Shigellose: Magen-Darm-Entzündung mit Durchfall am 19.9.2011

Shigellose-Fälle in Deutschland (2010 und 2011) - Dr. Gerald Albach
Shigellose-Fälle in Deutschland (2010 und 2011) - Dr. Gerald Albach
Shigella-Bakterien verursachen Shigellosen mit den Symptomen Bauchschmerzen, Durchfall und Fieber: Das RKI meldet 19 neue Shigellose-Fälle für die KW 34.

Nach der EHEC-Epidemie des Jahres 2011 kennen viele Deutsche das Bakteriengift Shiga Toxin, Namensgeber ist der Bakteriologe Kiyoshi Shiga, der Entdecker der gramnegativen Shigella-Bakterien: Am 19. September 2011 meldete das Robert Koch-Institut (RKI) im Epidemiologischen Bulletin Nummer 37 für Deutschland 19 neue Magen-Darm-Infektionen mit Shigellen für die Kalenderwoche (KW) 34. Dies sind gegenüber der Kalenderwoche 33 drei Shigellose-Fälle mehr. Die Bundesländer Berlin und Hamburg liegen mit 2 Shigellosen pro 100.000 Einwohner an der Spitze der Neuerkrankungsfälle in Deutschland (siehe Inzidenz-Grafik).

Jetzt 437 registrierte Shigellosen in Deutschland

Shigellen sind in Deutschland gegenüber Salmonellen keine besonders häufig auftretenden bakteriellen Darmerreger für akute Durchfallerkrankungen (Diarrhoen). Trotzdem infizierten sich bis zur KW 34 nach RKI bereits 437 Menschen seit Beginn des Jahres 2011 mit Bakterien der Gattung Shigella. Im gleichen Zeitraum gab es vergleichsweise 47.024 gemeldete Campylobacteriosen und 4.275 EHEC-Fälle. Die Gesundheitsbehörden der Bundesländer übermittelten dem RKI für die KW 34 folgende labordiagnostisch bestätigte Shigellosen: In Baden-Württemberg drei neue Shigellose-Fälle, in Bayern sechs Shigellose-Fälle, in Berlin zwei Shigellose-Fälle, in Brandenburg und Bremen keine Shigellose-Fälle, in Hamburg und Hessen jeweils einen Shigellose-Fall, in Mecklenburg-Vorpommern keinen Shigellose-Fall, in Niedersachsen einen Shigellose-Fall, in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz jeweils zwei Shigellose-Fälle, im Saarland keinen Shigellose-Fall, in Sachsen einen Shigellose-Fall, sowie in Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen keine Shigellose-Fälle.

Shigellosen sind in Berlin und Hamburg am häufigsten

Die kumulative Inzidenz zeigt als epidemiologische Maßzahl an, wie viele Neuerkrankungen durch Shigellen pro 100.000 Einwohner auftreten (siehe Inzidenz-Grafik). Die Diagnose Shigellose wird momentan besonders häufig in den drei Stadtstaaten gestellt: In Baden-Württemberg gibt es 0,5 Shigella-Krankheitsfälle pro 100.000 Einwohner, in Bayern 0,6 Shigellose-Fälle, in Berlin 2,1 Shigellose-Fälle, in Brandenburg 0,2 Shigellose-Fälle, in Bremen 1,1 Shigellose-Fälle, in Hamburg 2 Shigellose-Fälle, in Hessen 0,7 Shigellose-Fälle, in Mecklenburg-Vorpommern 0,1 Shigellose-Fälle, in Niedersachsen 0,2 Shigellose-Fälle, in Nordrhein-Westfalen 0,3 Shigellose-Fälle, in Rheinland-Pfalz 0,7 Shigellose-Fälle, im Saarland 0,2 Shigellose-Fälle, in Sachsen 0,7 Shigellose-Fälle, in Sachsen-Anhalt 0,4 Shigellose-Fälle, in Schleswig-Holstein 0,2 Shigellose-Fälle – und in Thüringen 0,3 Shigellosen pro 100.000 Einwohner.

Shigellose-Symptome sind Bauchschmerzen und Durchfall

In Deutschland ist für Magen-Darm-Erkrankungen überwiegend die Shigella-Art S. sonnei verantwortlich: Besonders häufig erkranken in Europa nach einer Inkubationszeit von etwa 2 bis 5 Tagen Kinder unter fünf Jahren. Bei einer Shigellen-Bakterienruhr leiden die Patienten bei der leichten Verlaufsform an Bauchschmerzen und einem akut wässrigen Durchfall. Schlimmere Erkrankungen führen auch zu blutigem und eitrigem Durchfall mit Fieber – Shigella sonnei führt in Europa glücklicherweise meist nur zu leichten Krankheitsverläufen.

Symptomatische Therapie gegen den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust

Bei ansonsten gesunden Menschen wird meist nur mit einer symptomatischen Therapie der Flüssigkeits- und Elektrolytverlust ausgeglichen: Hier gibt es orale Rehydrationslösungen (ORL) mit Citrat, Glucose, Kalium und Natrium. Wegen der recht hohen Infektiosität und bei schweren Krankheitsverläufen werden auch Antibiotika eingesetzt: Zur Zeit wirken zum Beispiel Ampicilline, Chinolone und Tetracycline.

Weitere Informationen & Literatur

Das Epidemiologische Bulletin (Epid. Bull.) Nummer 37 vom 19. September 2011 finden Sie auf der Homepage des Robert Koch-Instituts (RKI), dort ist auch die Datenbank SurvStat mit den Daten aller Kalenderwochen.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat – zum Beispiel durch einen Arzt oder Apotheker – nicht ersetzen kann!

Dr. Gerald Albach, Dr. Gerald Albach

Dr. Gerald Albach - Schreiben macht Spaß: mit Licht und mit Worten! Damit ich weiß, worüber ich schreibe, habe ich als Diplom-Biologe in der ...

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