Sind Boote an der oberen Donau immer ein Stressfaktor?

Boote auf der Donau - Monika Hermeling
Boote auf der Donau - Monika Hermeling
Bund, Nabu und andere Naturschutzbehörden sind gegen eine Nutzung der jungen Donau durch Bootfahrer, Unternehmer der Touristikbranche dafür.

Naturschutzbehörden und Unternehmen der Touristikbranche, zum Beispiel Bootsverleiher, führen an der oberen Donau schon seit vielen Jahren einen erbitterten Streit. Die Einen setzten sich intensiv für die Förderung und Anbindung an den Tourismus ein, die Anderen sind besorgt, dass es diese schützenswerte Landschaft, wenn sie weiter so intensiv genutzt wird, bald in dieser Form nicht mehr geben wird. In jedem Jahr im Februar, wenn die Bootsverleiher ihre Kontingente beim Landratsamt Sigmaringen anmelden müssen, spitzt sich die Diskussion zu. 2011 soll es eine neue Rechtsverordnung geben, die dem Naturschutz und der aufkeimenden Touristikbranche gerecht werden soll. Es stehen die Pegelstände und die Zahl der Boote die fahren dürfen, zur Diskussion. Unternehmer der Touristikbranche sind mit den neuen Regelungen nicht einverstanden und reichten eine Petition ein. Sie bitten alle, die sich betroffen fühlen, dafür einzusetzen, dass das Bootfahren auf der oberen Donau, zwischen Tuttlingen und Sigmaringen. mit den bisher gültigen Bestimmungen weiter gehen soll. Ihre Zustimmung können Sympathisanten, auf einer Internetseite mit ihrer Unterschrift bekunden.

Ist die bisherige Verordnung überholt?

Die seit dem Jahr 2005 bestehende Verordnung, die zurzeit noch gültig ist, fordert, zum Befahren, einen Mindestpegel der Donau , bei Beuron, von 50 Zentimetern. Die Zahl der gesamten Boote, die an den einzelnen Einstiegen zu Wasser gelassen werden dürfen, ist auf 330 pro Tag beschränkt. Nur wenn diese Kriterien eingehalten werden, können Boote zwischen dem 1. Mai und dem 30. September von 9 bis 18 Uhr in die Donau eingesetzt werden. Es wird nach gewerblichen und privaten Booten unterschieden.

Die neuen Vorschläge des Landratamtes Sigmaringen

2011 soll es, nach dem Wunsch des Landratsamtes Sigmaringen, eine neue Verordnung geben. Mit dieser sind die letztendlich Verantwortlichen beim Regierungspräsidium Tübingen und den Naturschutzbehörden nicht einverstanden. Sie sieht einige Änderungen vor, die aber nicht alle Forderungen berücksichtigt. Die Saison für Boote soll bis zum 9. Oktober 2011 verlängert werden. Die Anzahl der Boote, die täglich fahren dürfen, wird nur wenig, um zehn Boote, auf 320, verringert. Allerdings soll die Strecke, zwischen Beuron und Hausen im Tal, nur noch mit zehn Booten täglich befahrbar werden. Der Mindestpegelstand bleibt anhand dieser Vorschläge bei 50 Zentimetern. Den Vorwurf, im Landratsamt lege man keinen Wert auf Naturschutz und folge ausschließlich den Wünschen der Bootsverleiher, wird von Reinhold Kranz, dem Leiter des Fachbereichs Umwelt und Arbeitsschutz, zurückgewiesen.

Die Empfehlungen des Tübinger Gutachtens

Im Gutachten des Regierungspräsidiums in Tübingen wird empfohlen, den Streckenabschnitt der jungen Donau zwischen den Orten Beuron und Hausen im Tal, generell für Bootfahrer zu sperren. Die Zahl der einzusetzenden Boote soll für die restliche Strecke auf täglich 60 Boote reduziert werden und ein Mindestpegelstand von 65 Zentimetern, in Beuron abgelesen, festgelegt werden.

