Sind Lebensmittel aus Japan für deutsche Verbraucher gefährlich?

Freisetzung radioaktiver Stoffe - idw online.de
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März 2011: Umweltminister Johannes Remmel und Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner informieren, wie japanische Fische und Algen kontrolliert werden.

Nach dem Erdbeben in Japan, einem folgenden Tsunami und mehrerer Explosionen im Kernkraftwerk Fukushima, erhöhte sich die örtliche Strahlenbelastung, bis auf die etwa sechsfache Menge der jährlichen mittleren Strahlendosis in Deutschland. Viele Verbraucher, die in Deutschland wohnen, fragen sich, ob für sie der Verzehr von Lebensmitteln, besonders Fisch und Algen aus Japan, gefährlich werden könnte.

Wie hoch sind in Deutschland die Import- und Exportzahlen aus Japan?

Japans gesamte Importe nach Deutschland beliefen sich, nach einer Informationsgrafik von Welt Online, im Januar 2011, auf insgesamt etwa zwei Prozent. Die Exporte lagen etwas niedriger. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), gibt bekannt, dass der Lebensmittelimport davon nur rund 0,1 Prozent beträgt. Demnach ist die Gefahr, so urteilt auch die Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner, verstrahlte Lebensmittel zu essen, gering.Eine Stellungnahme einiger Importeure und Produzenten japanischer Lebensmittel.

Sind Fischen und Pflanzen im Meerwasser kontaminiert?

Die Wissenschaftler des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI), kontrollieren die Strahlenbelastung der importierten Fische. Sie geben bekannt, dass im Rahmen des integrierten Mess- und Informationssystems (IMIS), von den zuständigen Stellen der einzelnen Bundesländer, stichprobenartig, Importproben von Fisch und Meerestieren, besonders aus asiatischen Ländern, genommen wird. In der Vergangenheit wurden dabei keine erhöhten Werte gemessen. Nach dem Reaktorunglück in Japan wurden, von den Betreibern des Kernkraftwerkes, keine genauen Angaben zur Zusammensetzung der nuklearen Wolke bekannt gegeben. Experten vermuten, dass Cäsiumisotope - Cs-134, die eine Halbwertzeit von zwei Jahren haben und Cs-137, mit einer Halbwertzeit von 30 Jahren- in die Atmosphäre gelangten. Die Wissenschaftler des Thünen Institutes halten es für wahrscheinlich, dass sich, im Verlauf der Ereignisse, der Änderung des Wetters und der Windrichtung, das Cäsium großflächig, über dem Pazifischen Ozean verteilt und auch mit der Schneeschmelze und dem Regen, in das Meerwasser fließt. Dort werden die Kontaminationen schnell verdünnt und durch die Nahrungskette, besonders in der Nähe des Unglücksortes, in allen Meerestieren und Pflanzen aufgenommen.

So gelangt Cäsium in die Nahrungskette

Da das freigesetzte Cäsium mit Kalium verwandt ist, wird es von den Organismen schnell im Stoffwechsel verarbeitet. Erfahrungsgemäß kann es zuerst im Plankton nachgewiesen werden. Danach sind auch Muscheln und Algen, die einen größeren Wasserumsatz benötigen, betroffen. Erst einige Wochen später kann das Cäsium auch in den örtlichen Meerwassertieren nachgewiesen werden. Momentan könne noch nicht abgeschätzt werden, so die Experten des Forschungsinstitutes, wann und ob die Grenzwerte für Lebensmittel in der EU, die 600 Becquerel pro Kilogramm der Fischmasse nicht überschreiten dürfen, erreicht werden. Jetzt, am 18. März 2011, ist eine Gefährdung durch kontaminierte Fische, Algen und Meeresfrüchte, ihrer Erfahrung nach, noch ausgeschlossen.

Kontrollmaßnahmen in Nordrhein-Westfalen

Das Umweltministerium ist in NRW für die Lebensmittelsicherheit und für die Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt zuständig. Der Umweltminister von Nordrhein-Westfalen, Johannes Remmel (Die Grünen), erklärt, dass die jetzt im Handel zu kaufende Waren, nach dem Stand der derzeitigen Erkenntnisse, als unbelastet einzustufen sind. Um zu gewährleisten, dass keine kontarminierten Lebensmittel, Fische Algen und Seegras, in den Handel gelangen, werden diese, vom Umweltministerium in NRW, auf eine Belastung überprüft. Auf Anweisung des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV), werden an den Flughäfen Düsseldorf und Köln und im Duisburger Hafen Lebensmittelkontrollen durchgeführt. Der Minister ist davon überzeugt, dass alle Vorkehrungen getroffen sind um Radioaktivität im Wasser, dem Boden, in Pflanzen, Lebens- und Futtermitteln, der Luft oder Warenimporten, zu erkennen. Bisher gäbe es noch keine Anhaltspunkte, dass Radioaktivität aus Japan nach Deutschland gekommen sei.

