Krimi "Silentium": Josef Hader als Simon Brenner

Die zweite Verfilmung eines Buches von Wolf Haas, erschienen 2004

Schon wieder sorgt Josef Hader als Brenner für Gänsehaut. Auch die Salzburger Festspiele sind vor ihm nicht sicher. Dieser Film garantiert prickelnde Unterhaltung!

Die Romane von Wolf Haas eignen sich hervorragend für Verfilmungen. Von der Meinung ist auch der Autor überzeugt, und mehrmals als Schauspieler im Bild zu sehen, ohne jedoch auch nur ein Wort zu sagen. Josef Hader darf ein bisschen was sagen. In erster Linie ist es aber die Bildsprache, die diesen Film zu einem der besten österreichischen Filme der Nuller-Jahre macht.

Suizid und Leberkäse

Brenner verdingt sich als Kaufhausdetektiv, beobachtet den offensichtlichen Diebstahl von Unterwäsche, den eine Frau begeht. Er stellt sie vor dem Ausgang des Geschäftes zur Rede, woraufhin sie ihn sexueller Belästigung bezichtigt. Keine zwei Minuten später ist Brenner entlassen, und begegnet der Frau wieder, als er den Schauplatz eines Todesfalles auskundschaftet. Ihr Mann ist zu Tode gekommen, und die Selbstmord-Theorie kann für den Leberkäs-Kenner Brenner nur ein schlechter Witz sein. Der Tote hat zu Lebzeiten den Erzbischof bezichtigt, ihn sexuell missbraucht zu haben. Ein nicht nur in Österreichs Kirchengeschichte brisanter Aspekt.

Vitamin Familie und Grundeinkommen

Die Witwe des aus Brenners Sicht eindeutig ermordeten Mannes hat den Vorteil, Teil der Familie zu sein, welche die Salzburger Festspiele zu einem programmierten Erfolg hinleiten mag. Aber Vitamin Familie interessiert Brenner weniger, weil ohnehin logisch. Er will lieber in die Tiefen Salzburgs abtauchen, wo er so manch wenig Erbauliches erlebt. An seiner Seite ist zunächst ein stark tätowierter Mann, der für ein bedingungsloses Grundeinkommen plädiert. Die Kriminalpolizei will ihn mitverantwortlich für die Schändungen jüdischer Gräber machen, aber was soll damit ein bekennender Linksliberaler anfangen?

Das kongeniale Team Brenner und Berti

Brenner markiert als Hausarbeiter die Linien des hauseigenen Fußballplatzes einer Klosterschule. Die Gemeinde macht 2,5 Millionen Euro für gerade mal 33 Schüler locker. Junge Frauen, die an dieser Schule als Köchinnen tätig sind, werden auf grauenhafte Weise mit den Salzburger Festspielen konfrontiert. Eine Frau wird vergewaltigt, eine andere kommt ums Leben. Brenner steht mit Berti (Simon Schwarz) ein Kompagnon aus seinen Tagen als Mitarbeiter der Rettung zur Seite, der ihn bei seinen Ermittlungen nach anfänglichem Zögern unterstützt. Das finale furioso bringt den beiden samt einer jungen Frau viele Brandblasen ein. Und was dann am Schluss passiert, ist ganz im Sinne einer ausufernden Melodramatik.

Eine Referenz an den Unsichtbaren Dritten

Die herrlichste Szene findet auf dem Fußballplatz statt. Brenner wird von einem Modelflugzeug gejagt, und wirft sich wie einst Roger O. Thornhill zu Boden, um den feigen Attacken auszuweichen. Diese kleine Referenz an einen der herrlichsten Filme aller Zeiten ist nur einer von vielen Beweisen für die Dynamik von Silentium. Die Präsenz von Josef Hader als Privatdetektiv auf eigene Faust passt kongenial in die Stadt Salzburg. Er wird am Ende, wenn alles geklärt ist oder ungeklärt bleibt, nach Linz fahren, sich dort umschauen, dann wieder nach Salzburg fahren, vielleicht aber auch nach Wien. Bis in alle Ewigkeit mag sich nichts daran ändern, dass er den Treppenwitz vom Leberkäse und den Resten von Knackwürsten erstaunten Zuhörern erzählt.

Fantastische Aussicht

Ein schräger Film höchster Güte zeigt Schauspielkunst auf bestmöglichem Niveau. Mit Joachim Krol, Anne Bennent, Jürgen Tarrach, Udo Samel, Maria Köstlinger und Johannes Silberschneider findet sich eine wunderbare Schauspieler-Riege zusammen, um eine traurig-komische, actiongeladene Geschichte zu bereichern. Christoph Schlingensief ist in einer Gastrolle als Opernregisseur zu sehen. Und mit Josef Hader und Simon Schwarz hat ein Duo gemeinsam den Berg erklommen, um dann spektakulär in eine Opern-Aufführung herabzustürzen. Qualitätskino vom Feinsten!

Silentium (Wolfgang Murnberger), Österreich 2004, 110 Minuten.

Jürgen Heimlich, Jürgen Heimlich

Jürgen Heimlich - Geboren im Zeichen des Wassermanns im Jahre 1971. Schon in der Volksschule Niederschrift eines kleinen Erzählbandes („Das ...

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