Simon Bolivár - Der erste "soziale" Befreier Südamerikas?

In vielen südamerikanischen Staaten wird Simon Bolivar auch heute noch als "El Libertador" - der Befreier - zutiefst verehrt.

Unter Simon Bolivar´s Führung begann in einigen südamerikanischen Staaten die Auflehnung gegen die spanischen Kolonialherren. Auch heute noch sind die Spuren seines Werkes sichtbar: Lässt man den Blick über die Landkarte schweifen, sollte der Blick an Bolivien - im Herzen Südamerikas - haften bleiben. Denn die Ähnlichkeit der Namen ist kein Zufall. Als die Provinz vom spanischen Joch befreit wurde, benannte sie sich zu Ehren ihres Befreiers in Bolivia um. Doch wer war eigentlich Simon Bolivar und wie konnte ein einziger Mann einen halben Kontinent anführen und befreien?

Die Kindheit und Jugend

Am 24. Juli 1783 wird Simon Bolivar in Carajas - im heutigen Venezuela - als Sohn des Oberst Don Juan Vicente, der gleichzeitig Latifundien-Besitzer war, geboren. Er hatte zwei ältere Schwestern (Maria Antonia und Juana) und einen Bruder (Juan Vicente). Bereits im Alter von nur zwei Jahren verlor Simon seinen Vater, welcher der Familie aber ein Vermögen an Ländereien, Sklaven und Geld hinterließ. Nur wenig später folgte der Tuberkulose-Tod der Mutter, woraufhin die Erziehung Simon Bolivars durch den Großvater folgte, die nach dessen Ableben wiederum vom Onkel Bolivars fortgeführt wurde. Die beiden älteren Schwestern wurden zu dieser Zeit bereits verheiratet. Doch trotz dieser frühen, schweren Schicksalsschläge verbrachte Simon Bolivar, da seine Familie zur kreolischen Oberschicht zählte, eine wohl behütete Kindheit ohne finanzielle Nöte und war sehr gebildet. Mit zwölf Jahren wurde Simon durch Don Simón Rodríguez (1771-1854) unterrichtet. Zwischen beiden Personen entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft.

Nach nur zwei Jahren trat Simon Bolivar in Aragua - südwestlich von Carajas - dem Bataillon bei, welches sein Vater bereits als Oberst angeführt hatte. Innerhalb eines Jahres gelang es ihm, in den Rang eines Leutnants aufzusteigen. Schon früh begann Simon Bolivar damit, nicht nur auf die körperliche Ausbildung eines Soldaten zu setzen und ließ sich durch den Kapuzinermönch Francisco de Andujar in Mathematik, Topographie, Physik und allen Fächern unterrichten, die in damaliger Zeit zur strategischen Ausbildung von Offizieren zählten.

Ausbildung in Spanien und Europareise

Im Jahr 1799 reist Simon Bolivar nach Spanien, um seine Ausbildung in Europa fortzusetzen. Dort trifft er im Verlauf seines Studiums auf die Dame María Teresa Rodríguez del Toro y Alaysa, die er 1802 in Spanien heiratet. Anschließend kehrt er in sein Heimatland zurück. Für Bolivar folgt 1803, mit dem Tod seiner Ehefrau, ein weiterer, herber Schicksalsschlag. Im darauffolgenden Jahr tritt er eine weitere Reise nach Europa an, die ihn in politischer Sicht nachhaltig prägte. So trifft er im napoleonischen Frankreich, dass ihn faszinierte, Alexander von Humboldt, über den er später sagen wird: "Alexander von Humboldt hat Amerika mehr Wohltaten erwiesen als alle seine Eroberer."(Zitat von Simon Bolivar) Humboldt soll ihm auch erklärt haben, dass auch Venezuela, wie Frankreich für die Revolution und die Unabhängigkeit bereit sei und lediglich ein starker Mann fehle. Für Bolivar wird dieser Moment wohl wie ein Wink des Schicksals gewirkt haben.

