
- Mit welchem Spielzeug lässt sich wirklich spielen? - Stefanie Fies
Wer heutzutage einen Spielzeugladen betritt, wird von knallrosa Handys, "stylischen" Klebetattoos und Spongebob aus Plüsch empfangen - und nicht wenige Erwachsene werden das ungute Gefühl nicht los, inmitten all dieser Dinge nichts zu finden, was für das sowieso schon überfüllte Kinderzimmer noch eine Bereicherung wäre. Dass Spielen sich nicht darauf beschränkt, auf einen Knopf zu drücken und damit ein Geräusch zu erzeugen oder eine Schachtel zu öffnen und Figuren über ein Brett zu bewegen, dass kreatives Spielen vielmehr mit Imagination, Forscherdrang und bestenfalls auch noch mit Körpergefühl zu tun hat - auch diese Zusammenhänge müssen manchmal erst "gelernt" werden. Wer sich Gedanken macht und entsprechendes Spielzeug schenkt, tut dem Kind etwas Gutes.
Der Vorstellungskraft Raum geben
Spielen in seiner ursprünglichsten Form heißt ausprobieren. Anfassen, riechen, matschen - die reine, ungebremste Neugierde auf die Welt. Dinge mit Aufforderungscharakter und keine in sich geschlossenen Abläufe sind es, die die Experimentierfreude anregen. Das ist auch der Grund, warum universell einsetzbare Legos, Knete oder die guten, alten Bauklötze nie ihren Reiz verlieren. Modernes Spielzeug schränkt seltsamerweise oft die Möglichkeiten ein - Puppen oder Stofftiere, die "sprechen können", immer dieselben Sätze oder vorprogrammierten Bewegungen wiederholen, werden schnell langweilig. Auch sollte man nicht den Fehler machen, Kinder zu unterschätzen und ihnen "erwachsene" Themen wie beispielsweise Wissenschaft vorzuenthalten. Wie viel Spaß kann dem Nachwuchs ein Zimmerplanetarium machen, zu beobachten, dass eine aufquellende Erbse harten Gips sprengen kann oder wie in einem Glas auf der Fensterbank ein farbiger Kristall heranwächst...
Handwerkszeug für kleine Forscher
Experimentierkästen gibt es heute für jedes Alter und nahezu jedes Interessengebiet - oft sind sie aber auch erst Auslöser für eine neue entdeckte Leidenschaft. Roboter bauen, Edelsteine erforschen, Seife selbst herstellen, optische Täuschungen ausprobieren, erneuerbare Energien verstehen lernen, all das ist heute in altersgerechter Form möglich. Wo für die jüngeren Kinder vielleicht ein "Hörkoffer" oder ein "Rechenkoffer" interessant ist, gibt es für die älteren fantastische Experimentiersets zu komplexen Themen wie Physik, Chemie oder Technik.
Kinder in Bewegung bringen
Geschicklichkeit, Gleichgewichtssinn und Ausdauer kommen nicht von ungefähr, sondern sind die sichtbaren Ergebnisse von Skateboards, Inlinern, Rollern, Schlittschuhen, Stelzen, aber auch so unscheinbaren Spielsachen wie Springseil, Gummitwist, Jonglierutensilien, Lenkdrachen und natürlich allen Arten von Ballspielen. Nachfragen bei den Eltern lohnt sich - ein gut verarbeiteter Fuß- oder Basketball ist auch heute noch ein Schatz und längst nicht in jedem Kinderzimmer vorhanden.
Dem Kind gerecht werden
Spielen lässt sich eigentlich mit allem - doch für ein sinnvolles Geschenk lohnt sich neben Gedanken an Alter und Vorlieben manchmal auch der an eventuelle Schwächen eines Kindes. Es muss ja nicht gleich Lernspielzeug sein, aber wo beispielsweise Geduld und räumliches Vorstellungsvermögen fehlen, könnte man ein dreidimensionales Holz-Puzzle oder das berühmte chinesische Tangram-Legespiel in Geschenkpapier packen. Fingerspitzengefühl entsteht beim klassischen Murmelspielen oder durch Geschicklichkeitsspiele wie Mikado oder das Kugel-Labyrinth, dessen Aufforderungscharakter selbst Erwachsene kaum widerstehen können.
