SK Rapid Wien – der Fall Nikica Jelavic

Zuerst war der kroatische Teamstürmer Jelavic ein Held bei Rapid Wien, bis er seinen Wechsel zu den Glasgow Rangers erzwang.

Der SK Rapid Wien am Donnerstag dem 26. August 2010 durch einen sensationellen 3:2-Auswärtssieg – nach einem 1:1-Heimremis – den englischen Vertreter Aston Villa in der Europa League-Qualifikation geschlagen. Dasselbe Kunststück gelang den Wiener bereits 2009. Im Vorjahr war der kroatische Teamstürmer Nikica Jelavic der gefeierte Held, doch dieses Jahr ist er der große Verlierer.

Transferstreit mit kuriosen Folgen

Nachdem sich Nikica Jelavic in der Saison 2009/2010 durch Tore in der Europa League und konstant gute Leistungen in der österreichischen Meisterschaft, zog der Kroate das Interesse internationaler Vereine auf sich. Einer davon war der frisch gebackene schottische Meister Glasgow Rangers. Ein sportlich attraktives Plus war in den Verhandlungen die fixe Teilnahme an der Champions League Gruppenphase. Die Verhandlungen zwischen den Rangers und Rapid Wien gerieten jedoch immer wieder ins Stocken. Dank heftiger medialer Unterstützung konnte dem Gezerre um die Ablöse und die Gehaltsforderungen Jelavics beigewohnt werden.

Erschwerend hinzu kamen sowohl das Ende der Transferzeit als auch die Teilnahme der Wiener an der Europa League Qualifikation. Nach Erfolgen gegen FK Suduva Marijampole und PFC Beroe Stara Sagora, sollte man in der letzten Runde erneut gegen Aston Villa treffen. Um für die Glasgow Rangers ein wertvoller Kauf zu sein, durfte Jelavic nicht mit Rapid gegen die Engländer erfolgreich sein, denn ansonsten wäre er nicht für die Rangers in der Champions League spielberechtigt. Drei Tage vor dem Hinspiel gegen Aston Villa, erklärte das Management von Rapid Wien, die Verhandlungen für beendet und den Transfer für gescheitert, da man nicht auf den wichtigen Stürmer verzichten wollte. Kurios, denn Jelavic war dennoch zu medizinischen Tests bei den Glasgow Rangers geladen.

Ein Stürmer verweigert die Arbeit und beschert seinem Verein 4,9 Millionen Euro

Am 19. August – am Tag des Hinspiels – trat Nikica Jelavic die Flucht nach vorne an. Um den Transfer zu erzwingen, erklärte der kroatische Stürmer seinem Noch-Trainer Peter Pacult und dem Management, nicht länger für den Verein spielen zu wollen, um einen Transfer zu den Glasgow Rangers nicht zu gefährden. Der Verein sah sich in einer Zwangslage und suspendierte Jelavic, nur um schließlich doch den Transfer zu tätigen.

Den Schotten war Jelavic 4,9 Millionen Euro Ablöse wert und Rapid-Präsident Rudolf Edlinger gerierte sich öffentlich als der Klügere, der nachgibt, und den nunmehrigen Ex-Stürmer nicht auf Vertragsbruch verklagen möchte. Angesichts der Transfersumme, die den Wiener in die Kassen gespült wurde, wohl ein Geschäft welches mit einem weinenden und einem lachenden Auge abgeschlossen wurde.

Die Schadenfreude über den verunglückten Poker Jelavics

Die Freude der Wiener dürfte nun noch größer sein, denn nach dem Erfolg über Aston Villa, behält Rapid Wien die Transfersumme und die Glasgow Rangers dürfen in der Champions League nicht auf ihren Neueinkauf zurückgreifen. Nikica Jelavic ist nicht spielberechtigt, da er bereits für einen anderen Klub tätig war, der nun in einer Gruppenphase mit von der Partie ist.

Die Fans der Hütteldorfer weinen dem einstigen Starstürmer keine Träne nach, sondern quittieren den unrühmlichen Abgang mit Hohn und Spott. Für den Spieler bleibt zumindest ein gut dotierter Vertrag bei einem Prestigeträchtigen Verein.

Patrick Dorner, Patrick Dorner

Patrick Dorner - Als Autor verfolge ich verschiedene Themengebiete, jedoch bin ich hauptsächlich im Bereich Film & TV zu finden. Weitere ...

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