
- Irrtum Übergewicht - Zabert Sandmann Verlag
Der Titel, Irrtum Übergewicht, von Johannes Hebebrand und Claus Peter Simon ist ein Sachbuch. Das Buch ist - anders als manche anderen Bücher zu diesem Thema - objektiv geschrieben. Den Autoren geht es nicht darum, den Leser von einer Diät oder einer bestimmten Erkenntnis zu überzeugen, sondern viel mehr darum, so umfangreich wie möglich zu informieren. Der Leser erfährt wie komplex der menschliche Körper ist und wie vielfältig die Ursachen für Übergewicht sein können.
Sie wollen abnehmen, halten ihr Gewicht aber permanent – nehmen also weder ab noch zu, planen aber immerwährend abzunehmen? Auf Seite 147 wird von einer amerikanischen Studie aus dem Jahr 1989 berichtet, der zu Folge Sie genau mit dieser Haltung gute Chancen haben, ein hohes Lebensalter zu erreichen.
Sechs Kapitel führen den Leser hin zu einem entspannten Umgang mit dem eigenen Gewicht und den Mythen über das Abnehmen.
Warum sind so viele Menschen übergewichtig?
Dieses Buch lebt von Fakten. Am Ende eines jeden Kapitels sind alle Fakten und Zahlen noch einmal kurz zusammengefasst, denn Übergewicht hat nicht nur eine,sondern unzählige Ursachen. Zunächst wird der Wandel der Ernährung in den letzten 1,5 Millionen Jahren kurz wiedergegeben und untersucht. Niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit war der Zugang zu Lebensmitteln so einfach wie heute – zumindest in den Industrieländern. Während in den Schwellenländern und den Entwicklungsländern eine gute Versorgung mit Nahrung nicht immer gewährleistet ist, werden die Menschen in den Industrieländern dicker. Das Buch befasst sich an dieser Stelle mit dem Warum.
Welche Aussagekraft hat der BMI?
Die Autoren haben sich mit den gängigen Maßeinheiten für Menschen auseinandergesetzt. Genau betrachtet hat der BMI kaum einen Aussagewert über den Gesundheitszustand eines Menschen. Andere Faktoren wie etwa gesunde und ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung erfasst der BMI nicht. Dass Menschen mit einem niedrigen BMI, statistisch gesehen, eine kürzere Lebenserwartung haben als leicht übergewichtige, erstaunt den Leser sehr wahrscheinlich. Aber solche Aussagen stehen nicht isoliert – das Gewicht eines Menschen muss immer zusammen mit anderen Faktoren betrachtet werden, daran lässt das Buch keinen Zweifel.
Es gibt keine allgemeingültigen Diättipps
Das Buch, Irrtum Übergewicht, zeigt die erschreckende Erkenntnis auf, dass dicke Menschen in der Gesellschaft für träge, faul und dumm angesehen werden. Selbst Ärzte schätzen dicke Menschen undynamischer ein, als normalgewichtige Menschen. Wobei das Buch ganz klar macht, dass ein normales Gewicht gar nicht existiert. Dennoch leiden dicke Menschen nicht nur unter ihren körperlichen Einschränkungen – wenn vorhanden – sondern in besonderem Maße unter ihrem schlechten Image.
Wer nun denkt, die Autoren gäben den Lesern Tipps wie sie ihr Gewicht reduzieren können, der liegt falsch. Dieses Buch nimmt den Leser nicht an die Hand und führt ihn zu einer schlanken Silhouette. Dieses Buch hilft dem Leser ein mündiger Bürger zu sein, der auf keine unwahren Diätversprechen herein fällt. Darüber hinaus werden negative Einflüsse auf unser Essverhalten aufgedeckt und mit gängigen Vorurteilen Übergewichtigen gegenüber aufgeräumt. Dieses Buch ist kein Plädoyer für Übergewicht, es ist ein ordentliches Sachbuch, das den Leser umfangreich mit Informationen versorgt.
Die Autoren
Johannes Hebebrand ist ein renommierter Gewichtsforscher, Claus Peter Simon arbeitet als Redakteur bei GEO. Sie stützen ihre Erkenntnisse auf den Ergebnissen der biomedizinischen Forschung.
Johannes Hebebrand und Claus Peter Simon, Irrtum Übergewicht, ZS Verlag, 1. Auflage 2008, 249 Seiten, gebunden. Preis: 19,95 € (D), ISBN: 978-3-89883-219-9