Kontrollen auf Strahlenbelastung in Baden-Württemberg

Für besorgte Verbraucher in Baden-Württemberg, die sich über Lebensmittelkontrollen informieren wollen, ist die Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner die Ansprechpartnerin. Sie erwartet keine höhere Strahlenbelastung für Lebensmittel aus Japan. Da Strahlung aber nicht sichtbar ist, unterliegen alle Lebensmittel einer besonders strengen Kontrolle. Es wird vermutet, da im Moment die Lebensmittel in Japan knapp sind, so die Ministerin, dass aus Japan so schnell keine Lebensmittel exportiert werden. Auch seien die Handelsbeziehungen nach Deutschland, durch das Erdbeben und den Tsunami, abgebrochen und noch nicht wieder hergestellt. Ilse Aigner erwartet keine erhöhte Strahlenbelastung bei Lebensmitteln. Helga Koch, von der Firma Schwarzwaldmiso erklärt ihren Kunden, dass der Reis, der für die Produktion von Miso nötig ist, aus Italien importiert wird. Miso hat auch in Deutschland viele Liebhaber. Dr. Shinchiro Akizuki, erforschte, im Rahmen einer vorbeugenden Medizin, auch Miso. Da Miso Schwermetalle und das radioaktive Strontium bindet,führt er den den Schutz vor radioaktiver Strahlungen, die Japaner nach dem Abwurf der Atombomben in Hiroshima und Nagasaki erlebten, auf den täglichen Genuss von Misosuppe zurück

So können sich betroffene Personen auf Strahlenschäden untersuchen lassen

Unter normalen Umständen werden in NRW rundgerechnet 100 Personen jährlich mit dem Body Counter nach überhöhten Strahlenwerten untersucht. Jetzt, im März 2011, ließen sich, so Remmel, beim Düsseldorfer Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit (LIGA), bisher 30 Rückkehrer aus Japan mit dem Body Counter untersuchen. Auch Hilfskräften, die aus einem Rettungsdienst oder dem Katastrophenschutzdienst nach Deutschland zurückkehren, Urlaubern oder Geschäftsleuten empfiehlt die Behörde, dieses Angebot anzunehmen. Ilse Aigner gibt bekannt, dass zusätzlich zum Body Counter der in der LIGA zur Verfügung steht, auch in den Universitätskliniken Essen und Köln untersucht werden kann.

Was misst der Body Counter?

Um mit dem Body-Counter zu ermitteln ob und in welchem Umfang jemand radioaktive Stoffe, wie zum Beispiel Cäsium 137, im Körper aufgenommen hat, muss sich dieser Mensch in einer Messkammer auf eine spezielle Liege, dem „Body Counter“ legen. Unter diesem befinden sich zwei Meßdedektoren und oberhalb ein weiterer, der zum Beispiel Jod 131 in der Schilddrüse finden kann. Die Untersuchungen sind kostenlos, in etwa zehn Minuten abgeschlossen und die Messergebnisse werden sofort mitgeteilt. Zusätzliche Strahlenbelastungen können auch anhand der menschlichen Ausscheidungen festgestellt werden.

Sollen deutsche Verbraucher vorsorglich Jodtabletten einnehmen?

Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg gibt bekannt, dass die momentan vorsorgliche Einnahme von Jodtabletten nicht erforderlich und für einige Menschen sogar riskant ist. Diese sei nur nötig, wenn Menschen einer erhöhten Strahlenbelastung unmittelbar ausgesetzt sind oder waren. Das werde bei einem Atomunfall in Deutschland nötig. Dann würden, im Umkreis von etwa 25 Kilometern um das Atomkraftwerk, durch Rathäuser oder Feuerwehren, Jodtabletten ausgegeben. Da bei Menschen über 45 Jahren das Risiko einer Schilddrüsenüberfunktion bestehe, werden Jodtabletten, die bei hoher Strahlenbelastung vor Krebs schützen sollen, behördlicherseits, an sie nicht ausgeteilt. Baden-Württemberger, die oft eine Schilddrüsenunterfunktion haben, sind besorgt und decken sich vorsorglich mit Jodtabletten ein. Eine Maßnahme, die von den Behörden nicht empfohlen wird.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

Quelle: Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg

Online-Redakteurin, Gerlinde Ahrend, Gerlinde Ahrend

Gerlinde Ahrend - Ich bin Journalistin, Online-Redakteurin und Autorin, mit eigenem Journalistenbüro In der Vorbereitung meiner Ausbildung zur ...

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