Shiva: Erster Guru, Herr der Yogis, Gott der Zerstörung

Shiva mit Dreizack und Trommel - K Rayker on Stock.xchng
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Alles über den hinduistischen Gott Shiva: Seine äußere Erscheinung, traditionelle und symbolische Bedeutung, Mantras und Verehrung.

Die Hindu-Gottheit Shiva (auch „Siva“) gilt als Teil der Trinität von Brahma, Vishnu und Maheshwara (Shiva). Während Brahma für die Schöpfung und Vishnu für deren Erhaltung zuständig ist, gilt Shiva traditionell als der Zerstörer.

Shiva – Gott der Zerstörung

Wenn Shiva seine Arbeit der Zerstörung beginnt, geschieht dies immer mit dem Ziel, die verschiedenen Formen des Bösen und der Unwissenheit im Menschen und in der Welt zu beseitigen. Außerdem besteht seine Aufgabe darin, den Zyklus der Schöpfung und Zerstörung am Leben zu erhalten – wozu am Ende jedes Schöpfungszyklus’ alle Geschöpfe in das Nicht-Manifeste zurückgezogen werden. Grundsätzlich gilt: Ohne Zerstörung kann es keine Entwicklung geben. Das Alte muss erst zerstört werden, bevor das Neue entstehen kann.

Transformation und Befreiung

Somit ebnet Shiva den Weg zur spirituellen Transformation der Menschheit. Er zerstört die Dinge, Umstände und Einstellungen, die den Menschen davon abhalten, das Göttliche in sich selbst zu erkennen und zu verwirklichen. Shiva ist die männliche Seite des transformierenden Aspektes Gottes – die dazu gehörige weibliche Seite wird durch die Göttin Durga (und Kali) repräsentiert.

Freude oder Glückseligkeit?

Diese kompromisslos transformierende Kraft Shivas wird nicht mit dem Ziel eines angenehmen, genussvollen Lebens verehrt, sondern soll zu spiritueller Verwirklichung und Befreiung (Moksha) führen. Shivas Segen kann dabei höchst unterschiedliche Formen annehmen und sich auch in schweren Herausforderungen und (zunächst) leidvollen Erfahrungen ausdrücken. Letztlich aber wird dies nur ein Weg zu einer höheren, unbeschränkteren Form der Freude sein, die im Sanskrit mit Ananda – Glückseligkeit, bezeichnet wird. Shiva zerstört das Zeitlich-Begrenzte, damit das Ewig-Unendliche erkannt und verwirklicht werden kann.

Shiva Avatar

Anders als der Gott Vishnu mit seinen vielen Inkarnationen (wie zum Beispiel Rama und Krishna) wird von Shiva nicht angenommen, dass er sich als Avatar (wörtlich übersetzt: „Herabkunft“) in einem menschlichen Körper inkarniert. Allerdings wird der Ausdruck „Shiva Avatar“ dennoch verwendet, wenn ein Guru oder spiritueller Meister eine an Shiva erinnernde, stark transformierende Kraft besitzt. So gelten zum Beispiel Shirdi Sai Baba und Sathya Sai Baba unter ihren Anhängern als Inkarnation Shivas. Neben ihrer spirituellen Ausstrahlung ist ein weiterer Grund, dass diese beiden heilige Asche („Vibhuti“) zur Heilung und zum Segen verwendeten – ein weiterer Bezug zum Asche beschmierten Yogi Shiva. Von Sathya Sai Baba heißt es außerdem, dass er an Shivaratri, der Nacht Shivas, einen Shiva-Lingam aus seinem Körper hervor bringt. Diese Zeremonie wird Lingodbhavam genannt.

Der erste Guru

Shiva gilt nicht bloß als Herr der Yogis („Yogishvara“), sondern auch als der erste, ursprüngliche Guru. In diesem Zusammenhang ist die Gestalt von Dakshinamurti wichtig, einer Verkörperung Shivas aus der hinduistischen Mythologie, welcher traditionell als der erste Guru verehrt wird. Dakshinamurti kann sowohl als „Herr der Liebe und des Erbarmens“ übersetzt werden (Sanskrit „Dhaakshinyam”) als auch als „nach Süden gerichtet“ (Dakshnina bedeutet „Süden“). Somit passt der Name Dakshinamurti auch auf Shiva, welcher auf dem heiligen Berg Kailash wohnt und nach Süden blickt.

Shivas äußere Erscheinung

Shiva wird traditionell als Yogi mit verfilztem Haar, einem dritten Auge, Tigerfell, Kobras um den Hals sowie Trommel und Dreizack haltend dargestellt. All diese Attribute haben eine tiefere, symbolische Bedeutung. So kann das dritte Auge Shivas für die spirituelle, non-duale Sichtweise stehen, welche jenseits der Gegensätze von Gut und Böse, Subjekt und Objekt sieht. Das dritte Auge ist weder ganz geöffnet noch ganz geschlossen und symbolisiert damit einen Bewusstseinszustand jenseits von Schlafen und Wachen, welcher mit Turiya oder Sahaja Samadhi bezeichnet wird. Der Dreizack symbolisiert Shivas Herrschaft über alle drei Aspekte der Zeit: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die Schlangen stehen für die niederen, gefährlichen Tendenzen des Gemüts wie Hass, Gier und Neid, welche vom höchsten aller Yogis gebändigt wurden und sich nun sanft und unterwürfig verhalten.

Glückverheißender Shiva

Im Übrigen ist Shiva der einzige Gott im riesigen Götterpantheon Indiens, der ohne edlen Schmuck auskommt. Obwohl Shiva selbst keinerlei Schmuck und Edelsteine trägt, ist er selbst die Quelle allen Reichtums. Der Ausdruck Shiva bedeutet wörtlich übersetzt „der Glückverheißende“ und laut indischer Mythologie verdankt der Gott des Reichtums, Kubera, seine Position keinem anderen als Shiva. Der tiefere Sinn dieser mythologischen Geschichte ist, dass spirituelle Weisheit wahren Wohlstand bedeutet und dass das die spirituelle Wirklichkeit die Grundlage und Quelle der materiellen Welt ist.

Mantras, heilige Stätten und Feste

Die wichtigsten Shiva Mantras sind das Shiva Panchakshara Mantra (Om Namah Shivaya) und the Maha Mrityunjaya Mantra (Om Tryambakam). Shiva wird in Indien oft in Form des Shiva-Lingams verehrt. Wichtige heilige Stätten in Verbindung mit Shiva sind der Berg Kailash im Himalaya, die Stadt Varanasi und der Berg Arunachala im südindischen Tiruvannamalai. Das wichtigste Fest zu Ehren Shivas ist das Shivaratri-Fest, welches nach dem hinduistischen Mondkalender gefeiert wird und in der Regel Ende Februar oder Anfang März liegt.

Martin Bohn, Martin Bohn

Martin Bohn - Als ausgebildeter Yogalehrer schreibe ich nebenher Artikel für verschiedene Yogazeitschriften in Deutsch und Englisch. Hauptberuflich ...

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