard Hammerschmidt-Hummel: Das Geheimnis um Shakespeares „Dark Lady“. Primus Verlag, Darmstadt (1999), 192 Seiten. ISBN: 3896781413
  • Hildegard Hammerschmidt-Hummel: Die verborgene Existenz des William Shakespeare. Herder, Freiburg (2001), 287 Seiten. ISBN: 3451274175
  • Hildegard Hammerschmidt-Hummel: William Shakespeare. Seine Zeit – Sein Leben – Sein Werk. Philipp von Zabern Verlag, Mainz (2003), 408 Seiten. ISBN: 380532958X
  • Interview mit Hildegard Hammerschmidt-Hummel „‚Ich glaubte es selbst kaum‘ – Interview mit der Entdeckerin der ‚Dark Lady‘“ und Shakespeare-Special „Lady Di und der Dichter“ im Focus 36/99