Shivaratri – die glückverheißende Nacht Shivas

Shiva mit Trommel (Damaru) und Dreizack (Trishula) - K Rayker on Stock.xchng
Shiva mit Trommel (Damaru) und Dreizack (Trishula) - K Rayker on Stock.xchng
Shivaratri ist eines der größten religiösen Feste des Hinduismus und wird zu Ehren des Gottes Shiva gefeiert.

Shivaratri („die Nacht Shivas” oder „glückverheißende Nacht”) ist ein Hindu-Fest zur Anbetung Shivas. Es wird in ganz Indien gefeiert und liegt in der Regel Ende Februar oder Anfang März.

Shiva – Gott der Yogis

Shiva ist ein Aspekt des Einen Göttlichen, der in bildlichen Darstellungen meist als Asche beschmierter Yogi mit verfilzten Haaren, Tigerfell und dem dritten Auge der Weisheit abgebildet wird. Dazu hält er oft eine Trommel und einen Dreizack, während sich um seinen Hals Kobras schlängeln. Die wortwörtliche Übersetzung des Ausdruck Shivas mag dagegen schlicht erscheinen, kommt dem Wesen Shivas aber vielleicht näher: Shiva heißt nämlich einfach „Glückverheißender” oder „Gütiger“.

Das dritte Auge des Kosmischen Bewusstseins

In seiner tiefsten Bedeutung ist der Ausdruck Shiva nichts anderes als ein Ausdruck für die reine, unendliche Güte der absoluten Wirklichkeit, welche bei vielen Namen genannt wird. In diesem Kontext steht Shiva für den zerstörenden und transformierenden Aspekt des Göttlichen. Sein drittes Auge symbolisiert die non-duale Natur des absoluten Bewusstseins jenseits von Zeit und Raum.

Wann ist Shivaratri?

Grundsätzlich ist Shivaratri definiert als der 14. Tag der dunklen Monatshälfte. Es gibt im hinduistischen Lunar-Kalender also jeden Monat ein Shivaratri, welches auch Masa Shivaratri heißt. Im Hinduismus gilt der Mond als die Gottheit, die über den Geist (englisch.: mind) herrscht, wobei die 16 Mondphasen den 16 Aspekten des Geistes zugeordnet warden. Shivaratri ist der Tag vor dem Neumond, wodurch man annimmt, dass der Einfluss des zu Zerstreuung und Getrennheit neigenden Geistes am geringsten ist. Daher gilt diese Zeit als besonders erfolgversprechend für spirituelle Übungen.

Maha Shivaratri

Während das monatliche Masa Shivaratri nur von einer kleinen Anzahl Shiva-Verehrer regelmäßig begangen wird, ist das Maha Shivaratri („die große Nacht Shivas”) eines der größten Hindu-Feste überhaupt. Maha Shivaratri ist das Shivaratri im hinduistischen Lunar-Monat Phalguna und liegt nach unserem Kalender in der Regel Ende Februar oder Anfang März. Es wird in ganz Indien mit die ganze Nacht andauernden Gesängen und Liedern (Bhajans) zu Ehren Shivas begangen.

Wie wird Shivaratri gefeiert?

An Shivaratri werden vielerorts in Indien die ganze Nacht hindurch von Trommelklang begleitete heilige Lieder (Bhajans und Kirtans) zu Ehren Shivas gesungen und Gebete gechantet. Während einige Menschen in dieser Zeit fasten, ist das Wesentliche aber, die ganze Nacht hindurch wach zu bleiben, um die Trägheit und Unwissenheit (Tamas) des Geistes zu überwinden und der Shiva-Natur in sich ein Stück näher zu kommen oder vielleicht sogar Atman, das innewohnende Selbst, zu verwirklichen.

Viele Shiva-Anhänger bringen ihrem auserwählten Gott (Ishta Devata) Früchte, Blumen und Bael-Blätter dar. Der formlose Aspekt (Nirguna Brahman) Shivas wird dabei in Form eines Shiva Lingam verehrt. Eine Besonderheit gibt es diesbezüglich im südindischen Ashram Prashanti Nilayam in Puttaparthi, wo der Guru Sathya Sai Baba an vielen Shivaratri-Feiern ein Ei-großes Shiva-Lingam aus seinem Mund hervor gebracht haben soll, welcher sich in seinem Körper gebildet hatte. Diese Zeremonie ist als Lingodbhavam bekannt.

Die Feuer-Säule

Die Götter Brahma und Vishnu, so heißt es in der hinduistischen Mythologie, stritten einst darüber, wer der Größere sei. Da erschien vor ihnen eine scheinbar endlose Feuer-Säule, deren Anfang und Ende sie nicht finden konnten – und hinter der niemand anderes als Shiva selbst steckte. Erst als sie demütig zu Shiva beteten, erschien er ihnen in seiner wahren Gestalt und segnete sie – alles am heiligen Shivaratri.

Mehr Geschichten über Shiva

Shivaratri gilt auch als der Hochzeitstag von Shiva und Parvati, welche als weibliches Pendant Shivas und seine Shakti (Energie) gilt und eine Form der Göttin Durga ist. Diese Hochzeit symbolisiert die Einheit von Shiva und Shakti, von Bewusstsein und Materie, von Gott und Schöpfung. Shiva soll außerdem am Shivaratri-Tag die Welt gerettet haben, indem er eine riesige Menge tödlichen Gifts schluckte, worauf sich sein Hals blau färbte. Seither trägt Shiva den Beinamen „Neelakantham“ (blauer Hals) und Shivaratri ist auch ein Fest des Dankes für die Selbstlosigkeit des Göttlichen, welches die Menschheit wieder und wieder vor dem eigenen Gift in Form von Wut, Hass, Neid, Gier und Gewalt bewahrt und die Erde vor der Zerstörung rettet.

Verwandte Artikel und Links über das Hindu-Fest und Shiva

In zwei verwandten Artikeln können Sie etwas über das Hindu-Fest Navaratri – das Fest der Göttlichen Mutter sowie über das Shiva Mantra Maha Mrityunjaya Mantra erfahren. Auf der Website der Sathya Sai Baba Organisation Indien finden sich mehr Informationen zum Thema Shivaratri und an anderer Stelle können Sie das genaue Datum des diesjährigen Maha Shivaratri erfahren.

Martin Bohn, Martin Bohn

Martin Bohn - Als ausgebildeter Yogalehrer schreibe ich nebenher Artikel für verschiedene Yogazeitschriften in Deutsch und Englisch. Hauptberuflich ...

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