Ein neuer Blick auf die Welt
Wenn es Lesestoff sein soll, so sollte man eines bedenken: Kinder, die ausschließlich Fantasiewelten geboten bekommen, halten sich auch viel in solchen auf und lernen, dass Realität im Allgemeinen wohl langweilig ist. Zeigt man dem Nachwuchs stattdessen, was es in unserer Welt alles zu entdecken gibt (und dass auch Erwachsene längst nicht alles wissen), legt man den Grundstein für einen gesunden Forscherdrang. Gerade für Grundschulkinder gibt es fantastische Sach-Bilderbücher, in denen Wissenswertes verständlich erklärt, knapp zusammengefasst und reich illustriert angeboten wird, und das beinahe zu jedem Thema - ob man nun etwas über die Geschichte der Seefahrt oder berühmte Maler, über Burgenbau, Autos und Motoren, die Steinzeit oder Dinosaurier erfahren möchte.
Aber auch unter den fiktiven Geschichten kann man eine realitätsorientierte Auswahl treffen und beispielsweise zu den Büchern von Lothar Streblow greifen, der spannend wie einen Roman die Lebensgeschichte verschiedener Tiere erzählt - ohne sie dafür vermenschlichen zu müssen oder traurige Ereignisse zu beschönigen. Anstatt der Vorstellung, dass Bären Röckchen tragen und Hasen sich in ein Kohlblatt schneuzen, lernt man hier, wie eine Wildsau sich ihren Kessel baut, dass Fischotter genauso gerne rutschen wie Kinder und wie gefährlich für sie das Überqueren einer Straße ist. Für ältere Kinder und Jugendliche, die gern Romane lesen, gibt der Deutsche Taschenbuchverlag eine Reihe mit dem Titel "Erzählte Geschichte" heraus - sie spielen im alten Rom, während der Französischen Revolution, bei Piraten oder Wikingern und sind nicht nur spannend geschrieben, sondern auch akribisch recherchiert und vermitteln so ganz nebenher Kenntnisse über Geschichte und Politik und Einblicke in unterschiedliche Gesellschaftsentwürfe. Selbst für die Kleinsten gibt es wunderschöne Bilderbücher mit Tierfotografien und dazugehörigen, ebenso schlichten wie realen Geschichten. Es lohnt sich, hier die Augen offen zu halten, sich im Buchhandel einen kompetenten Ansprechpartner zu suchen und direkt nach solchen Titeln zu fragen.
Auf der Suche nach den Ausnahmen
Es gibt sie noch, die Adressen für das Außergewöhnliche. Beim Stöbern im Internet findet man beispielsweise den sogenannten Entdeckerladen - der Name ist Programm. Ob Karabinerhaken zum Klettern, Solarluftschiffe, eine Apfel-Schäl-Maschine, das Dampfboot mit Kerzenantrieb, Stethoskope zum Abhören von Naturgeräuschen oder ein praktisches Taschenmikroskop - all das findet sich hier zu sehr anständigen Preisen, ein Paradies für kleine Abenteurer. Ein wahrer Geheimtipp ist auch der "Deutsches-Museum-Shop", der ursprünglich nur im Deutschen Museum in München zu finden war, inzwischen auch in Freiburg und selbstverständlich im Internet vertreten ist. In diesem Laden wird jeder Erwachsene zum Kind. Verblüffende Kleinigkeiten wie verknotbare Bleistifte, Schnee aus der Dose, 3D-Kristallpuzzles oder Postkarten mit optischen Täuschungen tummeln sich neben Spieldosen, auf denen man selbst komponieren kann oder dem vielgeliebten Blechspielzeug aus der Zeit der Großeltern. Aber vor Allem Wissenschaft zum Anfassen und Ausprobieren wird hier in mannigfaltiger und origineller Form angeboten - zu anspruchsvollen Themenbereichen von Kommunikation bis Luft- und Raumfahrt.
