
- Ruediger Dahlke über den Gesundheitsschlaf - Nymphenburger
Eher auf das Mittagessen verzichten als auf ein Nickerchen zwischendurch. Vor einem erfüllten Feierabend nochmal kurz in Morpheus Arme sinken. Lieber öfter und länger schlafen als wenig und kurz. Drei Erkenntnisse und Überzeugungen des prominenten Esoterik-Arztes Ruediger Dahlke, der in seinem neuen Ratgeber „Von Mittagsschlaf bis Powernapping“ teils heftig gegen die gängigen Meinungen führender deutscher Schlafforscher opponiert.
Espresso vor der Siesta ja oder nein?
Dahlke will mit der Mär, eine Siesta sei nur sinnvoll, wenn sie kürzer als eine halbe Stunde dauert, aufräumen. Als Blödsinn betrachtet er die verbreitete Empfehlung, kurz vor dem Schläfchen einen Espresso zu trinken, um gar nicht erst in Tiefschlaf zu fallen und sicher nach 25 Minuten aufzuwachen. Man habe auch noch nie von einem Burnoutpatienten gehört, der vor seinem Zusammenbruch regelmäßig mittags geschlafen habe.
Länger leben durch Nickerchen nach Feierabend
Wer dreimal die Woche ein Mittagsschläfchen hält, verringert angeblich sein Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, um 37 Prozent. Die tägliche Siesta soll diese Gefahr um 64 Prozent senken. Pikanterweise stammen diese Zahlen aus einer Studie an der Universität Athen. Ruediger Dahlke zitiert sie in seinem Ratgeber. Darin hält er nicht nur ein feuriges Plädoyer für den mittäglichen Gesundheitsschlaf – ja, er regt sogar ein Feierabendnickerchen an, um den Abend erfrischt und beschwingt mit neuer Lebensenergie zu gestalten.
Schlafmangel lässt vorzeitig altern
Dahlkes Fakten: Schon ein kurzer Mittagsschlaf verringert Blutdruck und Puls, erfrischt die Haut, vermindert Augenringe, die Bandscheiben nehmen frisches Gewebewasser auf, Augen und Gefäße erholen sich, und die Stimmung steigt. „Schlafen hält jung und Schlafmangel lässt umgekehrt frühzeitig altern.“ Das 60-Seiten-Büchlein wäre kein Ratgeber, wenn sein Autor nicht konkret erklären würde, wie Powernapping, zu Deutsch „Kraftschlaf“, praktisch gestaltet werden kann. Bürostuhl oder Sofa? Füße, Hände, Kopfhaltung? Mit oder ohne Schlafmaske, Nackenkissen oder Stirnpolster für die meditative Droschkenkutscherhaltung?
Karl Lagerfeld und die Kunst des Mittagsschlafs
Weniger medizinisch-praktisch, dafür heiter-schwärmerisch nähert sich der französische Philosoph und Journalist Thierry Paquot mit seiner „Kunst des Mittagsschlafs“ dem Thema. Das bibliophile Buch aus der neuen Reihe LSD des Modedesigners Karl Lagerfeld im Steidl-Verlag enthält neun Abbildungen von Gemälden berühmter Maler wie Caravaggio, Brueghel, Tizian und eignet sich vorzüglich als Gastgeschenk für Gourmets und Genießer – und als Minutenlektüre vor dem Einschlafen.
Akt des Widerstands: Gegen die Globalisierung anschlafen
Paquot erzählt die Kulturgeschichte des Mittagsschlafs, verfolgt dessen Spuren in der europäischen Malerei, schwelgt von der erotischen Qualität eines Päuschens in der Horizontalen, berichtet von Wirtschaftsunternehmen mit naprooms oder Schlafsalons und bewertet die Siesta als politischen Akt des Widerstands gegen Zeitfresser und Fremdbestimmung. Die in Arbeits- und Privatleben wieder salonfähige, „zurückeroberte“ Siesta bedeutet für Paquot einen Protest gegen „Weltzeit, dieses Resultat der Globalisierung“. Er bewertet den Mittagsschlaf als „unvergleichliches Gefühl vollkommener Freiheit“, sein stilistisch geschliffenes und vergnüglich zu lesendes Plädoyer gipfelt in dem Schrei „Verflucht seien alle Mittagsschlafverderber!“
Ruediger Dahlke: Von Mittagsschlaf bis Powernapping. Verdreifachen Sie Ihre Lebenskraft. Nymphenburger Verlag 2011. Gebunden. 63 Seiten. 9,99 Euro
Thierry Paquot: Die Kunst des Mittagsschlafs. Übersetzt von Sabine Dzuck. Lagerfeld Steidl Druckereiverlag 2011. Gebunden. 92 Seiten. 16 Euro