Die Petition an den an den Landtag von Baden-Württemberg

Die Kanuverleihe und Unterstützer der Touristikbranche, werden in dem Tübinger Gutachten, so verstehen es die Unterstützer der Touristik, als Störfaktor für das Donautal bezeichnet. In ihm werde, so die Bootsverleiher, das Interesse der Anwohner und das der Gäste des Donautales vollständig außer Acht gelassen. Jürgen Belthle, der in Beuron-Thiergarten Erlebnispädagogik anbietet, ist der Ansicht, dass die bisherigen Verordnungen die Interessen beider Seiten gewährleisten. Bootsvermieter, Gasthäuser, Restaurants, Campingplätze, Zulieferer und andere Betriebe aus dem touristischen Umfeld befürchten, so erläutert Belthle weiter, dass weitere Einschränkungen der Fahrten das finanzielle „Aus“ für die Branche entlang der Donau von Hausen im Tal bis Sigmaringen bedeuten könnten. Er betont, dass verstärkte Einbußen an die Kontingente auch für die Leute die sich ehrenamtlich für die Entwicklung des Tourismus im oberen Donautal einsetzen, ein „Schlag ins Gesicht“ bedeute. Belthle, bekennt, dass eine intakte Natur für die Region ein finanzkräftiges Kapital sei und die Menschen, die wirtschaftlich davon abhängig seien, selbstverständlich ein starkes Interesse am Naturschutz hätten. Ihnen sei auch bewusst, dass ein sanfter Tourismus, also Tourismus und Naturschutz, nur mit dem Rückhalt in der Bevölkerung zu erreichen sei. Wichtig sei, dass einheimische Menschen, Tiere und Pflanzen, ein ökologisches Gleichgewicht bilden und so Urlaubern die Gelegenheit zu einer umfassenden Erholung zu bieten. Besonders Kindern und Jugendlichen dürfe der direkte Zugang zur Natur nicht verweht werden, denn sie seien die Naturschützer von Morgen. Hier geht es zur Unterschriftenliste.

Naturschützer schlagen Alarm

Naturschützer von BUND und NABU bemängeln, dass die ansässigen Betriebe die kostbare Ressource Natur, die auch ein Faktor ist, warum diese Gegend zur besten Wohngegend Deutschlands gewählt wurde, kostenlos in ihre Geschäftskalkulation aufnehmen. Sie haben erlebt, dass Kurzurlauber aus Stuttgart, Ulm, Riedlingen und anderen ortsnahen Städten, die zum Beispiel auf der Lauchert nicht fahren dürfen, in die Laich- und Aufzuchtsgebieten von Fischen, Kröten und Wasservögeln und seltenen Schmetterlingen wie der Bläuling, oder die Schleiereule, an der Donau, ohne Weiteres gelassen wurden. Ihrer Ansicht nach benötigen, wie schon der Tierschützer Heinz Sielmann feststellte, auch einheimische Kinder mehr direkten Kontakt zur Natur, um zu begreifen, welche Wichtigkeit der Naturschutz an der oberen Donau für alle Menschen hat. Das Haus der Natur, in Beuron bietet die Gelegenheit zur Information. Die Naturschützer haben genug negative Erfahrung mit den Bergsteigern und Kletterern, die bis vor einigen Jahren genau das gleiche Gebiet, wenn auch etwas höher an den Felsen, nutzten. Mühsam näherten sich in den vergangenen Jahren Naturschützer und Kletterer an. Nun befürchten die Naturverbundenen, eine Welle mit einer nicht zu berechnenden dauerhaften Stärke, die der Natur wenig Zeit zu einer Renaturalisierung lasse. Deshalb wollen sie, dass die bisherigen Verordnungen in ihrem Sinn, überarbeitet werden.

Bernhard Frei verkündet das Ergebnis der Aktion

Zusätzlich, zu den knapp 6 000 in einer Woche, per Internet, gesammelten Zustimmungen zur bisherig gültigen Kanuverordnung des Landratsamtes Sigmaringen, unterzeichneten weitere 250 Sympathisanten der Region, die Petition. Wertvoll sind, so der Vorsitzende des Vereins DonautalTourismus-Hohenzollern, Bernhard Frei, auch die zahlreichen Kommentare. Deutlich wurde, dass die Unterzeichner mit einer verschärften Regelung nicht einverstanden sind. Bernhard Frei wird am 13. März 2011, die Unterschriftenliste, anlässlich einer Wahlveranstaltung, der Umweltministerin und Landtagskandidatin Tanja Gönner persönlich übergeben.

Quelle: Landratsamt Sigmaringen, Jürgen Belthle, Beuron-Thiergarten, Jennifer Kuhlmann

Online-Redakteurin, Gerlinde Ahrend, Gerlinde Ahrend

Gerlinde Ahrend - Ich bin Journalistin, Online-Redakteurin und Autorin, mit eigenem Journalistenbüro In der Vorbereitung meiner Ausbildung zur ...

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