Simon Rich sieht aus wie 16, ist in Wirklichkeit 26 und hat ein Buch über 14jährige geschrieben, das sowohl Jugendliche als auch Erwachsene anspricht. „Feinde“ ist eine kleine schwarzhumorige Satire auf Teenagersehnsüchte und Statusdenken. Rich ist Sohn eines Times Kolumnisten, der Bruder Nathaniel arbeitet bei der der Paris Review, die Mutter ist Lektorin. Simon Rich studierte in Harvard und wurde mit 23 der jüngste Gagschreiber der amerikanischen Comedy-Kultserie „Saturday Night Live“. Simon Rich hat aber nicht nur Beziehungen, sondern auch Talent. Sein neurotisch-zynischer Stil und seine Fabulierlust hat er in zwei Kurzgeschichtenbüchern bewiesen. „Feinde“ (englischer Titel „Elliot Allagash“) ist sein erster Roman. An dem Drehbuch zur Verfilmung arbeitet Rich gerade.

Feinde: Vom Außenseiter zum Schulstar

Seymour Herson ist 14, dick und unbeliebt an der Schule. Als Elliot Allagash neu auf die Schule kommt, ändert sich alles. Elliots Vorfahren haben das Papier erfunden und deshalb ist die Familie unvorstellbar reich. Elliot ist hochintelligent, aber unfähig zu normalem sozialen Umgang. Beide Außenseiter freunden sich an und Elliot macht Seymour zu seinem „intellektuellen Experiment“. Mit viel Geld, faulen Tricks und Skrupellosigkeit steigt Seymour unter Elliots Fittichen zum bewunderten Klassenliebling auf. Vier Jahre später ist Seymour beinahe so verwöhnt und unmoralisch wie Elliot. Ohne Gewissensbisse lügt und betrügt er auf seinem Weg nach oben, bis die Liebe dazwischenkommt. Als er nicht mehr nach Elliots Pfeife tanzt, erfährt er am eigenen Leib, was es bedeutet, einen Allagash zum Feind zu haben.

Feinde: Der Zweck heiligt die Mittel

Die Fantasie, es „allen zu zeigen“, die einen gedemütigt oder ungerecht behandelt haben, kennt wohl jeder. Leider hat man keinen Elliot Allagash an seiner Seite, der einen mit genialen Schachzügen, unbegrenzten Finanzen und ohne Moral über die „Feinde“ triumphieren lässt. Deshalb verfolgt man mit Schadenfreude, wie sich Seymour stellvertretend für alle Looser rächt. Seymour ist Elliots willfährige Marionette und unterwirft sich gerne, „der Zweck heiligt die Mittel“, den raffinierten Racheplänen seines gewissenlosen Mentors. Schnell lässt er sich vom Erfolg korrumpieren und verliert seine Skrupel. Ohne es zu merken, wird der Schüler seinem Meister immer ähnlicher.

Feinde: Witz durch extreme Klischees

Schein ist wichtiger als Sein und der Zweck heiligt die Mittel – nach diesen Grundsätzen leben die Superreichen wie die Allagashes. Rich überzeichnet sie herrlich. Die Allagashes sind zynisch, unmoralisch und versnobt. In den verrückten Geschichten, die Elliots Vater Terry erzählt, wird klar, dass ihr asoziales Verhalten Familientradition hat. „Ich bin ein derart extremes Maß an Dekadenz gewohnt, dass es mich mit unbändiger Wut erfüllt, wenn ich auch nur eine Minute ohne Luxus auskommen muss.“ beklagt sich Elliot. Auch Seymour und seine Mitschüler sind Stereotypen, wie sie in jedem Teenie Highschool Film vorkommen: unbeliebte Nerds, die Sexbombe, das angehimmelte Sportass. Seymour erringt die Gunst seiner Mitschüler mit Oberflächlichem: er wird sportlich, schlank und Klassensprecher.

Feinde: Politisch unkorrekte Satire

Simon Richs „Feinde“ ist eine Satire auf die Macht des Geldes und die Gier nach Anerkennung. Was zählt ist nur der Erfolg, wie er zustande kommt, interessiert nicht. Der Autor lässt seine jugendlichen Helden ungehemmt gegen Political Correctness verstoßen. Elliot trinkt schon tagsüber harten Alkohol und vernichtet mitleidslos jeden, der sich seinen Launen nicht fügt. Es wird erpresst, intrigiert und schamlos gelogen. Rich macht sich lustig über soziales Engagement als Aushängeschild und über Avantgardekunst, die keiner versteht und die deshalb als genial gilt.

Feinde: Konservative Moral

Auch wenn Rich seine jugendlichen Helden Tabus überschreiten lässt – letztlich predigt sein Roman alte Werte. Wer reich ist, kann sich fast alles kaufen – aber keine Liebe. Vom Erfolg geblendet sieht Seymour lange nicht, dass Elliot im Grunde ein armes Würstchen ist, der sich nach der Anerkennung seines Vaters sehnt. Und Seymour lernt erst spät die Liebe seiner Eltern schätzen. Er wird erwachsen, indem er sich verliebt und sich von Elliot löst.

Feinde: Postpubertärer Spaß

„Feinde“ ist keine hohe Literatur, sondern pure Unterhaltung. Wer Spaß an den Filmen von Wes Anderson hat, dem wird auch Richs Buch gefallen. Die Geschichte ist vollkommen unrealistisch, aber sprüht vor Fantasie und Witz. Ein postpubertärer Spaß für Jugendliche und Erwachsene, die sich noch an ihre Schul(leidens)zeit erinnern können.

Simon Rich. Feinde. Goldmann Verlag. Oktober 2011. Taschenbuch. 256 Seiten. 8.99 €