Zu allen Zeiten in der Menschheitsgeschichte beschäftigten sich Menschen mit der Frage: Was geschieht, wenn das Leben erloschen ist und wir nicht mehr sind? Es gibt keinen einzigen Kulturkreis auf der Erde, der nicht auf die eine oder andere Art versucht hat, eine Antwort darauf zu finden. Dass das Leben - der Sinn der hinter jedem einzelnen Leben steht, mehr sein muss als das, was tagtäglich nach stets gleichen Abläufen vor sich geht, ist dem Menschen dank seiner Intuition bewusst. Dieser kosmische Raum in jedem Menschen, was auch als göttlicher Funke bezeichnet werden kann, verweist auf einen größeren geistigen Sinnzusammenhang. Indem Menschen in Berührung mit eigenen inneren Dimensionen kommen, erschließt sich ihnen das Leben in seinen Möglichkeiten als weitaus mehr und gehaltvoller als das, was dem Alltagsbewusstsein zugänglich ist. Das Spirituelle, das Geistige, das Mystische, Transzendente oder welchen Begriff auch immer man für das Bedürfnis nach Sinndeutung des Lebens verwenden mag, gehört zum Wesenskern eines jeden Menschen.

Forschung und Naturwissenschaften helfen bei der Sinndeutung nicht weiter

In der heutigen Zeit offenbart sich angesichts der Frage des Todes und dem Danach ein eigentümliches Dilemma: Auf der einen Seite sind die Naturwissenschaften zu einer Art Ersatzreligion avanciert. Die Menschen glauben nur das, was ihren Sinnen unmittelbar zugänglich ist und wofür im Idealfall Beweise für gewonnene Erkenntnisse geliefert werden können. Zahlreiche Wissenschaftler sind nach wie vor der Auffassung, dass die gesamte Welt aus nichts anderem als aus Atomen und Kleinstteilchen besteht. Die Frage nach Gott oder dem Jenseits wird in den Bereich nicht nachweisbarer Spekulationen verwiesen.

Dieser weitverbreiteten Denkweise der heutigen Wissenschaft, die wenig Trost spendet und die Menschen angesichts ihrer grundsätzlichen Fragen von Sein oder Nichtsein alleine lässt, steht das intensive Forschen nach dem Sinn des Lebens gegenüber. Diese Sinndeutung ist heute global zu beobachten: Menschen machen sich auf, um auf spiritueller Ebene Sinn und Zweck des Lebens zu erforschen. Die Suche nach dem wahren Wesen, nach dem geistigen Ursprung, gehört zum Grundprinzip der Evolution. Dazu steht heute dem Menschen mehr Wissen über das Sterben, den Tod und das Leben danach zur Verfügung als je zuvor in der Geschichte. Die großen Weltreligionen beantworten Fragen nach Leben und Tod. Ebenso tun dies Nahtoderfahrungen oder andere transzendente Erfahrungen. Nur, inwieweit decken sie sich?

Der Ursprung des Menschen liegt in der Natur

C. G. Jung (1875-1961) verwies im Zusammenhang mit Sinndeutung auf eine tiefere Erfüllung, die in jedem verborgen vorhanden ist. Er schreibt: "Jeder krankt in letzter Linie daran, dass er das verloren hat, was lebendige Religion ihren Gläubigen zu allen Zeiten gegeben hat. Keiner ist wirklich geheilt, der seine religiöse Einstellung nicht wieder erreicht, was mit Konfession oder Zugehörigkeit zu einer Kirche nichts zu tun hat.“

Der Mensch ist ein naturverbundenes Wesen, denn er hat seinen Ursprung in der Natur. Was die frühesten Menschen empfanden, dachten und glaubten, hing von ihren alltäglichen Erfahrungen ab. Der Kampf ums Überleben und die Angst vor den unberechenbaren Naturgewalten bestimmten den Tagesablauf und seine Sorgen, die er mit sich brachte. Der frühe Mensch unterschied nicht zwischen der Außenwelt und der Welt seiner Gedanken, da er sich als unmittelbar Ganzes wahrnahm. Die Vorstellung einer vom Körper getrennten Seele war ihm fremd. Eine aus dem Körper austretende Seele beim Tod, diese Vorstellung entstand durch die Weiterentwicklung des menschlichen Denkens und seiner zunehmenden Differenzierung zum ursprünglichen, unmittelbaren Erleben. Völker, die eng mit der Natur zusammenleben und im Einklang mit ihr, haben den Glauben an eine Seele, die nach dem körperlichen Tod weiterlebt, nie bezweifelt. Nur, dass an diesem Punkt die Sinndeutung endet und alles Weitere über den Tod hinaus Sache des Geistes und der Stärke seines Glaubens ist.

Quellenangabe: Bernard Jakoby: Auch du lebst ewig – Langen Müller