Regisseurin Hermine Huntgeburth im Porträt

Vom Debütfilm "Im Kreise der Lieben" bis zu "Effi Briest" (2009)

Plakat zu effi briest - Blueplanet
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Huntgeburth hat Anfang 2009 mit der Neuverfilmung von "Effi Briest" von sich reden gemacht, dabei ist erster Film "Im Kreise der Lieben" (1991) viel besser. Ein Porträt.

liebesfilme.suite101.de/article.cfm/ab_12_februar_im_kino_effi_briest"Sie redet noch schneller als ich", wunderte sich der Filmkritiker Knut Elstermann bei einem Gespräch mit der Filmregisseurin Hermine Huntgeburth.

Schnellsprecherin: Die Regisseurin Huntgeburth

In der Tat ist die 1957 in Paderborn geborene Regisseurin ein Phänomen, ihre Sätze schneidet sie oft in der Mitte ab und lässt sie in der Luft hängen, weil sich da der Gedanke an den nächsten Satz vordrängelt. Manchmal reißt ihr der Sprachfaden sogar in einem einzigen Wort. So, wenn sie über ihren ersten Spielfilm "Im Kreise der Lieben" aus dem Jahr 1991 spricht. Drei Frauen aus drei Generationen leben in einer großen Wohnung, die Großmutter (Ruth Hellberg) ist bigott katholisch, geht beichten, schickt aber gleichzeitig ihre Tochter auf die Straße, damit sie "das Geld ver ..." und pardauz, der Satz purzelt mitten im Wort in sich zusammen.

Woher kommt die Energie der Filmemacherin?

Knut Elstermann fragt nach dem Ursprung dieser "ungeheuren Energie" und erhält einen Schwall Antworten. "Ich bin halt so" ist sehr verständlich, "man ist ja nicht nur ..." wiederum rätselhaft. Dass sie in ihrem Beruf eben ungeheuer viel gleichzeitig entscheiden und "schnell springen" müsse, verstehen die Zuhörer mühelos, denn nichts veranschaulicht Huntgeburth besser als das. Aber sie ist ja auch keine Rednerin, sondern eine erfolgreiche Regisseurin, die schon sämtliche deutsche Filmpreise erhalten hat und mit "Effi Briest" Anfang 2009 eine umstrittene Literaturverfilmung präsentierte. Darin lässt sie Effi als Single weiterleben, sie raucht und jobbt und lebt allein in der Großstadt – ganz anders natürlich das Fontanesche Vorbild, das mit dem Tod der jungen Frau endet.

Die Entwicklung einer Filmemacherin – mehr Erfolg, weniger Kunst

Die Reihe des Filmmuseums Potsdam "Mein erster und mein jüngster Film" stellt in unregelmäßigen Abständen Regisseure mit ihrem Anfangs- und bisher letzten Film vor. Daran könne man, so die These, Entwicklungen ablesen. Diese Rechnung ist zumindest bei Hermine Huntgeburth aufgegangen: Während ihr erster Spielfilm "Im Kreise der Lieben" (1991) mit großartiger Schauspielerinnenführung dreier Grandes Dames des deutschen Films (Ruth Hellberg, Karin Baal, Barbara Auer) in einer wunderbar schwarzhumorigen Tragikomödie vereint, ist die Neuinterpretation von "Effi Briest" mit einer am Ende emanzipiert rauchenden und jobbenden Effi (Julia Jentsch) kostümschwer und frei von der Kunst der Andeutung, die zumindest Theodor Fontane in sein Werk legte.

"Die weiße Massai" und zehn Fernsehfilme

Hermine Huntgeburth hat neben vier Kinofilmen (unter anderem "Die weiße Massai") zehn Fernsehfilme gemacht, und vielleicht liegt in der starken Ausrichtung auf das Fernsehen ein Grund für diese Veränderung. Allerdings begegnet die Regisseurin der Kritik an ihrem Film gelassen, das Theater verändere schließlich alle naselang seine Klassiker, nur wenn der Film das mache, bestrafe einen die Kritik.

"Effi Briest" (2009) in der Kritik

Vielleicht war aber das Feuilleton nicht ganz zu unrecht über die Deutlichkeit von "Effi Briest" – beispielsweise bei deren erstem Orgasmus, der sie ebenso zum Schreien bringt wie die Vergewaltigung durch ihren Mann (Sebastian Koch) bei der Hochzeitsnacht – empört, die taz sprach von "Effi Briest als Seifenoper". Familienthemen interessieren Huntgeburth immer, der katholische Glaube ebenfalls. Das ist auf eine ganz besondere Weise in "Im Kreise der Lieben", wofür sie auch das Buch geschrieben hat, umgesetzt.

"Im Kreise der Lieben" (1991) ein hintergründig sarkastischer Film

Da bringen die drei Frauen nach und nach die Liebhaber um, die sich in ihrer Enklave einnisten wollen und mumifizieren sie im Keller. Die Oma geht in die Kirche und sagt, sie habe ihre Tochter schlecht behandelt, aber ihre Verbrechen beichtet sie natürlich nicht. Das war schön dramatisierte Bigotterie, allerhand zu lachen gab es in dieser ideenreichen Version des ewigen Themas. Sie küssten und sie schlugen sich bei Huntgeburth im Jahre 1991 auf originelle Weise, während das aktuelle Drama um die aufbegehrende Effi Briest als schlappe, aber üppig kostümierte Fernsehmodernisierung eines konfliktreichen Stoffes daherkommt, obwohl es ein Kinofilm ist.

Hanne Landbeck, Hanne Landbeck

Hanne Landbeck - seit 1998 schreibe ich als freie Journalistin hauptsächlich für den Bereich Feuilleton. Mich interessieren kulturelle ...

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