Sherry aus Jerez: eine "Erfindung" der Engländer

Er ist ein idealer Aperitif und führt zu kostbaren Brandys

Sherry-Fässer - Hefele
Sherry-Fässer - Hefele
Sherry darf sich nur nennen, was im Dreieck zwischen Puerto de Santa Maria, Jerez de la Frontera und Sanlúcar de Barrameda angebaut wird. Dort heißt er Manzanilla.

Englische Piraten, die auf die reich gefüllten spanischen Schiffe aus den südamerikanischen Kolonien warteten, um diese zu überfallen, schätzten deren Fässer mit einem speziellen Weißwein aus der Gegend um Jerez de la Frontera außerordentlich. Ihnen verdankt der Sherry seinen Namen, denn Jerez (sprich: Chereß) konnten sie nicht gut aussprechen.

Sherry ist Palomino-Traube, Kalk-Boden und drei Jahre Reifezeit

Streng genommen darf sich Sherry nur der 15 % Alkoholgehalt umfassende Wein aus der hellen Palomino-Traube nennen. Diese Traubensorte weist besonders große Blätter auf, die den Früchten Schatten spenden, was in den heißen andalusischen Sommern seine unbestrittenen Vorteile hat. Außerdem herrscht in dieser Gemarkung weißer Kalkboden vor, der wiederum die gute Eigenschaft der Wasser-Speicherung, wie ein Schwamm, besitzt.

Der Wein muss mindestens drei Jahre in Eichenfässern reifen und das nach einem strengen System, das man das "Mysterium des Sherry" nennt: Man sieht in den Kellereien, den so genannten Bodegas, mindestens immer drei Reihen von Fässern übereinander: in der unteren Reihen lagert der jüngste Wein, in der zweiten der zwei Jahre alte und ganz unten der dreijährige (das kann man aber bis zu siebenjährigen, ganz wertvollen Tropfen steigern). Nun wird immer 10 Prozent der Lagerung dem Fass entnommen und mit dem mittelalten und wiederum dem nächsten Jahrgang vermischt oder verschnitten, wie die Fachleute sagen. Dieses System nennt man Solera und verdankt wieder den Engländern, die einen immer gleichbleibenden Geschmack des Sherry verlangten, den man so erreicht.

Die wichtigen Sorten des Sherry

  • Fino: Er hat eine hellgelbe Farbe und ist der Sherry, den man trocken nennt. Besonderheit: Er reift quasi biologisch, gärt also mit Schimmelbakterien.
  • Amantillado: er hat eine rotgoldene Färbung , mehr Süße, die durch den Prozess der Oxydation hervorgerufen wird.
  • Oloroso: braunrote Färbung, hervorgerufen durch noch längere Oxydation. Dies ist der beliebte süße Sherry, besser als Digestif , also zur Nachspeise, geeignet.
  • Manzanilla heißt der Sherry nur aus Sanlúcar de Barrameda . Er wird nach dem selben Verfahren wie in Jerez hergestellt, schmeckt aber leichter und fruchtiger, da beeinflusst vom Atlantik-Wetter und näher am Meer und in salzhaltigerer Luft reifend.
  • Sherry-Brandy: Destilliert man den Wein und lässt ihn wieder nach dem Solera-Prinzip mehrere Jahre in Fässern reifen, so entsteht der hochwertige Branntwein aus Jerez mit meist 42 Prozent Alkoholgehalt.

Besichtigung von Sherry-Bodegas

Zu einem Besuch von Jerez gehört unbedingt die Besichtigung und Führung mit anschließender Weinprobe bei getrocknetem Schinken (jamon serrano) und Käse in einer Sherry-Bodega. Deutsche Erläuterungen erhält man auf jeden Fall in den international bekannten großen Bodegas wie:

  • Gonzales Byass mit seiner berühmten Marke des Gitarre spielenden Tio Pepe,
  • Sandeman gegenüber der Königlichen Hofreitschule,
  • Alvaro Domecq, berühmt auch für seine Pferdezucht,
  • Osborne in Puerto de Santa Maria, dessen Logo des Schwarzen Stieres heute als Kunstwerk gilt und ohne Namenszug noch etwa 280Mal überlebensgroß in der spanischen Landschaft steht.

Jerez - das sind eben nicht nur die Pferde und Flamenco, das ist vor allem auch der Sherry.

Dr. Gabriele Hefele, Reinhard Hefele

Dr. Gabriele Hefele - Dr. phil. Gabriele Hefele gewann bereits mit 13 Jahren einen Preis für eine lustige Olympiareportage. Sie schrieb mit 17 ein ...

rss