Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes (Christian Endres)

Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes - Atlantis Verlag
Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes - Atlantis Verlag
Endres' (im doppelten Sinne) phantastische Holmes-Kurzgeschichten bestechen durch einfühlsame Charakterskizzen, fundierte Recherche und amüsanten Pointen

Sherlock Holmes zählt zweifelsohne zu den wohl bekanntesten Figuren der Literaturgeschichte. Es gibt unzählige Kurzgeschichten, Romane, Verfilmungen und Comics über den Meisterdetektiv und dessen Assistenten Dr. Watson. Christian Endres (Der Preis des Lebens, Atlantis-Verlag) gelingt es in seinem Buch Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes (Atlantis-Verlag) dennoch eine neue Facette zu Arthur Conan Doyles Romanhelden hinzuzufügen. Indem er den klassischen Detektivroman mit Elementen der Phantastik jeglicher Art verquickt, gelingt dem talentierten Autor tatsächlich etwas Neues.

Tradition…

Das Hauptgerüst der 22 Kurzgeschichten bleibt auch bei Endres das Altbekannte - zumindest für jeden Holmes-Anhänger: Wir finden die 17 Treppenstufen, die in die Räumlichkeiten der Baker Street 221 B hinaufführen dabei genauso vor, wie den Deerstalker, die Pfeife und den Shagtabak. Holmes tritt auch hier als egomanisches Deduktionstalent auf und Watson als der loyale Assistent und Chronist. All die bekannten und beliebten Marotten der ungleichen Männerfreunde Holmes/Watson sind hier präsent und beweisen, dass Endres das A-Z von Sherlock Holmes beherrscht. Aber dabei belässt es der Autor von Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes nicht.

…und Post-Moderne

Zu den bekannten Figuren gesellen sich unter anderem Literaturfiguren wie Peter Pan und Kaptiän Nemo oder phantastische Gestalten wie ein sprechender Dachs oder ein Einhörn. Holmes und Watson erleben ihre Abenteuer nicht nur in London, sondern in Neverland, Feenland oder Oz. Das Buch sprudelt geradezu vor Quer- und Hinweisen zur klassischen Literaturgeschichte und der Welt der Mythologie. Verbeugungen vor den Werken von Jules Verne, Edgar Allen Poe, H. P. Lovecraft sind in den Kurzgeschichten genauso unverkennbar wie Anlehnungen an das Werk eines William Shakespeare.

Holmes/Watson - eine ungleiche Männerfreundschaft

Der rote Faden der zahlreichen Kurzgeschichten ist zweifelsohne die Beziehung zwischen dem Meisterdetektiv und seinem Assistenten. Endres erzählt die Geschichten dabei aus der Perspektive des Chronisten - mit einfühlsamen Charakterskizzen, amüsantem Erzählstil, fundiertem Geschichtswissen und pointierten Rätseln. Der Blick des biederen Doktors auf das drogenabhängige Genie deckt stets die Skurrilität auf, die sich zwischen und innerhalb dieser ungleichen Männerfreundschaft abspielt.

Crossover-Feuerwerk

„Watsons phantastische Kurzgeschichten“ sind ein einziges Crossover-Feuerwerk und Endres sei es gedankt, dass er sie „gesammelt“ und „herausgegeben" hat. Die Erzählungen dürfen nicht nur in keiner Holmes- oder Detektivromansammlung fehlen. Vielmehr erfreut sich ebenso jeder Anhänger der phantastischen Literatur an Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes. Man merkt jeder Zeile und Seite an, dass hier ein großer Holmes-Liebhaber und -Kenner am Werk war und seine Leser mit viel fundierter historischer Recherche, aber stets auch mit einem Augenzwinkern, geistreich zu unterhalten versteht.

Christian Endres: Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes. Atlantis-Verlag, 2009. Softcover, 246 Seiten. Euro 12,90.