Sich eine eigene kleine Kulturwelt schaffen

P. Gonschior u. Julius v.d.Driesch - Gabriele Hefele
P. Gonschior u. Julius v.d.Driesch - Gabriele Hefele
Julius von den Driesch und Peter Gonschior pflegen nach der Pensionierung ihre Hobbys in Kunst und Kultur. Sie pendeln zwischen Aachen und Costa del Sol.

Stundenlang könnte man den beiden zuhören: Julius von den Driesch und Dr. Peter Gonschior, die seit vier Jahren zwischen Aachen und der Costa del Sol hin und her pendeln, seit sie nicht mehr berufstätig sind. Beide können so anschaulich Anekdoten ihrer Treffen mit Künstlern und über ihre Kunst-Hobbys erzählen, dass man die Zeit vergisst. Ihrer beider ursprünglicher Beruf ist Banker und Finanz- und Unternehmensberater, beide in leitenden Stellungen. Julius von den Driesch war über 30 Jahre lang bei einer internationalen Großbank beschäftigt, Peter Gonschior unter anderem im Vorstand der Kaufhauskette Horten und für das Bundeswirtschaftsministerium tätig. „Ich wollte Sänger werden“, verrät Peter, „und habe bei einem Professor der Musikhochschule Köln Unterricht genommen. 1968 habe ich bei so einer Art Casting, damals nannte man das noch Talentsuche, für Schlagersänger mitgemacht. Ich stellte mich mit meiner Gitarre auf die Bühne und kam zunächst unter die ersten 20, wurde dann im vom Fernsehen übertragenen Finale Vierter! Aber dann starb mein Lehrer und ich studierte Volkswirtschaft".

Amateure in der Kunst im Goetheschen Sinne

Doch die Gitarre und das Singen gehören zu ihm und seinem Leben. Unvergessen ist an der Costa del Sol sein umjubelter Auftritt im letzten Jahr in einem deutschen Residentenclub in Marbella mit Liedern der 20er Jahre, auch noch im passenden Outfit mit Hosenträgern und Zylinder. Bei Julius´ Vortrag über Maria Callas vor ähnlichem Publikum sprengte der Besucherandrang fast den Rahmen des Vereinslokals. Der erste Vortrag, der übrigens von Peter Gonschior gehalten wurde, hatte den Titel: “Kokoschka: Die Schule des Sehens“.

Im Gespräch mit ihnen fliegen die Bälle und Anspielungen hin und her, da unterhält man sich im wahrsten und guten Sinne des Wortes. Dabei bezeichnen sich beide nach Julius „ als Dilettanten, was die Kunst angeht, im Goetheschen Sinne“. Während man heute den Begriff des Dilettanten negativ verwendet im Sinne von unfachmännisch, fehlerhaft, meint Julius, dass sie nach der Definition im 18. Jahrhundert beide gute Kenntnisse vor allem auf dem Gebiet der Musik und Literatur hätten, aber eben nur als Amateure, die dies aus privatem Interesse und zu ihrem Vergnügen und nicht als Beruf, zum Lebensunterhalt ausüben.

Bekannt für ihre Kulturprogramme an der Costa del Sol

Als Nächstes möchten sie den kulturinteressierten Auswanderern die jungen spanischen Autoren näher bringen. „Es gibt so gute Übersetzungen ins Deutsche, “ so Julius. Und Peter überlegt, Anfang des kommenden Jahres Couplets im Stil der 20er und 30er Jahre unter dem Motto „Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines bisschen Glück“ einzustudieren. Die Beiden halten nicht viel von dem Vorurteil über die angebliche Kulturwüste an der Küste rund um Marbella. „In Marbella und Málaga kann man so gute Symphoniekonzerte hören, wir sind da immer dabei. In Málaga hat sich in der bildenden Kunst so viel getan“, meint Julius. „Übrigens kann ein gutes Buch jeder Mensch ohne großen Aufwand immer lesen“.

Quellen:

  • Interview mit den beiden am 16. September 2011 in Benahavis
  • Teilnahme an ihrem jährlichen Adventskulturnachmittag in der Villa Padierna, Estepona
  • Gast des Auftritts von Peter Gonschior in Club 200 Marbella am 10. März 2010
Dr. Gabriele Hefele, Reinhard Hefele

Dr. Gabriele Hefele - Dr. phil. Gabriele Hefele gewann bereits mit 13 Jahren einen Preis für eine lustige Olympiareportage. Sie schrieb mit 17 ein ...

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