Shutter Island – Lost World für DiCaprio

Verstörender, stargespickter Psychoschocker von Martin Scorsese

Leonardo DiCaprio ermittelt als US-Marshal auf der Insel des Grauens. Dabei entführt er den Zuschauer in eine längt vergessene Welt - und lässt ihn allein...

1954, irgendwo kurz vor der US-Küste in der Nähe von Boston: Schon die Überfahrt mit der Fähre nach Shutter Island bekommt dem engagierten US-Marshal Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio) nicht sonderlich gut. Kreidebleich und mit einem üblen Rumoren in der Magengegend gelangt er mit seinem wortkargen Kollegen Chuck Aule (Mark Ruffalo) ins streng bewachte Ashecliffe Hospital – allerdings nicht als Patient, sondern als Ermittler. Trotzdem hat Dr. Cawley ein ebenso hilf- wie folgenreiches Pülverchen gegen Daniels Wehwehchen parat. Wenig auskunftsfreudig ist Cawley jedoch, was den Fall von Daniels betrifft. Er und sein Kollege sollen auf der Gefängnisinsel für gefährliche Psychostraftäter das mysteriöse Verschwinden von Rachel Solandi aufklären. Dr. Cawley zufolge hat die geistesgestörte Patientin ihre drei kleinen Kinder ertränkt, diese Tatsache allerdings komplett verdrängt.

"Shutter Island": Ein dubioser Fall, Alpträume und ein Hurrikan

Doch nicht nur der scheinbar unlösbare Fall macht Daniels zu schaffen: Ein ohrenbetäubender Hurrikan bricht aus, alle Leitungen zum Festland reißen ab und der Ermittler selbst wird von schlimmen Alpträumen geplagt, in denen ständig seine verstorbene Frau (Michelle Williams) auftaucht – blutüberströmt. Immer neue Rätsel, flackernde Lichter, widrige Wetterbedingungen und schließlich die Spur vom mysteriösen "Patient 67" begegnen dem engagierten US-Marshal…

Knastinsel als Mischung aus "Lost World" und Alcatraz

Ein bisschen erinnert die düstere Kulisse von Shutter Island an Steven Spielbergs längst vergessene „Lost World“, die einst Bestsellerautor Michael Crichton erfand. Ein bisschen fühlt man sich auch auf die in den 60-er Jahren für Straftäter ausrangierte und nun nur noch für Touristen zugängliche US-Gefängnisinsel Alcatraz vor der Küste San Franciscos versetzt. Hollywoodstar DiCaprio schlägt sich als Cop Daniels wacker durchs Dickicht, droht hin und wieder über die Klippen zu stürzen und findet sich letztlich in seinem ganz persönlichen Alptraum wieder. Die Sorgenfalte gräbt sich dabei immer tiefer zwischen die Augen des Hollywoodstars und bettelt dabei förmlich von Szene zu Szene mehr um eine Botox-Spritze – mitten in die sonst so babyglatte Stirn.

DiCaprio als sichere Bank für Scorsese?

Wieder einmal setzt Meisterregisseur Martin Scorsese in "Shutter Island" auf seinen derzeitigen Lieblingsdarsteller Leonardo DiCaprio – eine sichere Bank – auch diesmal. Beinahe scheint es, als säße man selbst im Gehirn des Marshals, seinen wirren Gedanken folgend. Scorsese bürgt für intensive Bilder, sorgsam gezeichnete Charaktere und für eine ebenso düstere und beklemmende wie verunsichernde Spannung im besten Stil seines Kinohits von 1991 "Kap der Angst" oder seines ultimativen Gewaltschockers "Taxi Driver" (1976).

"Shutter Island": Nicht oscar-nominiert, aber trotzdem sehenswert

In diesen beiden spielte übrigens noch Scorseses langjähriger Ex-Best-Buddie Robert De Niro die Hauptrolle. Für den Oscar ist Regisseur Scorsese übrigens diesmal nicht nominiert – aber den gewann er ja schließlich auch schon 2007 – endlich nach sechs Nominierungen mit "The Departed". Damals, vor drei Jahren spielte übrigens auch DiCaprio die Hauptrolle…

"Shutter Island" (2010)

Originaltitel: "Shutter Island"

Regie: Martin Scorsese

Kinostart in Deutschland: 25. Februar

Verleih: Paramount Pictures

Laufzeit: 138 Minuten

Journalistin Iris Janke, Fotografin Brigitte Dorrinck

Iris Janke - Iris Janke (* 1969) ist seit rund fünfzehn Jahren als Journalistin tätig. Während des Publizistik-Studiums in Bochum ...

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