Silvester feiern rund um den Globus

Silvester - Claudia Hautumm/pixelio
Silvester - Claudia Hautumm/pixelio
Geister verjagen, das Glück herauf beschwören. Auf der Welt gibt es die unterschiedlichsten Bräuche und Rituale, um den Jahreswechsel zu begehen.

Eines haben alle jedoch gemeinsam. Um den Jahreswechsel herum kehrt vielerorts Besinnung ein. Die Menschen ziehen Bilanz und kreieren Wünsche für das neue Jahr. Abgesehen von den saloppen "guten Vorsätzen" für das nächste Jahr, sind die Menschen überall auf der Welt in besonderen Stimmungen und geben sich ihren regionalen Gewohnheiten hin. Einige werden hier näher beleuchtet.

Österreich

In Wien erklingt auf dem Rathausplatz die große "Pummerin" (Glocke). Sie läutet das neue Jahr ein, die Menschen treffen sich zum Tanz - selbstverständlich des "Wiener Walzers". Die Strassen sind voll mit Feiernden, überall riecht es nach Bratwurst und Böller. Auch Schweine tauchen in Österreich zu Silvester überall auf - egal, ob als hippes Plüschtier oder als Sülze.

In den ruhigen Bergtälern der Alpen ziehen Vorsänger mit ihrem Chor durch die Dörfer. Sie gehen von Haus zu Haus, singen "Neckverse" für die Bewohner, gefolgt vom Segenwunsch für das ganze Haus. Anschließend werden sie von den Hausbewohnern beschenkt. Die Spenden werden später, am Ende ihres Zuges, der bis zum Morgengrauen dauern kann, gleichmäßig unter den Sängern verteilt.

In den ländlichen Regionen der Alpen wird in Häusern und Ställen mit Weihrauch geräuchert, um die Dämonen zu vertreiben. Zwischen Weihnachten und Neujahr wandern Vermummte lärmend durch die Dörfer, um Frost- und Eisgeister zu vertreiben und den Geist der Fruchtbarkeit des Frühlings anzuziehen. Zur Stärkung erhalten sie einen alkoholischen Trunk, oft auch Geldgeschenke.

Russland

In Russland ist der 31.12. der wichtigste Festtag des Jahres, die Familie feiert Silvester und Weihnachten zusammen, die russisch-orthodoxe Weihnachtszeit beginnt Anfang Januar.

Wenn die Kreml-Uhr am roten Platz in Moskau 12x geschlagen hat, wird angestossen - versetzt ganze 11x wegen der vielen verschiedenen Zeitzonen. Die Neujahrszeit ist fleischlose Zeit, Bortsch und Kutya sind die üblichen Speisen. Kutya ist ein Porridge ähnliches Gericht aus Weizen und Getreide, welches Hoffnung symbolisiert. Ebenso kommt viel Honig und Mohn auf den Tisch - das Symbol für Freude und Erfolg.

Spanien

Silvester in Spanien bedeutet ausgiebiges Essen mit der Familie, bevor man die Mitternachtsstunden auf der Strasse verbringt.

In Madrid, auf der Puerta de Sol, läutet die Turmuhr das neue Jahr ein, was landesweit im Fernsehen übertragen wird. Ein angeblich seit 1909 vorherrschender Brauch, der auf einer in diesem Jahr üppigen Traubenernte basiert, besagt, dass pro Glockenschlag eine Weintraube verzehrt werden soll. Der Fernsehmoderator zählt die Schläge der Turmuhr laut mit. Beim 12. Gong müssen alle Trauben verzehrt sein, sonst bringt es Unglück.

Auch in Spanien wird das neue Jahr mit Sekt begossen, allerdings überlässt man das Glück nicht dem Zufall und wirft vor dem Trinken einen goldenen Ring ins Glas. Die Spanierinnen beschwören zusätzlich ihr Liebesglück herauf, in dem sie in der Silvesternacht rote Dessous tragen.

China

In China fällt Silvester auf den Tag des ersten Vollmonds nach dem 21. Januar, also in den Februar. Der genaue Termin ist variabel nach dem traditionellen Mondkalender. Gleichzeitig wird das neue buddhistische Jahr eingeleitet. Drei Tage lang schmücken Drachen- und Löwenumzüge das größte Fest des Kulturkreises.

Vor dem Fest werden die Häuser mit Bambuszweigen gründlich geputzt, um die bösen Geister zu vertreiben. Würde man die Reinigung auf die Neujahrstage legen, bestünde die Gefahr, das Glück hinaus zu kehren. Ab 23 Uhr werden alle Fenster geöffnet, um das neue Jahr herein zu lassen.

Am letzten Tag im alten Jahr findet das sog. "Reunion-Dinner" statt, bei dem die ganze Familie anwesend sein sollte. Kinder und Unverheiratete erhalten Geld in kleinen roten Tüten mit Glückssymbolen. In manchen Regionen werfen Unverheiratete Mandarinen ins Meer, um einen Ehepartner zu finden. Dieser Brauch ist auf Zeiten zurück zu führen, als junge Frauen ihre Namen auf die Schalen schrieben und diese ins Meer warfen, in der Hoffnung, Fischer würden die Schalen finden und nach den Frauen suchen.

Japan

In Japan dauert das Neujahrsfest sieben Tage. Tag eins bis drei sind Ruhetage, an denen man sich mit der Familie trifft und den Hausputz organisiert. An beiden Seiten der Haus- oder Wohnungstür werden Torkiefern aufgestellt. Um Mitternacht des Silvesterabends schlagen 108 Glocken in den Tempeln, um die 108 Begierden des Menschen sowie die 108 Übel des alten Jahres zu vertreiben.

Eine Lieblingsbeschäftigung der Menschen in Japan besteht im Stampfen von Klößen aus Klebreis (Mochi), die am Neujahrsmorgen gegessen werden. Die Klöße sollen Glück bringen, jedes Jahr sterben jedoch Menschen an dem klebrigen Teig, der ihnen im Hals stecken bleibt. Die Polizei warnt jährlich vor dem Mochi-Essen und hat eine Mochi-Hotline eingerichtet. Auch werden im Vorfeld Tips für den Notfall gegeben.

Und Deutschland? Der alte Brauch, mit lärmenden Umzügen die bösen Geister zu vertreiben, wurde in unserer Zeit von Böllern, Knallern, knallenden Sektkorken und Himmelsfeuerwerken abgelöst. In einigen Haushalten wird gereinigt und geräuchert und nicht zu vergessen - seit 1962 läuft traditionell "Dinnner for one" am letzten Abend des Jahres.

Tine Möller, Tine Möller

Tine Möller - Während meines Fernstudiums zur Drehbuchautorin entdeckte ich nicht nur die Freude am Schreiben. Die Erkenntnis, dass Mut zur ...

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