
- Wunderkerze - Karin Scherbart
Allein die Giftstoffe, die zum Jahreswechsel durch die massenhaft gekauften Silvesterknaller in die Atmosphäre gelangen, belasten die Umwelt in starkem Maße. 100 Millionen Euro werden in Deutschland jedes Jahr für Feuerwerkskörper ausgegeben. Für die Hersteller ist dies ein Riesengeschäft, so dass sie jedes Jahr entsprechend davon produzieren. 25 Millionen klassische Feuerwerksraketen stellt beispielsweise die in diesem Markt führende Firma Weco her.
Insgesamt werden etwa 8.000 Tonnen Feinstaub, 1.200 Tonnen Schwefeldioxid, 1.500 Tonnen Kohlendioxid, 200 Tonnen Kohlenmonoxid und Stickoxide durch die Feuerwerkskörper zum Jahreswechsel in die Luft abgeschossen. Dies dürfte durch die neue Gesetzesregelung, nach der ein Verbundfeuerwerk bis zu 500 Gramm Schwarzpulver enthalten kann, nicht weniger werden. Hinzu kommen die vielen Tonnen Müll, die an Silvester vor allem durch Feuerwerk produziert werden.
Silvester feiern und Feuerwerk umweltbewusst gestalten
Ein umweltfreundliches Feuerwerk gibt es natürlich nicht. Aber sollte man an Silvester deswegen völlig darauf verzichten? Hierzulande und an vielen anderen Orten dieser Welt – vor allem den Industrienationen – gehört das Silvesterfeuerwerk zu den festen Traditionen anlässlich dieses Datums. Schon die alten Germanen feierten den Jahreswechsel mit einer Art Feuerwerk, um nach ihrem Glauben die bösen Geister zu vertreiben.
Obwohl das Abfeuern bunter Lichtraketen, Bodenfeuerwerk und leuchtenden Fontänen an Silvester aus unserer Kultur wohl nicht mehr wegzudenken ist, kann man in der Zeit zwischen den Jahren umweltbewusst handeln, indem man – wenn man schon nicht darauf verzichten möchte – weniger Feuerwerkskörper kauft und benutzt. Für das Entsorgen von Silvestermüll ist übrigens in erster Linie der Verursacher zuständig. Kümmert er sich darum, zeigt er damit ebenfalls ökologisches Verantwortungsbewusstsein.
Auch akustisch lässt sich das neue Jahr mit einem Feuerwerk umweltverträglicher begrüßen. So bilden Wunderkerzen eine leise, aber ebenso stimmungsvolle Möglichkeit, den Jahreswechsel zu begehen. Tiere und Menschen werden es danken. Und die Zahl der Herzinfarkte zu Silvester könnte sich damit ebenfalls im Rahmen halten. Allerdings sollten auch Wunderkerzen aufgrund der Belastung durch die enthaltenen Schadstoffe, die ja auch in die Atemwege gelangen können, nur an der frischen Luft angezündet werden.
Mit Öko-Sekt für eine bessere Umwelt anstoßen
Zu kaum einer Feierlichkeit wird mehr Sekt getrunken als zu Silvester. Ein Jahreswechsel ohne knallende Sektkorken ist heute kaum noch vorstellbar. Doch auch hier kann man etwas für die Umwelt tun. Das fängt schon bei der Wahl der Flaschen und insbesondere den Sektkorken an. Wer Plastikverschlüsse meidet und stattdessen Sektflaschen mit leichter abbaubaren sowie recyclebaren Naturkorkverschlüssen nimmt, verhindert eine zusätzliche Umweltbelastung. Die Naturkorken stammen aus eigens hierfür angebauten mediterranen Korkeichenwäldern. Wenn jedoch die Nachfrage an Kork weiter sinkt, könnten die Standorte für seinen Anbau durch Eukalyptus- und Pinienplantagen ersetzt werden, was den Lebensraum für die dortige Flora und Fauna gefährden und schlimmstenfalls zur Wüstenbildung in der Region beitragen würde.
Des Weiteren kann man Silvester umweltfreundlicher und auch gesünder genießen, wenn man auf Bio-Sekt zurückgreift. So deklarierter Perlwein stammt aus ökologischem Anbau, das heißt er wurde ohne chemische Dünge- und Pflanzenschutzmittel angebaut. Auch der Schwefel- und Kupfergehalt ist dabei geringer.
Wachsgießen statt Bleigießen zur Silvesterfeier
Ein beliebter Brauch zu Silvester ist das Bleigießen, bei dem Figuren gegossen werden, aus denen interpretiert wird, was das kommende Jahr bringen mag. Dabei entsteht jedoch das die Umwelt in hohem Maße belastende Bleioxid, welches eingeatmet wird und dessen Überreste durch unsachgemäße Entsorgung (Blei ist Sondermüll) und Händewaschen anschließend ins Grundwasser gelangen. Und der Anteil, der in die Umwelt entweicht, bildet bleiorganische Verbindungen, die sich im Fettgewebe der Tiere anreichern. Wer nicht gerade Vegetarier ist, findet die Spuren des giftigen Schwermetalls auf diese Weise also früher oder später auf seinem Teller wieder. Im Körper führt eine Bleivergiftung zu Schädigungen des Nervensystems, der Blutbildung und der Nieren. Schon kleine Mengen Blei richten diesen Schaden an.
Alternativ hat sich mittlerweile das Wachsgießen in vielen Gesellschaftsrunden bewährt. Idealerweise sollte man, sofern man Wert auf eine umweltbewusste Silvesterfeier legt, hierzu natürliches Bienenwachs anstelle von künstlichem Wachs aus Paraffinöl oder Kunstharz verwenden.
Quellen
Bleifrei ins neue Jahr (cleankids)
Silvester geht auch umweltfreundlich (N24)
Silvester-Feuerwerk: 100 Millionen zum Abschuss frei (KN online)
Silvestermüll muss weg (Der Westen)
Dem Herzinfarkt nahe (Augsburger Allgemeine)
Die Korken knallen lassen (WWF)
Öko-Sekt: Genuss ohne Reue (SWR)
