
- Aussichtsturm in Wanninchen - Harald Rossa
Auf schmalen, aber perfekt asphaltierten Straßen geht es am Schlabendorfer See entlang nach Wanninchen. Das war einmal ein Dorf, das auf Braunkohle stand. Ein Haus hat überlebt und bietet nun dem Informationszentrum der Sielmann Naturlandschaft Wanninchen ein Dach über dem Kopf.
Über drei Jahrzehnte gaben hier die Bagger und Absetzer den Ton an und vernichteten in wenigen Jahren, was Natur und Mensch hier geschaffen hatten. Derzeit laufen in weiten Teilen des Gebietes noch Sicherungsmaßnahmen. Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwertungsgesellschaft (LMBV) muss dafür sorgen, dass die Flächen der ehemaligen Braunkohlengruben bei der Übergabe an den neuen Eigentümer auch sicher sind. So sind auf dem anderen Ufer viele Rüttellanzen zu erkennen, die den Boden der Abraumschüttungen verdichten. In enger Zusammenarbeit mit der Sielmann Stiftung erfolgt die Gestaltung des Landes und der Seeufer.
Ganz sicher können solche Untergründe nie sein. Die Rutschung bei Nachterstedt im Juli 2009 machte dieses Problem deutlich. So ist man bei der Sielmann Stiftung der Meinung, dass ja nicht jeder Quadratmeter wieder durch den Menschen genutzt werden muss. Und so wird dafür gesorgt, dass der Prozess der Setzungen und Rutschungen ohne Gefährdung von Menschen ablaufen kann.
Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen
Der Tierfilmer Heinz Sielmann kam 1996 erstmals in das Gebiet der Tagebaue südlich des Spreewaldes. Und er erkannte ein großes ökologisches Entwicklungspotenzial in der durch den Braunkohleabbau geschundenen Landschaft in der Niederlausitz.
Im Jahr 2000 erwarb die Heinz Sielmann Stiftung das erste Areal von rund 770 Hektar der Schlabendorfer Felder. Inzwischen wurden weitere Flächen durch die Sielmann Stiftung erworben. Dazu gehören die Tornower Niederung, der Lichtenauer See und der Stiebsdorfer See. Ein Korridor schlägt die Brücke zu den Flächen um den Schlabendorfer See. Die Sielmann Naturlandschaft Wanninchen umfasst derzeit rund 3000 Hektar und soll dauerhaft für den Naturschutz gesichert werden.
Dei Verwandlung vom Braunkohletagebau zum Naturparadies
Auf den Schlabendorfer Feldern erobert sich nun die Natur den ehemaligen Braunkohletagebau zurück: Der Grundwasserspiegel ist um einige Meter gestiegen. Die so genannten Restlöcher, die die Tagebaue zurück ließen, füllen sich mit Wasser. Der Schlabendorfer See ist schon klar erkennbar. Nur noch 3 Meter fehlen bis zur vollständigen Füllung. Allerdings ist und bleibt das Wasser dieser Seen noch lange sehr sauer. Fische können darin nicht überleben. Aber andere Mikroorganismen bilden hier eine erste Lebensgemeinschaft. Und die Wasservögel kommen mit der Wasserqualität gut zurecht und nutzen die neuen Lebensräume in den Flachwasserzonen.
Die Veränderung der Natur läuft mit einer erstaunlichen Dynamik ab. Da entstehen für kurze Zeit kleine Gewässer. Das steigende Grundwasser sorgt für neue Abbruchkanten, die dann der Uferschwalbe als Brutplatz dienen. Die Sandwüsten, die der Tagebau erzeugte, werden zu einem neuen und sehr wertvollen Lebensraum. Denn derartige nährstoffarme Böden sind in der intensiv genutzten Kulturlandschaft Deutschlands rar. So bietet dieses Gebiet vielen Arten neuen Lebensraum. Der seltene Wiedehopf bezeugt die Rückkehr der Natur. Er ist auf den Trockenrasenflächen bei der Suche nach Großinsekten anzutreffen.
