
- Hutson: Scharfe Klauen - Knaur
Serienkiller suchen sich ihre Opfer nach ganz eigenen Mustern aus. Wenn die potentiellen Opfer allerdings selber Horrorautoren sind, die mit ihren Werken ihre Leser unterhalten und schocken möchten, kann man sicher sein, einen außergewöhnlichen Roman vor sich zu haben.
Ganz neu ist diese Idee natürlich nicht. Von Stephen King über Dean Koontz bis zu Val McDermid haben Thrillerautoren alter egos in Form von zumeist zutiefst gestörten Schriftstellern in den Mittelpunkt ihrer Werke gestellt, die haarsträubendste Abenteuer erleben müssen.
Hutson inszeniert eine blutige Horrorjagd auf Buchautoren
Im Roman "Scharfe Klauen" des Briten Shaun Hutson, der unter bis zu neun verschiedenen Pseudonymen schreibt, sind es gleich zwei Autoren, die in díe Klauen eines grausamen Killers geraten.
Der abgehalfterte und verwitwete Londoner Inspector David Birch wird mit einer brutalen Mordserie konfrontiert. Die Opfer stammen allesamt aus der Branche der Autoren, Buchkritiker und Literaturagenten und wurden scheinbar grundlos wie von einem wilden Tier ohne jegliche Spuren verstümmelt und ermordet.
Ein Polizist im Kampf gegen das ungreifbare Böse
Die Ermittlungen führen Birch zu der historischen Sachbuchautorin Megan Hunter und zum erfolgreichen Horrorschriftsteller John Paxton, die beide mehr zu wissen scheinen, als sie vorgeben.
Als Birch herausfindet, das die beiden Buchautoren ein dunkles Geheimnis umgibt, ist es schon zu spät, und er muss sich mit seinem Team einem unfassbaren, mörderischen Wesen stellen.
Phantastische Welten ziehen den Leser in den Bann
Phantastikverächter seien gewarnt, denn das Jenseits lauert hier. Wo die "Scharfen Klauen" zu Beginn noch als bekannter, wenn auch spannender Serienkiller-Whodunnit beginnt, so schlägt die Richtung im letzten Teil des Buches zu einem phantastischen Horrorroman um. Die Parallelwelten von Stephen King oder Dean Koontz lassen grüßen. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, aber spannend und spektakulär geht es auch in diesem Teil des Romans zu, und ein überraschendes Ende erwartet den Leser ebenfalls.
"Scharfe Klauen" - Monster, Morde und Erotik im Literaturmilieu
Auch wenn die Handlung mit nur wenigen Personen auskommt, so gestaltet Hutson diese sehr vielschichtig und tiefgründig. Alleine schon ein in mehrere Kapitel aufgeteilter Rückblick auf die dramatische Entbindung einer jungen, namenlosen Mutter, die sich als monströse Fehlgeburt entpuppt, lässt den Leser das Blut in den Adern gefrieren. Da verzeiht man dem Verfasser auch die bekannte, wenn auch fantasievoll gestaltete Affäre Birchs mit Megan Hunter, die ein wenig Erotik in die ansonsten düstere und blutrünstige Handlung einbringt.
Alles in allem ist "Scharfe Klauen" keine Neuerfindung des Serienkillergenres, aber dennoch ein spannendes Buch mit einer eigenwilligen Linie, die es aber schafft, den Leser ständig in den Bann zu schlagen. Das merkt man spätestens, wenn man die gut 400 Seiten in Rekordzeit verschlungen hat.
Shaun Hutson: Scharfe Klauen. Knaur 2008. Broschiert, 410 Seiten. Euro 8,95.
