
- Sigmaringen,Ortseingang - Monika Hermeling
Dass auch ein geschichtlicher Vortrag packend moderiert werden kann und deswegen gut beim Publikum ankommt, bewies Kreisarchivar Dr. Edwin Weber in seinem Vortrag über die Stadt Sigmaringen. Besucher, die den Bodensee als Naturwunder erleben, ergänzen hier ihre geschichtlichen Kenntnisse.
Von Rittern, Kaufleuten und der Dienerschaft
Wer in Sigmaringen geboren ist, dem fällt sie oft nicht auf, die schöne Architektur der altertümlichen Häuser rund um den Marktplatz und die anderen monumentalen Zeugnisse der Vergangenheit. Waren einstmals nur wenige Kaufleute und Bedienstete in Sigmaringen heimisch, regt ihr Nachlass heutzutage doch das Geschichtsinteresse von Einheimischen, Gästen und Urlaubern an. Edwin Weber sprach zunächst über die Zeit um 1077, in der Sigmaringen zum ersten Mal in den Geschichtsbüchern erwähnt wird und König Rudolf von Schwaben die Sigmaringer Burg ohne Erfolg belagerte. Die offizielle Stadtgründung erfolgte 1250.
Nicht nur von Burgherren der verschiedenen Geschlechter im Landkreis und im Donautal, sondern auch von Rittern, Mord und Todschlag war im Vortrag von Edwin Weber die Rede. 1540 gelangten Sigmaringen und Veringen über den so genannten „Pfullendorfer Vertrag“ endgültig an das Haus Hohenzollern und Graf Karl I. von Hohenzollern bezog das Schloss. 1632 besetzen dann, während des Dreißigjährigen Krieges, die Schweden das Schloss und die Stadt. Ein Jahr später wurde sie unter General Horn aus Feindeshand zurück erobert.
Der Ursprung der Laizer Landknechte
Alle zwei Jahre wird, seit 1968, so Dr. Weber, anlässlich dieses Ereignisses am historischen Ort von den Laizer Landknechten mit passender Kleidung und Gebrauchsgegenständen ein Fest gefeiert. Es soll an die damaligen Nöte der Stadtbewohner und des Söldnerheeres erinnern, das in den „Laizer Weiden“ lagerte. Stadt und Schloss Sigmaringen waren von Gustav Adolf von Schweden und dem Heer des Herzogs Bernhard von Weimar eingenommen worden, die Bedrängnis groß. Die Freude bei der Befreiung durch die kaiserlichen wallenstein´schen Truppen war entsprechend überschwänglich.
Sigmaringen in österreichischer Hand
Weber gab einen Überblick über die historische Bausubstanz der Stadt. Zeitzeugen seien unter anderem der Sigmaringer Leopoldsplatz mit dem Karlsdenkmal, die ältesten Häuser der Stadt am Markt und in der Schwabstraße und die Gebäude der Karlstraße und der Wilhelmstraße, die nach Vertretern des letzten Herrschergeschlechts benannt wurden.
Im Laufe des Abends kam zur Sprache, dass Sigmaringen etwa 600 Jahre in österreichischer Hand war. Ein greifbarer Beweis dafür hängt in einem Haus am Sigmaringer Marktplatz, der jetzigen Traube. Es ist eine Ofenplatte aus dem Jahre 1777, geborgen aus dem Haus des damaligen Bürgermeister Johann Michael Dannegger. Er lag mit dem damaligen Fürsten wegen vieler Belange der Stadt im Dauerstress. Er war bekannt dafür, häufig in gestrecktem Galopp gen Innsbruck zu galoppieren, um sich über die fürstlichen Entscheidungen, die eigentlich ohne die Genehmigung der Österreicher Landesherren nicht verwirklicht werden durften, zu beschweren. Weber ließ durch seinen Vortrag die vergangene Zeit Revue passieren und regte bei Einheimischen Erinnerungen an.
Historische Bauten und Sanierungswünsche
Weber stellte, nachdem er auf den ehemaligen Prunk der Häuser in der Karlstraße und dem Leopoldplatz einging, die Überlegung an, warum das heutige Deutsche Haus am Leopoldplatz nicht saniert wird, solange die Bausubstanz noch in Ordnung ist. Es sei schade, ein so geschichtsträchtiges Haus am größten Platz der Stadt einfach so verfallen zu lassen. Einstmals, als er noch der Karlsplatz hieß, war dort das erste Hotel am Ort. Dort stiegen damalige hohe Persönlichkeiten wie der Deutsche Kaiser Wilhelm ab. Da das Fürstenhaus mit dem gesamten europäischen Hochadel verwandt ist, weilten dort oft Besucher und Verwandte des Fürstenhauses. Kutschen und erste Autos hatten auf dem für hiesige Verhältnisse riesigen Platz Raum und die Damenwelt zeigte dort gerne die neue Mode. Nach der Revolution im Jahre 1849, als Otto Wirth dort seine Proklamation gegen das Fürstenhaus verlas, wurde der Platz mit Bäumen bis auf die heutige Größe verkleinert. Die verschiedenen Bahnhöfe von Sigmaringen, eine Wanderung im Donautal und eine Fahrt mit der Bahn lassen Geschichte wieder aufleben.
Sigmaringen französischer Regierungssitz
Dr. Edwin Weber zeigte auf, dass als Folge der Revolution von 1848 die Fürsten von Hechingen und Sigmaringen auf ihre Herrschaft verzichteten und die Fürstentümer 1850 an Preußen fielen. 1850–1945 wurde Sigmaringen Sitz der preußischen Regierung für die Hohenzollerischen Lande und Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen von 1858 bis 1862 preußischer Ministerpräsident. In der neueren Zeit machte Sigmaringen von 1944 bis 1945 als es Sitz des geflohenen französischen Vichy-Regimes unter Marschall Pétain und Ministerpräsident Pierre Laval war von sich reden. Seit 1972 ist Sigmaringen Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises. Der Tod von Friedrich Wilhelm, Fürst von Hohenzollern, Sigmaringen.
Ein schriftlicher oder mündlicher Bericht kann nur unzureichend den Ereignissen gerecht werden. Eine Teilnahme an einer Stadtführung mit Dr. Edwin Weber kann diese Aufgabe umfangreicher erfüllen.
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