"Sir Arthur Conan Doyle's Sherlock Holmes" von Asylum

Sir Arthur Conan Doyle's Sherlock Holmes (Asylum) - HMH (über Amazon.de)
Sir Arthur Conan Doyle's Sherlock Holmes (Asylum) - HMH (über Amazon.de)
"Sherlock Holmes" von Asylum ist ein überraschend lustiges Machwerk für alle Freunde des unterhaltsamen Trashfilms.

"The Asylum" ist schon eine bemerkenswerte Filmproduktionsschmiede, hat man sich dort doch dazu entschieden, sich vor allem auf so genannte "Mockbuster" zu spezialisieren. Ein "Mockbuster" ist ein Film, der versucht, sich durch ein ähnliches DVD-Cover und einen ähnlichen Titel an einen bekannten Film anzuhängen und so - in der Hoffnung, dass nichtsahnende Fans aus welchen Gründen auch immer den falschen Film kaufen - ein wenig am Erfolg des großen Vorbildes mitzunaschen.

Bei Asylum verfiel man auf die Idee, sich auf dieses "Genre" zu spezialisieren, als man - ohne es zu wissen - zeitgleich mit Steven Spielberg und Tom Cruise eine eigene Version von H. G. Wells' "Krieg der Welten" auf die Beine stellte und sich hinterher wunderte, wieso die Verkaufszahlen des Filmes - für Asylum-Verhältnisse - derart explodierten. Der Grund dafür lag auf der Hand: Die Leute hatten die Asylum-Variante des Stoffes schlichtweg mit dem Spielberg-Film verwechselt. Es folgten Filme wie "Transmorphers", "Megapiranha", "Alien vs. Hunter", Battle of Los Angeles, "2012: Supernova", "Titanic 2: Die Rückkehr" (!) und eben "Sir Arthur Conan Doyle's Sherlock Holmes". Hier kann man den Trailer zu Sherlock Holmes sehen.

Dinosaurier, Riesenkraken, Roboterdrachen und Iron Man

Der Film beginnt mit Watson, der mitten in einem Bombenangriff im Jahr 1942 davon überzeugt ist, dass er bald sterben wird (was auch daran liegen könnte, dass er als einziger Mensch während des Luftangriffs auf London nicht im Lutzschutzkeller, sondern ganz oben in seinem Wohnzimmer sitzt). Dieser sitzt gemeinsam mit einer jungen Frau in seinem Haus und möchte ihr vor seinem Ableben die letzte Geschichte von Sherlock Holmes und ihm selbst erzählen, die damals nicht aufgezeichnet wurde, da die Welt dafür noch nicht bereit war (ob sie es jetzt ist oder nicht, ist ihm offenbar egal).

Die Geschichte spielt im Jahr 1882 und beginnt damit, dass ein Riesenkrake ein Schiff verschlingt (genauso, wie es bei Sherlock Holmes andauernd passiert, oder?). Sherlock Holmes ist natürlich neugierig, was mit dem Schiff passiert ist und überredet Watson mitzukommen, da eben der letzte Überlebende extrem wirres Zeug von einem Seemonster redet. In der Zwischenzeit versetzt in London ein Tyrannosaurus Rex (!) die Leute in Angst und Schrecken. Das ist aber noch nicht alles: Als Holmes feststellt, wer hinter der ganzen Sache steckt, zieht dieser (es ist - Spoilerwarnung voraus - Homes' auch nur in diesem Film existierender Bruder Thorpe) sich eine viktorianisch angehauchte Iron-Man-Rüstung an und setzt sich in einen selbst gebauten Roboterdrachen. Klar, dass Holmes mit einem mit Artilleriegeschützen aufgerüsteten Heißluftballon die Verfolgung aufnimmt. Nur Watson kann ihm dabei nicht Gesellschaft leisten. Der muss nämlich den von Thorpe losgeschickten Roboter aufhalten, der mit einer Bombe im Bauch den Buckingham Palace entern will.

Hysterischer Wahnsinn, schriftlich festgehalten. Oder: Das Drehbuch von "Sir Arthur Conan Doyle's Sherlock Holmes"

Man kann an der obigen Inhaltsangabe bereits erkennen, dass das Drehbuch ein Manifest des Wahnsinns gewesen sein dürfte, das nicht sehr viel mit dem Original-"Sherlock Holmes" zu tun gehabt hat. Dennoch muss eines gesagt werden: Der Film macht einfach nur Spaß, da die Leute von Asylum sich wohl gedacht, dass sie - wenn sie schon einen Film machen, der mit dem berühmtesten Detektiv der Welt nicht wirklich etwas zu tun hat - dabei so richtig in die Vollen gehen und dem Publikum eine Achterbahnfahrt mit Dinosauriern (die maximal 180 cm groß sind), Roboterdrachen, Riesenkraken, Heißluftballons und einem Vorgänger von "Iron Man" präsentieren können. Das Ergebnis war ein Film, dessen Handlung zwar nicht mehr viel Sinn ergibt, bei dem man als Zuschauer aber nie weiß, ob man angesichts des dargebotenen Werkes nun von der ersten bis zur letzten Minute lachen oder ungläubig den Kopf schütteln soll.

Dominic Keating in Höchstform

Das Tüpfelchen auf dem i ist hier allerdings Dominic Keating ("Star Trek: Enterprise") als Thorpe Holmes. Dem merkt man einfach an, dass er sich wohl so etwas ähnliches gedacht haben muss, wie "Ich weiß, wie schlecht der Film ist. Ach egal, ich hab hier einfach meinen Spaß!" und dann genau das in die Tat umsetzt. Dem Mann merkt man einfach an, dass er in der viktorianischen Iron-Man-Rüstung die Zeit seines Lebens hatte und dieser Spaß überträgt sich beim Ansehen sofort auf die Zuschauer.

Fazit zu "Sir Arthur Conan Doyle's Sherlock Holmes"

Bei dem Film "Sir Arthur Conan Doyle's Sherlock Holmes" darf man vor allem einen Fehler nicht machen: Ihn ernst nehmen. Wenn man sich erst einmal von der Vorstellung verabschiedet hat, hier einen ernsthaften "Sherlock Holmes"-Film zu sehen, kann man eine Menge Spaß haben.

Udo Seelhofer, Udo Seelhofer

Udo Seelhofer - Studium: Deutsche Philologie (abgeschlossen) Kombinierte Religionspädagogik (im letzten Abschnitt) Arbeit: Seit Oktober 2006 ...

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