Die Revolution in Lateinamerika

Zurück in Südamerika hat der junge Simon Bolivar mit gerade einmal 24 Jahren bereits einen Schwur zur Befreiung seiner Heimat geleistet: "Ich schwöre bei meiner Ehre und ich schwöre vor meinem Vaterland, dass ich meinem Arm keine Ruhe und meiner Seele keine Pause gönnen werde, bis die Ketten gebrochen sind, die uns nach dem Willen des spanischen Königreiches erdrücken." (Schwur auf dem Aventinus-Hügel bei Rom)

Voller Eifer schließt Bolivar sich dem Widerstand an, der allerdings mit der Kapitulation Francisco de Mirandas scheitert. Doch bereits 1813 führt Bolivar die zweite venezolanische Revolution, aus seinem Exil in Cartagena heraus, an. Sie wird ihm, mit der Eroberung von Caracas am 6. August 1813, den Beinamen "El Libertador" einbringen.1819 gelingt es Simon Bolivar, Venezuela und Kolumbien zur "Republik Großkolumbien" zu vereinen, der bereits1822 Equador beitreten wird.1825 wird Bolivar hinzukommend Präsident in Bolivien und in Peru, dass nach heftigen Kämpfen gegen die Spanier befreit werden konnte. Ein Jahr später findet der erste panamerikanische Kongress statt. Doch die Bemühungen Bolivars fast ganz Südamerika zu vereinen, scheitern an den Autonomiebestrebungen der einzelnen Staaten und Provinzen und der Kongress erreicht nicht die gewünschten Ziele. Dies führt zu Konfrontationen. Als Bolivar sich - angeblich als letztes Mittel, zum Schutz Großkolumbiens- zum Diktator erklärt, zerbricht der Staatenbund endgültig und nach einem gescheiterten Attentat legt Bolivar alle politischen Ämter nieder und plant sein Exil in Jamaika. Doch noch bevor er diese letzte Reise antreten kann, verstirbt er an Tuberkulose. Wobei gemutmaßt wird, ob man ihn letztlich nicht mit Arsen vergiftet habe. Aus diesem Grund ließ Hugo Chavez ihn 2010 exhumieren.

Die Visionen und Ambitionen eines Revolutionärs

Von den Träumereien Simon Bolivar ist wenig Realität geworden. Weder sein Ziel eines panamerikanischen Staatenbundes, noch die Abschaffung der Sklaverei erreichte er. Sein Erbe liegt auch heute noch schwer auf südamerikanischen Schultern. Politiker wie Hugo Chavez versuchen sich in eine Reihe mit ihm zu stellen und die Symbolfigur des Aufstandes für politische Zwecke zu gebrauchen. So änderte Chavez den Namen des Staates in "Bolivarische Republik Venezuela" um und bezeichnete seine Politik als "bolivarische Revolution". Ob Simon Bolivar wirklich als der sozialkritische Revolutionär hingestellt werden kann, den viele heute in ihm sehen wollen, ist schwer zu beurteilen. Noch Jahre nach seinem Tod fällte Karl Marx ein vernichtendes Urteil über ihn, in seinem Artikel "Bolivar y Ponte". Er ordnet Bolivar der Bourgeoisie zu und erklärt, dass Simon Bolivar fälschlicherweise, durch die Nationalbestrebungen der Staaten und das Scheitern der revolutionären Ambitionen Bolivars, als "antiimperialistische Symbolfigur" gesehen werde.

Es ist also auch nach über hundert Jahren schwer zu sagen, welche Ambitionen der Revolutionär tatsächlich hegte und ob ihm das Wohl der Allgemeinheit mehr am Herzen lag, als Marx ihm unterstellt.

Quellen:

Nils Gräfer - Mein Name ist Nils Gräfer. In meiner Freizeit schreibe ich für Suite 101, vor allem in den Bereichen: - Politik & ...

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