Siebenbürgens Kirchenburgen

Wehrkirchen Transsylvaniens sind UNESCO-Welterbe

Siebenbürgens Wehrkirchen waren Bollwerke des Glaubens an den Grenzen christlicher Zivilisation und stehen heute auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes

Siebenbürgens sehenswerte Wehrkirchen sind in ihrer Vielfalt Zeugnisse einer hoch entwickelten, wehrhaften Kultur. Ihre kulturhistorische Bedeutung unterstrich die UNESCO, als sie die beeindruckenden Kirchenburgen der Siebenbürger Sachsen auf die Liste des Weltkulturerbes setzte.

Kirchenfestungen als Fluchtburgen

Kirchtürme, die nicht als Glockentürme dienten, sondern zum Ausschauhalten, und Wehrmauern, die mit Schießscharten versehen sind, umgeben massige Kirchen. Dickwandiges Mauerwerk, das auch schwerem Beschuss und Belagerung standhielt, Maueröffnungen, um siedendes Öl auf anstürmende Heere zu gießen und andere Finessen mittelalterlicher Kriegsführung – Siebenbürgens Wehrkirchen hatten alles um als militärische Bollwerke die Grenzen der christlichen Herrschaft gegen die anstürmenden Türken zu sichern.

Anders als in westlicheren Teilen des mittelalterlichen Europas wie in Deutschland oder Südfrankreich waren die Siebenbürger Wehrkirchen nicht dauerhaft bewohnt, sondern dienten im Angriffsfall der Verteidigung und der Bevölkerung dann als Zufluchtsstätte.

Siebenbürgens Wehrkirchen

Von den ursprünglich über 300 Kirchenburgen im Raum Hermannstadt existieren heute noch etwa 150. Das ist eine europaweit einmalige Anhäufung von in solch hervorragendem Zustand befindlichen Wehrkirchen. Dabei gibt es eigentlich keinen einheitlichen Typ von Wehrkirchen, sondern eine große Vielfalt. Für Touristen macht gerade das den ganz besonderen Reiz aus.

Erbaut wurden die Wehrkirchen und Kirchenburgen von deutschen Siedlern zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert. Diese später so genannten „Siebenbürger Sachsen“ waren vom ungarischen König ins Land gerufen worden, um die Grenze gegen die Türken abzusichern. Und genau das taten die „Sachsen“, indem sie die von ihnen errichteten Marktflecken und Städte durch Wehrkirchen sicherten.

Manche dieser Wehrkirchen waren nur zur Verteidigung vorbereitete massive Gotteshäuser, manche waren regelrechte Kirchenfestungen, andere wiederum waren ursprünglich unbefestigte Kirchen, die dann später durch Türme und umlaufende Verteidigungsmauern gesichert wurden. Dazu kamen oft noch Basteien, Rondelle und Wallanlagen. Zu einigen Kirchenfestungen gehörten am Ende sogar Rathäuser, Pfarrhäuser und Schulen. Fast alle Wehrkirchen besaßen zumindest eigene Brunnen und Lagerräume in Kellern und Mauerwölbungen, um Belagerungen standhalten zu können.

Im Stilwandel der Epochen

Auch die Wehrkirchen Siebenbürgens unterlagen dem Stilwandel der Epochen. Lagen die Anfänge meist im romanischen Stil des 13. Jahrhunderts, wurden im 14. und 15. Jahrhundert gotische Kirchen gebaut.

Doch nicht nur der Baustil änderte sich. Zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert hatte sich die Kriegstechnik weiterentwickelt und man hatte aus den Türkeneinfällen gelernt. Dem wurde durch konstruktive Veränderungen an den Kirchenburgen Rechnung getragen. Nun wurden nicht nur romanische Bauelemente durch spätgotische ersetzt, sonder die wesentlichen Neuerungen betrafen die Außensicherungen.

Die Kirchen wurden von Wehrmauern umgeben, die dem jeweiligen Gelände perfekt angepasst waren. Türme sowie Basteien gehörten nun auch zu den Befestigungen. Über die Jahrhunderte haben sich so sehr komplexe Verteidigungsanlagen entwickelt.

Die bedeutendsten der heute noch erhaltenen 150 Siebenbürger Kirchenburgen finden sich um Hermannstadt/Sibiu herum und stehen heute auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes, ea sind Biertan/Birthälm, Calnic/Kelling, Darju/Dersch, Prejmer/Tartlau, Saschiz/Keisd, Valea Viilor/Wurmloch und Viscri/Deutschweißkirch.

Weitere attraktive Ziele in Siebenbürgen, dem Land der wehrhaften Kirchenburgen sind Sibiu, Sighisoara und Brasov.

Brigitte Jäger-Dabek, Brigitte Jäger-Dabek

Brigitte Jaeger-Dabek - Als ich vier Jahr alt war, kam die große weite Welt zu mir nach Hause. Sie tat das in Form einer Bananenstaude, die meine Eltern von ...

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