
- Schreiber-Icon - Illustration: Friederike Rave
Wissen Sie, was ein Showrunner ist? Dieser Begriff wird immer wieder genannt, wenn von Fernsehserien und deren Machern die Rede ist. Einige ihre bekanntesten Vertreter sind J.J.Abrams, David E. Kelley und Jos Whedon. Und eben diese Herren sind Erfinder solch innovativer Serienproduktionen wie" Lost", "Ally McBeal" und "Buffy".
Die Aufgaben der Autoren-Produzenten ("Showrunner")
Im Englischen werden die Showrunner auch Bindestrichler (=hyphenates) genannt, da sie zwei große Aufgabenbereiche zugleich schultern: den des Autoren und den des Produzenten einer Serie. Als Autoren entwickeln sie das Grundkonzept einer Serie und konzipieren die Drehbücher zu einzelnen Folgen. Showrunner schreiben nicht selten die Drehbücher für herausragende Episoden wie Pilotfolgen, Staffelauftakte oder Staffel-Finale. Bei solchen Episoden übernehmen sie auch gelegentlich die Regie wie Alan Ball bei der Pilot-und Abschlussfolge seiner Serie "Six Feet Under" .
Als Produzenten der Serie stellen sie weitere Co-Autoren ein, arbeiten eng mit ihnen zusammen und sorgen so dafür, dass so der für die Serie charakteristische Stil und Inhalt erhalten bleibt. Weitere Produzententätigkeiten sind das Engagieren von Regisseuren und Schauspielern oder etwa die Koordination zwischen dem Produktionsstudio und jeweiligem Sender. Auch obliegt dem Autoren-Produzenten das Recht auf den endgültigen Schnitt seiner Programme.
Der Showrunner Steven Boccho und seine Bedeutung für die Serien-Branche
Steven Boccho hat zum Anfang der 1980er Jahre mit der Polizeiserie "Hill Street Blues" die Serienlandschaft in Amerika entscheidend verändert. Serien mit episodenübergreifenden Handlungsachsen waren bis dato auf das Genre der Seifenoper begrenzt. Sein Verdienst bestand darin, diese offene Erzählweise für das Genre der Dramaserien zu nutzen. So war es ihm jetzt möglich geworden, vielschichtige, auch unbequeme Charaktere zu entwickeln und keine bloßen Stereotypen. Manche von ihnen bildeten die Prototypen für die Antihelden anspruchsvoller Serien unserer Zeit wie "Dexter" oder "The Shield".
Boccho produzierte im Laufe seiner Karriere noch mehrere Serien, die gleichzeitig das Publikum und die Kritik begeistern wie "L.A. Law" und "NYPD Blue". Aber auch einige Flops gingen auf sein Konto wie die Serie "Cop Rock", in der erfolglos versucht wurde eine Polizeiserie in Form eines Musicals zu produzieren. Seiner Zeit voraus war die Krimiserie "Murder one" ("Der Fall Jessica"), in dessen 1. Staffel genau ein Mordfall im Mittelpunkt steht. Da das Internet und die DVD damals noch nicht so populär wie heute waren, fiel die Serie beim Publikum durch. Die Kritik zeigte sich jedoch begeistert und zeichnete die Serie u.a. mit dem Emmy und BAFTA-Award aus. Trotz allem gilt Steven Boccho als einer der mächtigsten und bekanntesten Autoren-Produzenten aus Hollywood. Allein für "Hill Street Blues" gab es 98 Nominierungen bei den Emmies.
Die (Anwalt-)Serien des David E. Kelley
David E. Kelley begann seine Karriere als Showrunner für die Serie "LA Law", bei der er zunächst als Autor arbeitete und später zum Co-Produzenten aufstieg. Der gelernte Jurist blieb dem Anwalt-Milieu auch in seinen eigenen Serien wie "The Practice", "Ally McBeal" und "Boston Legal" treu. Kelleys Markenzeichen sind das Aufgreifen kontroverser Themen und die Verwendung eines überwiegend verschrobenen Figurenpersonals. Dieses zeigen auch die Serien, welche außerhalb des Anwaltmilieus angesiedelt sind, wie beispielsweise "Picket Fences" oder die Krankenhaus-Serie "Chicago Hope".
Die Bedeutung des Showrunners für die Qualität einer Serie
Wie sehr die Qualität einer Serie von ihrem Showrunner abhängt, lässt sich gut am Beispiel von Kelley zeigen. Während er bei "LA Law" zwei Jahre als deren Autoren-Produzent arbeitete, gewann sie zweimal nacheinander einen Emmy in den Kategorien beste Dramaserie und bestes Drehbuch. Als David E.Kelley die Serie nach der 5. Staffel verließ, begann nicht nur die Zuschauerbeteiligung zu fallen. Ein Fernsehkritiker von Newsday schrieb damals, dass der Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten "LA Law"- Staffel David E. Kelley sei.
Dass dieses kein Einzelbeispiel war, zeigt auch der Blick auf Kelleys erstes eigenes Serienprojekt "Picket Fences". In ihren ersten drei Staffeln mit Showrunner Kelley am Ruder erhielt die Serie 14 Emmies, u.a. wieder für bestes Drama. Für die 4. Staffel der Serie schrieb Kelley lediglich für zwei Folgen das Drehbuch. Insgesamt 10 Autoren versuchten ihn zu ersetzen. Aber wie die Schauspielerin Holly Marie Combs, die in der Serie eine Hauptrolle spielte, der Presse verriet, war die Qualität nicht annähernd mehr die gleiche. Die 4. Staffel wurde dann auch zur letzten.
Serien mit wechselnden Showrunnern
Ein Wechsel in der Position des Showrunner ist bei Serien, die über mehrere Jahre laufen, keine Seltenheit. Bei der Krankenhausserie "E.R"., die es insgesamt auf 15 Staffeln brachte, bekleidete John Wells bis zum Ende der 5.Staffel dieses Amt. Abgelöst wurde er von Lydia Woodward, die für die 6. Staffel als deren Showrunner tätig war. Von Staffel 7-9 übernahm dann Jack Orman diese Funktion. Weitere Beispiele für Serien mit mehreren Showrunnern sind "Star Trek: Deep Space Nine", "NYPD Blue" und die Präsidenten-Serie "The West Wing".