Die Entwicklung zum Naturschutzgebiet
Es wurden bereits eine Reihe von Artenschutzprojekten gestartet. So entstand eine Nistwand für die selten gewordenen Uferschwalben, die gleichzeitig ein Überwinterungsquartier für Fledermäuse bieten. Die reichlich vorhandenen Findlinge wurden zu Errichtung von Lesesteinhaufen genutzt. Die bieten der Zauneidechse und dem Mauswiesel Unterschlupf. Auch der Steinschmätzer findet hier einen Brutplatz.
An anderen Orten wurden Fledermauskästen aufgehängt, Sitzkrücken für Greifvögel aufgestellt, Nistwände für Insekten errichtet und Nistgelegenheiten für Wiedehopf, Schellente und andere Arten geschaffen. Hecken und Waldränder sind für viele Arten ein wichtiger Teil ihres Lebensraums, so etwa für Neuntöter, Rebhuhn und Igel. Die Randbepflanzung der Wirtschaftswege und die Schaffung stufiger und artenreichen Waldränder wird von der Stiftung gefördert. Schlehe, Weißdorn, Hundsrose, Feldahorn und andere standortgerechte Arten werden gepflanzt und dienen nicht nur dem Artenschutz, sondern bieten dazu noch wunderschöne Anblicke.
Das Angebot für Menschen
Noch sind viele Flächen von der LMBV mit Beschlag belegt. Aber den Menschen wird schon einiges geboten. Im Informationszentrum berichtet die Ausstellung über den Braunkohletagebau, die abgebaggerten Dörfer und die Aktivitäten der Heinz Sielmann Stiftung. Das Cafe „Kranichstube“ lädt zur Rast mit Blick auf den Schlabendorfer See. Ein Reptiliengehege und der Findlingsgarten zeigen Aspekte der Landschaft. Für Kinder gibt es einen attraktiven Naturerlebnisspielplatz.
Vor allem Radler kommen auf den teilweise gut asphaltierten Wegen der ehemaligen Tagebaulandschaft hervorragend voran. Der „Wiedehopfweg“ führt 26 Kilometer um den Schlabendorfer See. An der Route bieten mehrere Aussichtspunkte einen imponierenden Einblick in die neu entstehende Natur. Der „Schellentenweg“ führt 23 Kilometer um den Stoßdorfer See mit seinen Vogelparadiesen. Ein Angebot der Region ist die „Kranich-Tour“. Das ist eine 200 Kilometer lange Radtour zu den schönsten Sehenswürdigkeiten der Niederlausitz mit den historischen Stadtkernen in Luckau und Lübbenau, das Wasserschloss Fürstlich Drehna, dem Naturpark Niederlausitzer Landrücken und den Attraktionen des Biosphärenreservats Spreewald.
Lage und Anfahrt nach Wanninchen
Autofahrer verlassen an der Abfahrt Calau die Autobahn A 13 und fahren in Richtung Luckau. Hinter Schlabendorf links nach Görlsdorf abbiegen. Am Ortseingangsschild der links abbiegenden schmalen Straße links vor der Milchviehanlage bis an die Kante der Bergbaufolgelandschaft folgen. Dort geht es rechts ab und am Seeufer über die Asphaltstraße bis zum Parkplatz des Heinz Sielmann Naturparkzentrums Wanninchen.
Radler können mit Regionalzügen die Bahnhöfe Lübbenau oder Luckau-Uckro erreichen und in die Bergbaufolgelandschaft strampeln.
Mehr Information
Die Heinz Sielmann Stiftung bietet viele Informationen über ihre Projekte und Aktivitäten. Das Heinz Sielmann Naturparkzentrum Wanninchen ist für Auskünfte unter der Rufnummer 03544 556327 zu erreichen.
